Polestar sieht US-Geschäft gefährdet
Vorschläge zur Cybersicherheit könnten Produktion und Vertrieb massiv beeinträchtigen

Die schwedische Automobilmarke Polestar äußert ernsthafte Bedenken hinsichtlich ihres Geschäfts in den USA. Grund dafür sind die von der US-Regierung vorgeschlagenen Regeln zur Cybersicherheit, die nach Einschätzung des Unternehmens einem faktischen Verkaufsverbot für Fahrzeuge mit chinesischer Hard- und Software gleichkämen. Diese Regelungen würden nicht nur den Import von Fahrzeugen aus China betreffen, sondern auch die Produktion im US-Werk in South Carolina.
Polestar, das mehrheitlich im Besitz des chinesischen Konzerns Geely ist, hat darauf hingewiesen, dass ein großer Teil seiner Geschäftstätigkeiten außerhalb Chinas stattfindet. Lediglich etwa zehn Prozent der Mitarbeiter sind in der Volksrepublik beschäftigt. Darüber hinaus stammen sieben der zehn Direktoren des Unternehmens aus Europa oder den USA, und der CEO ist Deutscher. Diese Zusammensetzung verdeutlicht, dass Polestar international aufgestellt ist und nicht nur auf den chinesischen Markt fokussiert ist.
Die US-Regierung verfolgt mit den geplanten Maßnahmen das Ziel, nationale Sicherheitsinteressen zu wahren. Insbesondere wird die Vernetzung chinesischer Fahrzeuge auf US-Straßen als potenzielles Risiko angesehen. Der steigende Wettbewerbsdruck, dem amerikanische Automobilhersteller wie General Motors und Ford durch chinesische Konkurrenten ausgesetzt sind, hat in diesem Kontext an Bedeutung gewonnen. Dieser Aspekt spielt auch eine Rolle im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf, wo das Thema nationale Sicherheit und Wirtschaftsschutz hochaktuell ist.
Bereits im Mai hatte die US-Regierung die Strafzölle auf chinesische Elektroautos auf 100 Prozent vervierfacht, was die Wettbewerbsbedingungen für die betroffenen Unternehmen weiter verschärft. Polestar hat das US-Handelsministerium aufgefordert, die Verhältnismäßigkeit der vorgeschlagenen Vorschriften zu überprüfen. Allerdings blieb eine Anfrage von Reuters zur Stellungnahme des Handelsministeriums bislang unbeantwortet. Die Unsicherheiten rund um die künftigen Rahmenbedingungen könnten entscheidende Auswirkungen auf die Strategie und die Marktposition von Polestar in den USA haben.
