Premier League: Investoren bestimmen das Spiel
Der Verkauf von Manchester United und die geopolitischen Interessen in der Premier League

In der Premier League geht es um Milliarden - nicht nur auf dem Platz, sondern auch hinter den Kulissen. Manchester United steht zum Verkauf und mit dem potenziellen Käufer Scheich al-Thani aus Katar könnte der Einfluss der Golf-Staaten in Nordengland weiter wachsen. Newcastle United ist bereits in den Händen der Saudis und Manchester City gehört Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch der Kauf eines Fußballvereins geht um mehr als nur ein reines Investment, wie Simon Chadwick betont. Es lässt sich politisches Kapital aus dem Besitz eines Fußballclubs schlagen, um Netzwerke zu bauen und Zugang zu wichtigen Entscheidungsträgern zu bekommen.
Doch hohe Investitionen bedeuten nicht automatisch sportlichen Erfolg, wie der FC Chelsea zeigt. Obwohl der Verein bei den Ausgaben Spitzenreiter ist, steht er in der Tabelle weiterhin auf Platz zehn. Die neuen Eigentümer, die Private-Equity-Gesellschaft Clearlake eCapital und der US-Milliardär Todd Boehly, haben im Winter im großen Maßstab eingekauft und für zahlreiche neue Spieler rund 320 Millionen Euro ausgegeben. Doch sportlich zahlt sich das bisher nicht aus.
In der vergangenen Woche hat die britische Regierung ein Weißbuch vorgelegt, wie die Kontrolle des Vereinsfußballs reformiert werden soll. Dabei geht es auch um den Erwerb und Besitz der Clubs. Fußballexperte Gary Neville fordert eine Aufsicht im englischen Fußball, damit es ein bestimmtes Niveau an Kontrolle gibt. Um in diesem Land Eigentümer eines Fußballclubs zu werden, sollte es eine Lizenz geben und eindeutige Kriterien, die jeder kennt, so Neville. Manchester-United-Fans fordern, dass ein neuer Clubbesitzer die Rechte aller respektieren müsse, auch die von Frauen und Angehörigen der LGBTQ-Community.
Während in der Premier League immer höhere Summen fließen und Investoren versuchen, politisches Kapital aus dem Besitz eines Fußballclubs zu schlagen, fordern Fans und Experten eine Kontrolle und Regulierung des Vereinsfußballs. Ob sich diese Forderungen durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Doch eines steht fest: Hohe Investitionen bedeuten nicht automatisch sportlichen Erfolg.
