Pre-IPO-Investments in SpaceX und OpenAI: Vorsicht geboten
Privatanleger können in gehypte Pre-IPO-Unternehmen investieren – doch Finanzberater warnen eindringlich vor versteckten Risiken und hohen Kosten.

Die Verlockung ist groß: Noch vor dem Börsengang in Unternehmen wie SpaceX, OpenAI oder Anthropic einzusteigen, klingt nach der Investitionschance des Lebens. Für 2026 werden einige der größten und meistbeachteten Börsengänge der Wall Street erwartet. Doch Finanzberater mahnen Privatanleger eindringlich zur Vorsicht.
Technisch gesehen ist ein solcher Einstieg für Privatanleger durchaus möglich. Zugangswege gibt es mehrere: direkte Zweitmarktplätze, börsengehandelte Fonds (ETFs), die mit Beteiligungen an privaten Unternehmen werben, sowie Krypto-Token, die die Wertentwicklung der jeweiligen Unternehmensaktien widerspiegeln sollen. Doch all diese Methoden unterscheiden sich erheblich – sowohl beim Risikoniveau als auch beim Grad der tatsächlich angebotenen Beteiligung.
Anthropics Warnung schreckt Anleger auf
Besonders deutlich wurde die Problematik durch eine Warnung von Anthropic in der vergangenen Woche. Das KI-Unternehmen stellte klar, dass es keine Investitionen anerkennen wird, die nicht vom eigenen Vorstand genehmigt wurden. Diese Aussage sorgte für Unruhe am Markt und verdeutlicht ein zentrales Risiko: Anleger könnten in Produkte investieren, die keine echte, rechtlich anerkannte Beteiligung am jeweiligen Unternehmen darstellen.
Finanzberater weisen zudem darauf hin, dass viele Investitionen am Privatmarkt mit erheblicher Komplexität und hohen Gebühren verbunden sind. Für die meisten Privatanleger könnte der Aufwand den möglichen Ertrag schlicht nicht rechtfertigen. Wer die Risiken nicht vollständig versteht, riskiert, mehr zu verlieren als zu gewinnen.
Strukturwandel am IPO-Markt benachteiligt Kleinanleger
Der Hintergrund dieses Trends ist ein grundlegender Wandel in der Börsengangskultur. Früher debütierten Unternehmen wie Amazon oder Apple mit einer Marktkapitalisierung von unter zwei Milliarden US-Dollar an der Börse – zu einem Zeitpunkt, an dem das größte Wachstum noch vor ihnen lag. Privatanleger konnten damals von Anfang an dabei sein.
Heute warten Unternehmen deutlich länger mit ihrem Börsengang. SpaceX wurde zuletzt mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertet – eine Summe, die das Ausmaß des Wachstums verdeutlicht, das bereits vor einem möglichen IPO stattgefunden hat. Von diesem Wachstum profitieren bislang vor allem institutionelle Investoren und wohlhabendere Privatpersonen, die Zugang zum Privatmarkt haben.
Für den durchschnittlichen deutschen Privatanleger bedeutet das: Bis ein solches Unternehmen tatsächlich an der Börse handelbar ist, hat ein Großteil der Wertsteigerung bereits stattgefunden. Der vermeintliche Vorteil eines frühen Einstiegs über Zweitmarktprodukte muss daher sorgfältig gegen die damit verbundenen Risiken, Kosten und rechtlichen Unsicherheiten abgewogen werden.
Zweitmarktplätze
ermöglichen den direkten Kauf von Anteilen, sind aber oft nur für akkreditierte Investoren zugänglich -
ETFs mit Privatmarkt-Beteiligungen
bieten breitere Zugänglichkeit, aber indirekte Beteiligung und Gebühren -
Krypto-Token
spiegeln lediglich die Wertentwicklung wider und stellen keine echte Unternehmensbeteiligung dar
Anleger sollten sich vor einem Engagement im Pre-IPO-Bereich umfassend beraten lassen und die jeweiligen Produktbedingungen genau prüfen. Die Warnung von Anthropic zeigt: Nicht jedes Produkt, das mit einem bekannten Namen wirbt, bietet auch eine echte Beteiligung daran.
