PicPay-Börsengang bricht vierjährige IPO-Flaute in Brasilien
Brasilianisches Fintech sammelt 434 Millionen Dollar ein und macht Weg für weitere Emissionen frei

Das brasilianische Finanztechnologie-Unternehmen PicPay hat am Mittwoch erfolgreich seinen Börsengang an der New York Stock Exchange vollzogen und damit eine vierjährige Durststrecke für brasilianische IPOs beendet. Das Unternehmen platzierte 22,86 Millionen Aktien zu je 19 US-Dollar und wird künftig unter dem Tickersymbol PICS gehandelt.
Die Emission bewertet PicPay mit rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Durch eine 30-tägige Mehrzuteilungsoption für die Konsortialbanken könnte das Transaktionsvolumen auf bis zu 500 Millionen Dollar ansteigen. Die Verwässerung für bestehende Aktionäre beträgt etwa 21 Prozent.
Hinter PicPay stehen die Brüder Wesley und Joesley Batista, die über ihre Holdinggesellschaft J&F Investimentos mehr als 90 Prozent der Stimmrechte behalten. J&F kontrolliert unter anderem den in New York gelisteten Fleischkonzern JBS. Die Batista-Brüder hatten sich vor einem Jahrzehnt von einem brasilianischen Korruptionsskandal erholt und ihr Imperium auf über 20 Länder ausgedehnt.
Starke US-Investorennachfrage
Zu den prominenten Investoren gehört Bicycle Capital, ein Wachstumsfonds unter Leitung ehemaliger SoftBank-Manager, darunter der bolivianische Milliardär Marcelo Claure. Der Fonds sagte eine Investition von 75 Millionen Dollar zu. Citigroup, Bank of America und Royal Bank of Canada führten die Emission.
PicPay hatte bereits 2021 einen Börsengang erwogen, diesen aber zunächst verschoben. Das letzte brasilianische Unternehmen, das an die Börse ging, war die Digitalbank Nubank, die Ende 2021 an der NYSE 2,6 Milliarden Dollar einsammelte. Der letzte IPO am brasilianischen Heimatmarkt stammt vom Düngemittelhersteller Vittia im September 2021.
Ausblick auf weitere Emissionen
Anderson Brito, Leiter des Investmentbankings bei UBS BB in Brasilien, erwartet laut einer Umfrage unter institutionellen Anlegern mehr als zehn brasilianische Börsengänge für 2026. Das Fintech Agibank, Ende 2024 mit 1,79 Milliarden Dollar bewertet, hat bereits einen Antrag auf Notierung an der NYSE gestellt.
Allerdings bleiben die Rahmenbedingungen für IPOs am brasilianischen Heimatmarkt herausfordernd. "Wer möchte bei einem Leitzins von 15 Prozent pro Jahr in einen Börsengang in Brasilien investieren?", fragt Pedro Galdi, Investmentanalyst beim Fintech AGF. Die hohen Anleiherenditen machen Aktieninvestitionen weniger attraktiv.
Ulrike Hoffmann, Global Head of Equities bei UBS Global Wealth Management, prognostiziert dennoch eine Belebung: "Ich denke, dass wir in diesem Jahr in den USA insgesamt mehr Börsengänge sehen werden." Cesar Mindof vom brasilianischen Finanz- und Kapitalmarktverband ist überzeugt, dass große Transaktionen in defensiven Sektoren wie Infrastruktur den lokalen Markt wiederbeleben werden.
