Piloten drohen Lufthansa mit Arbeitskampf
Deutliche Mehrheit stimmt für Streik – Konflikt um Betriebsrenten spitzt sich zu

Ein drohender Pilotenstreik versetzt die Lufthansa in eine angespannte Lage. Eine deutliche Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder hat sich in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Erstmals seit drei Jahren könnte der Flugbetrieb des Konzerns damit wieder durch Streiks der Piloten zum Stillstand kommen. Einen konkreten Termin nannte die Vereinigung Cockpit zunächst nicht. Die Tarifkommission und der Vorstand der Gewerkschaft wollen am Mittwoch über das weitere Vorgehen beraten. VC-Präsident Andreas Pinheiro betonte, die Stärke möglicher Streiks hänge auch vom Arbeitgeber ab. Man erwarte nun ein Angebot, das eine Einigung ermögliche.
Im Zentrum des Tarifkonflikts stehen die Betriebsrenten der rund 4.800 Lufthansa-Piloten. Die Gewerkschaft fordert höhere Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Nach ihrer Darstellung habe sich das Versorgungsniveau seit einer Systemumstellung im Jahr 2017 deutlich verschlechtert, weil die Verzinsung gering ausgefallen sei. Die Lufthansa lehnt die Forderungen bislang ab und bezeichnet sie als finanziell nicht tragbar. Sie verweist darauf, dass die Kerngesellschaft seit längerer Zeit keine Gewinne erzielt. Konzernchef Jens Ritter hatte erklärt, es gebe keine Mittel, um die betriebliche Altersvorsorge aufzustocken. Parallel läuft ein Sanierungsprogramm, das gestern mit der Ankündigung eines Stellenabbaus in der Verwaltung konkretisiert wurde. Bis 2030 sollen etwa 4.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Die Beteiligung an der Abstimmung fiel sehr hoch aus. Nach Angaben der Vereinigung Cockpit nahmen 90 Prozent der Piloten der Passage und 95 Prozent der Lufthansa-Cargo-Piloten teil. Von ihnen votierten 88 beziehungsweise 96 Prozent für einen Streik. Damit wurde die notwendige Zustimmung von 70 Prozent deutlich überschritten. Enthaltungen und Nicht-Teilnahmen galten als Nein-Stimmen. Der letzte Pilotenstreik bei Lufthansa fand im Jahr 2022 statt und dauerte einen Tag. Sollte es nun erneut zu Arbeitsniederlegungen kommen, müssten Passagiere mit erheblichen Einschränkungen rechnen. In der Vergangenheit hatte der Konzern während groß angelegter Pilotenstreiks nahezu den gesamten Flugbetrieb eingestellt.
Lufthansa hofft, einen Streik noch verhindern zu können, und erklärte sich nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses zu weiteren Verhandlungen bereit. Personalvorstand Michael Niggemann begrüßte, dass auch die Gewerkschaft zu Gesprächen zurückkehren wolle. Tragfähige Lösungen könnten nur am Verhandlungstisch gefunden werden, betonte er. Gleichzeitig verwies Niggemann darauf, dass das Abstimmungsergebnis die finanziellen Spielräume nicht erweitert habe. Man strebe eine Lösung an, die zur wirtschaftlichen Lage des Konzerns passe.
