Private-Credit-Fonds: Anleger ziehen massiv Gelder ab
Erstmals seit Beginn des Private-Credit-Booms verzeichnen große Fonds massive Mittelabflüsse. Etwa 5% der Anteilseigner beantragten Ende 2024 Auszahlungen – ein deutlich überdurchschnittliches Volumen.

Der boomende Private-Credit-Markt erlebt seine erste größere Bewährungsprobe: Zahlreiche Privatanleger ziehen ihre Gelder aus den Fonds ab, die hochverzinsliche Kredite an mittelständische Unternehmen vergeben. Die Entwicklung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da die Trump-Administration gerade plant, diese Anlageklasse auch für 401(k)-Altersvorsorgepläne zu öffnen.
Rekordabflüsse bei großen Fonds
Laut Einreichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC beantragten Ende letzten Jahres etwa 5% der Anteilseigner bei mehreren der größten Fonds Auszahlungen – deutlich mehr als üblich. Besonders betroffen ist ein Fonds von Blue Owl: Hier wurden Rücknahmen von rund 15% der Anteile verzeichnet, hauptsächlich von asiatischen Kunden.
Die betroffenen Fonds werden von Branchengrößen wie Apollo Global Management, Blackstone und Blue Owl verwaltet. Diese sogenannten Business Development Companies (BDCs) vergeben typischerweise hochverzinsliche Kredite an mittelständische Unternehmen mit Ramsch-Rating und zahlen die Zinserträge als Dividenden an ihre Anleger aus.
Manager sehen Panikmache als Ursache
Die Fondsmanager führen die steigenden Abzüge auf Verunsicherung zurück, die durch eine jüngste Welle von Unternehmensinsolvenzen ausgelöst wurde. Als Beispiel nennen sie den Automobilzulieferer First Brands, der kürzlich Insolvenz anmelden musste.
Analysten sehen jedoch eine einfachere Erklärung: Privatanleger reagieren wie gewohnt, wenn eine Anlageklasse die Erwartungen nicht erfüllt. "Diese Anleger sind wirklich überrascht, wenn ihre Dividenden sinken", erklärt Robert Doday, Analyst bei Raymond James, der auf BDCs spezialisiert ist.
Timing könnte nicht ungünstiger sein
Die Entwicklung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für die Branche. Die Trump-Administration plant derzeit, die privaten Märkte zu "demokratisieren" und ihre Aufnahme in 401(k)-Altersvorsorgepläne für alle Amerikaner zu fördern. Die aktuellen Mittelabflüsse könnten diese Pläne erschweren und Fragen zur Eignung dieser Anlageklasse für Privatanleger aufwerfen.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung besonders relevant, da auch hierzulande zunehmend Private-Credit-Produkte für vermögende Privatpersonen angeboten werden. Die Ereignisse in den USA zeigen, dass diese Anlageklasse nicht ohne Risiken ist und Anleger mit Schwankungen bei den Ausschüttungen rechnen müssen.
