Private-Credit-Fonds: Anleger ziehen Milliarden ab
Erstmals seit Beginn des Private-Credit-Booms verlangen vermögende Privatanleger in großem Stil ihre Gelder zurück. Mehrere große Fonds verzeichnen Rücknahmen von bis zu 15 Prozent.

Die Private-Credit-Branche erlebt einen historischen Wendepunkt: Zum ersten Mal seit Beginn des Booms versuchen zahlreiche Privatanleger, ihre Gelder aus den Fonds abzuziehen. Mehrere der größten Fonds, die wohlhabenden Privatpersonen zugänglich sind, erhielten Ende 2024 Rücknahmeanträge von etwa fünf Prozent der Anteilseigner – deutlich über dem normalen Volumen.
Besonders betroffen ist der Fonds von Blue Owl, der Rücknahmen von rund 15 Prozent seiner Anteile verzeichnete. Die Abzüge kamen hauptsächlich von asiatischen Kunden, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete. Die Entwicklung zeigt sich in den Einreichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC.
Schlechtes Timing für Regulierungspläne
Die steigenden Rücknahmen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Trump-Administration drängt derzeit auf neue Regeln, die die privaten Märkte "demokratisieren" sollen. Konkret geht es darum, Private-Credit-Fonds in 401(k)-Altersvorsorgepläne für alle Amerikaner aufzunehmen – eine Initiative, die nun durch die aktuellen Entwicklungen in Frage gestellt wird.
Manager sehen Panikmache als Ursache
Die betroffenen Manager, darunter Apollo Global Management, Blackstone und Blue Owl, führen die Abzüge auf negative Berichterstattung zurück. Sie machen Panikmache über eine jüngste Welle von Unternehmensinsolvenzen verantwortlich, wie etwa die Pleite des Automobilzulieferers First Brands.
Analysten: Enttäuschte Erwartungen der Grund
Analysten sehen jedoch eine einfachere Erklärung: Privatanleger reagieren wie gewohnt, wenn eine Anlageklasse die Erwartungen nicht erfüllt. "Diese Anleger sind wirklich überrascht, wenn ihre Dividenden sinken", erklärt Robert Dodd, Analyst bei Raymond James, der Business Development Companies (BDCs) beobachtet.
BDCs sind Private-Credit-Fonds, die besonders stark an Privatanleger vermarktet werden. Sie vergeben typischerweise hochverzinsliche Kredite an mittelständische Unternehmen mit Ramsch-Rating und verwenden die Zinseinnahmen zur Dividendenzahlung. Wenn die Kreditnehmer in Schwierigkeiten geraten, sinken die Ausschüttungen – was viele Anleger offenbar nicht einkalkuliert hatten.
Bedeutung für deutsche Anleger
Für deutsche Investoren ist die Entwicklung ein wichtiges Warnsignal. Private Credit gilt als alternative Anlageklasse mit attraktiven Renditen, birgt aber erhebliche Risiken. Die aktuellen Rücknahmen zeigen, dass auch vermeintlich stabile Erträge unter Druck geraten können, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert.
