Porsche sucht neuen Vorstandschef
Blume konzentriert sich auf Volkswagen – Nachfolgesuche zieht sich wegen unterschiedlicher Interessen

Beim Sportwagenhersteller Porsche steht ein einschneidender Führungswechsel bevor. Vorstandschef Oliver Blume hat sich entschieden, sein Amt niederzulegen, um sich künftig ausschließlich auf seine Rolle als Chef des Volkswagen-Konzerns zu konzentrieren. Damit endet seine Doppelrolle, die innerhalb des Konzerns wie auch bei Aktionären immer wieder kritisiert worden war. Nun hat die Suche nach einem Nachfolger begonnen, die sich jedoch als komplex erweist.
Nach übereinstimmenden Informationen aus Konzern- und Finanzkreisen laufen derzeit intensive Gespräche zwischen Blume, Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Vertretern der Eigentümerfamilien Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch sowie dem Betriebsrat. Eigentlich sollte der Wechsel bereits im September verkündet werden, doch der Prozess verzögerte sich. Insider gehen jedoch davon aus, dass die Entscheidung im Herbst öffentlich gemacht und der Übergang bis Anfang 2026 abgeschlossen sein wird.
Als Kandidaten für die Nachfolge werden sowohl interne als auch externe Persönlichkeiten in Betracht gezogen. Dabei zeichnen sich unterschiedliche Präferenzen der beteiligten Gruppen ab: Während die Familien Porsche und Piëch eigene Vorstellungen haben, verfolgt der Betriebsrat eigene Interessen. Auch Blume selbst soll in die Diskussionen eingebunden sein. Diese unterschiedlichen Sichtweisen tragen dazu bei, dass die Beratungen länger dauern als ursprünglich erwartet.
Der Zeitpunkt des Führungswechsels fällt in eine Phase, in der Porsche wirtschaftlich unter starkem Druck steht. Der Konzernüberschuss für die ersten sechs Monate des Jahres lag bei 718 Millionen Euro, ein Rückgang von mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich zeigte sich die Krise im zweiten Quartal, als der operative Gewinn im Autogeschäft um nahezu 91 Prozent einbrach. Allein durch die jüngsten US-Zölle entstand eine Belastung von rund 400 Millionen Euro.
Zusätzlich drückten Sonderkosten infolge des Konzernumbaus auf die Bilanz. Vor allem die Entwicklung in China sowie Investitionen in die Neuausrichtung belasteten die Finanzen. Porsche reagiert mit einem umfassenden Sparprogramm, das auch Stellenstreichungen in der Region Stuttgart vorsieht. Weitere Maßnahmen sollen in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden.
Die Eigentümerfamilien wollen mit der baldigen Ernennung eines neuen Vorstandschefs ein Signal an den Kapitalmarkt senden. Sie versprechen sich davon, die Sanierung des Sportwagenbauers mit Nachdruck voranzutreiben und das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Oliver Blume betonte zuletzt selbst die Schwere der Situation und machte deutlich, dass Porsche weit entfernt sei von den eigenen Ansprüchen und Zielen.
