Postbank setzt auf digitale Transformation
Gebührenfreies Konto, Filialabbau und neue digitale Services im Fokus

Die Postbank, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, plant, im kommenden Jahr ihre Kontomodelle zu aktualisieren und ein neues, gebührenfreies Konto einzuführen. Dieses Modell soll sich an den Strategien von Neobanken orientieren und gezielt Neukunden ansprechen. Bereits 2016 gab es ein ähnliches Angebot für Kunden mit einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.000 Euro. Dominik Hennen, seit Herbst 2023 Leiter des Privatkundengeschäfts bei der Postbank und der Deutschen Bank, betont, dass differenzierte Gebührenmodelle geplant sind, wobei das günstigste gebührenfrei sein könnte.
Parallel dazu verfolgt die Postbank eine umfassende Digitalisierungsstrategie, die den Abbau von Filialen umfasst. Bis Ende 2026 sollen von den derzeit 550 Standorten 230 geschlossen werden, davon 78 bereits bis Ende dieses Jahres. Im Gegenzug werden Digitalisierungsmaßnahmen wie die Einführung eines KI-basierten Chatbots und die Erweiterung der Funktionen der Postbank-App umgesetzt. Aktuell können 60 Serviceanliegen digital bearbeitet werden, darunter auch der vollständig digitale Abschluss von Tagesgeldkonten. Die App-Bewertungen haben sich signifikant verbessert, und die Nutzung stieg im zweistelligen Prozentbereich.
Die Transformation zeigt bereits Erfolge. Die Bank gewann durch ein attraktives Tagesgeldangebot innerhalb weniger Wochen eine fünfstellige Zahl neuer Kunden. Rund 70 Prozent der Abschlüsse erfolgten digital. Zudem investiert die Postbank in die Modernisierung von Geldautomaten, die sicherer, barrierefrei und kosteneffizienter sein sollen. Allein in diesem Jahr werden 900 Geräte ausgetauscht.
Um den Übergang zur digitalen Nutzung zu erleichtern, setzt die Postbank auf sogenannte Digitalcoaches, die Kunden in den verbleibenden Filialen den Umgang mit digitalen Services näherbringen. Bisher wurden 150 solcher Coaches ausgebildet, und ihre Zahl soll weiter steigen. Neben der Einführung reiner Beratungsfilialen, von denen neun bereits existieren und 120 geplant sind, bietet die Postbank zusätzliche Anreize wie gebührenfreies Bargeldabheben im Supermarkt.
Trotz des Wandels bleibt die Bank jedoch auch mit Herausforderungen konfrontiert. Serviceprobleme infolge einer IT-Migration und ein Stellenabbau in mehreren Bereichen, darunter Filialschließungen und Zentralbereiche, haben zu Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern geführt. Insgesamt sollen 20 Prozent der Stellen in den Zentralbereichen wegfallen, was Teil eines umfassenderen Stellenabbaus im vierstelligen Bereich ist. Dennoch verfolgt die Postbank ihre Strategie konsequent, um langfristig profitabler zu werden und ihre Position auf dem Markt zu stärken.
