Porsche-Aktie bricht ein wie nie zuvor
Milliardenbelastungen, Strategieänderung und DAX-Abstieg setzen auch VW unter Druck

Die Porsche-Aktie hat den stärksten Kurseinbruch ihrer Geschichte erlebt und die gesamte europäische Automobilbranche mit nach unten gezogen. Auslöser waren Gewinnwarnungen sowohl beim Stuttgarter Sportwagenbauer als auch beim Mutterkonzern Volkswagen. Porsche-Papiere verloren zu Wochenbeginn zeitweise mehr als neun Prozent an Wert. Die Mitteilung vom Freitagabend, wonach milliardenschwere Sonderlasten das Ergebnis belasten werden, hatte Anleger aufgeschreckt. Neben Porsche senkten auch Volkswagen und die Dachgesellschaft Porsche SE ihre Prognosen.
Die Stuttgarter Sportwagenschmiede rechnet in diesem Jahr mit deutlich geringeren Erträgen. Grund sind strategische Umplanungen, die weitere Belastungen von rund 1,8 Milliarden Euro nach sich ziehen. Bereits zuvor waren 1,3 Milliarden Euro an Sonderaufwendungen angekündigt worden. Die Gewinnmarge soll nun lediglich bei maximal zwei Prozent liegen, während bisher fünf bis sieben Prozent erwartet wurden. Auch Volkswagen muss wegen des Kurssturzes der Beteiligung Abschreibungen hinnehmen. Der größte europäische Autobauer senkte seine Prognose für die operative Umsatzrendite von bisher vier bis fünf Prozent auf nur noch zwei bis drei Prozent.
Ein zusätzlicher Faktor für die Schwäche der Porsche-Aktie ist der Ausschluss aus dem DAX. Seit heute notiert das Papier im MDAX, was den Druck auf den Kurs weiter erhöhte. Insgesamt hat die Aktie im laufenden Jahr bereits rund ein Drittel an Wert verloren. Hintergrund ist eine deutliche Kehrtwende in der Produktstrategie: Ursprünglich wollte Porsche die Elektrifizierung mit ehrgeizigen Zielen vorantreiben, doch nun setzt das Unternehmen stärker auf Verbrenner und Plug-in-Hybride. Selbst ein neues großes SUV, das zunächst rein elektrisch angekündigt war, kommt nun mit herkömmlichem Antrieb auf den Markt. Pläne für eine eigene Batteriefertigung wurden aufgegeben.
Als Gründe für den Kurswechsel nennt Porsche die Verzögerungen beim Hochlauf der Elektromobilität sowie schwierige Rahmenbedingungen auf wichtigen Märkten. In China stagniert die Nachfrage nach Luxusautos, und im Export in die USA erschweren Zölle die Geschäfte. Marktbeobachter sehen in der Neuorientierung eine kostspielige Korrektur, die kurzfristig hohe Lasten mit sich bringt. Experten weisen darauf hin, dass die einstige Gewinnmaschine des VW-Konzerns unter Druck geraten ist und neue Elektro-Modelle verschoben werden.
Auch andere Autohersteller gerieten im Sog der Gewinnwarnungen unter Druck. Volkswagen-Aktien verloren über acht Prozent, Papiere von Mercedes-Benz gaben knapp drei Prozent nach, BMW notierte mehr als zwei Prozent schwächer. Auch Stellantis und Renault verzeichneten Kursverluste. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts sank um 2,4 Prozent. Analysten bezeichneten die Entwicklung als ernsten Rückschlag für die deutsche Autoindustrie und verwiesen auf die Enttäuschung bei Investoren über die wiederholten Prognoseanpassungen.
