Porsche im Dax kostete Anleger Rendite
Regelverstoß bei Aufnahme führte zu Punktverlusten und benachteiligte Rheinmetall als Alternativkandidat

Porsche hat Anlegern nach Berechnungen eines Governance-Experten über Jahre hinweg spürbare Renditeverluste beschert. Grund dafür war die Aufnahme des Sportwagenherstellers in den DAX-40-Index, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht vollständig erfüllt waren. Die Entscheidung des Indexbetreibers Stoxx, Porsche im Dezember 2022 aufzunehmen, führte dazu, dass der Index bis zum Ausscheiden des Unternehmens im September 2025 schwächer abschnitt, als es bei regelkonformer Auswahl der Fall gewesen wäre.
Anleger, die über ETF-Indexzertifikate kostengünstig in die größten deutschen Unternehmen investieren wollten, mussten dadurch erhebliche Einbußen hinnehmen. Nach einer Berechnung gemäß den offiziellen Indexparametern fehlen dem Dax-40-Index rund 1700 Punkte beziehungsweise 7,2 Prozent Rendite. Statt Porsche hätte laut den Regeln die Rheinmetall AG in den Leitindex aufgenommen werden müssen, da sie damals der nächstgrößere Wert war. Die fehlerhafte Zusammensetzung wirkte sich über den gesamten Zeitraum der Porsche-Zugehörigkeit negativ auf die Indexentwicklung aus.
Der entscheidende Punkt betrifft eine nach dem Wirecard-Skandal eingeführte Regel zur Corporate Governance. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat eines Dax-Unternehmens muss unabhängig sein. Bei Porsche war dieser Posten seit Langem mit Christian Dahlheim besetzt, der zugleich CEO einer großen Konzerngesellschaft des Hauptaktionärs Volkswagen ist, der 75 Prozent der Anteile an Porsche hält. Damit gilt er nicht als unabhängig. Aus diesem Grund hätte Porsche die Dax-Voraussetzungen eigentlich nicht erfüllen dürfen.
Trotz dieses Verstoßes sah der Indexbetreiber Stoxx keinen Anlass, Porsche auszuschließen. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die von Porsche abgegebene Entsprechenserklärung des deutschen Corporate-Governance-Kodex. Darin werde Dahlheim nicht als „nicht unabhängig“ bezeichnet, weshalb kein Ausschlussgrund vorgelegen habe. Eine abweichende Einschätzung des international einflussreichen Stimmrechtsberaters ISS, der Dahlheim eindeutig als nicht unabhängig einordnete, wurde nicht berücksichtigt. ISS ist eine Konzernschwester der Deutschen Börse und bewertete den Fall anders als Stoxx.
Porsche war am 20. September 2022 an die Börse gegangen und wurde wenige Monate später in den Dax-40 aufgenommen. Das Unternehmen galt zunächst als Hoffnungsträger mit starkem Börsenstart. Doch die nicht regelkonforme Aufnahme führte über drei Jahre hinweg zu einer spürbaren Verzerrung des Index. Anleger, die sich auf die korrekte Auswahl der Indexmitglieder verlassen hatten, zahlten dafür einen hohen Preis.
