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Private Equity drängt in das Geschäft großer Anwaltskanzleien

Kanzleien wie Paul Weiss und Quinn Emanuel prüfen externe Kapitalbeteiligungen – ein Modell, das US-Ethikregeln umgehen soll.

• 3 Min
Private Equity drängt in das Geschäft großer Anwaltskanzleien

Private-Equity-Firmen haben ein neues Ziel ins Visier genommen: die lukrativen Großkanzleien der USA. Paul Weiss, Quinn Emanuel und Proskauer gehören zu den Kanzleien, die Gespräche mit Private-Equity-Gruppen oder Bankern geführt haben, um die Vor- und Nachteile einer externen Kapitalbeteiligung zu prüfen. Auch White & Case lässt die Struktur von einer Gruppe erfahrener Anwälte analysieren. Die Gespräche befinden sich derzeit in einem explorativen Stadium.

Das Interesse gilt einem komplexen Modell, das die US-Ethikregeln umgehen könnte, die eine Eigentümerschaft von Nicht-Anwälten an Kanzleien untersagen. Das Modell ist als „Management Services Organisation" bekannt und trennt die juristische Arbeit einer Kanzlei vom Rest ihres Geschäftsbetriebs. So soll externer Kapitalzufluss ermöglicht werden, ohne formal gegen die Berufsordnung zu verstoßen.

Warum Private Equity auf Kanzleien schielt

Die Motivation der Buyout-Firmen ist nachvollziehbar: Die Multimillionäre und Milliardäre im Private-Equity-Geschäft sind dafür bekannt, sich über horrende Anwaltskosten zu beschweren. Vergütungspakete von Top-Anwälten können mehr als 20 Millionen US-Dollar erreichen. Wer so viel zahlt, denkt irgendwann darüber nach, am Geschäftsmodell selbst zu partizipieren.

Private Equity argumentiert, dass solche Deals Kapital einbringen würden, um herausragende Anwälte abzuwerben und in modernste KI-Technologie zu investieren. Der Subtext dabei: Auch die aktuellen Partner könnten erheblich profitieren. Sollte eine große Kanzlei den ersten Schritt wagen, könnten andere unter Druck geraten, diesem Beispiel zu folgen.

Es gibt jedoch gewichtige Gegenargumente. Einige Kanzleichefs befürchten, dass ein solcher Schritt Top-Talente vertreiben könnte. Kritiker warnen zudem, dass ältere Partner auf Kosten jüngerer Generationen Kasse machen könnten und Anwälte die Kontrolle über wichtige operative Entscheidungen verlieren würden. Einige Investoren zögern außerdem, weil die Künstliche Intelligenz das Geschäftsmodell von Anwaltskanzleien grundlegend zu verändern droht.

Jane Street und EasyJet: Zwei weitere Großdeals im Fokus

Parallel dazu bewegt der Markt ein weiterer wegweisender Private-Credit-Deal: Das verschwiegene Handelsunternehmen Jane Street führt Gespräche über die Refinanzierung seiner Verbindlichkeiten mit einer kleinen Gruppe von Investoren, darunter der Vermögensverwalter Pimco. Der Deal soll Jane Street helfen, seine Investitionen in Künstliche Intelligenz auszuweiten.

Ebenfalls für Aufsehen sorgt die Übernahme von EasyJet: Der Billigflieger hat einem Angebot von Apollo in Höhe von 5,7 Milliarden Britischen Pfund zugestimmt, nachdem sich der Rivale Castlelake aus dem Bieterstreit zurückgezogen hat. Damit wird der Weg frei für eine weitere Privatisierung eines an der Londoner Börse notierten Unternehmens – ein Trend, der die europäischen Kapitalmärkte zunehmend beschäftigt.

Intel-Chef Tan: Kulturwandel mit harter Hand

Ein weiteres zentrales Thema ist die Transformation von Intel unter CEO Lip-Bu Tan, der das Amt im März des vergangenen Jahres übernahm. Der ruhige, besonnene Manager zeigte schnell eine skrupellose Ader: Mehrere Insider beschrieben eine „Säuberungswelle", bei der bis auf zwei Mitglieder das gesamte Führungsteam ausgetauscht wurde. Sein Kriterium laut einem Insider: Vertrauen in Wahrheit und Umsetzungstreue.

Tan hat die Wall Street davon überzeugt, dass ein grundlegender Kulturwandel im Gange ist, und den US-Steuerzahler, Nvidia sowie SoftBank als Teilhaber an Bord geholt. US-Präsident Donald Trump verweist mit Genugtuung auf die Buchgewinne der Aktienrally für die 10-prozentige Regierungsbeteiligung. Dennoch gilt Intel laut Insidern und Analysten noch nicht als gerettet. Entscheidend wird sein, ob sich die massiven Investitionen in die Chipfertigungstechnologie, die vor fünf Jahren unter Vorgänger Pat Gelsinger begannen, tatsächlich auszahlen.

Personalien und Marktbewegungen

Auch auf der Personalseite gibt es Bewegung: David Miller, Co-Chief Executive der Private-Credit-Gruppe von Goldman Sachs, tritt zum Jahresende zurück. Vivek Bantwal wird alleiniger CEO. Ryan Lance, Vorstandsvorsitzender von ConocoPhillips, tritt ebenfalls Ende des Monats zurück und wird durch Andy O'Brien ersetzt, den bisherigen Finanzvorstand und Executive Vice President für Strategie und Handel. Die Bank of America hat zudem Simbah Mutasa zum Leiter des Investmentbankings für Afrika und Sjoerd van Hooijdonk zum Leiter für die Benelux-Region ernannt.

Für Gesprächsstoff in der Branche sorgt auch der Halbjahresbericht „M&A Reporter Batting Averages" von TD Securities, der Deal-Reporter nach ihrer Trefferquote bewertet. Die Financial Times führt demnach mit einer Quote von 76 Prozent in der ersten Jahreshälfte. Kritiker aus der Branche halten die Methodik jedoch für fragwürdig, da Berichte über Deals, die letztlich nicht zustande kommen oder noch weit in der Zukunft liegen, als Fehlschläge gewertet werden.

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