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Pfund rutscht ab: Ölgetriebene Dollar-Nachfrage belastet Sterling und Euro

GBP/USD fällt auf 1,3232 US-Dollar, EUR/USD auf 1,1344 – festgefahrene US-Iran-Gespräche treiben Brent auf 107 US-Dollar.

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Pfund rutscht ab: Ölgetriebene Dollar-Nachfrage belastet Sterling und Euro

Der Pfund Sterling hat am Dienstag an Wert verloren. Der Auslöser liegt nicht in Großbritannien, sondern in der Stärke des US-Dollars: Die festgefahrenen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran trieben den Brent-Rohölpreis auf 107 US-Dollar pro Barrel und stützten damit den Greenback. Das Währungspaar GBP/USD notierte um 04:48 Uhr ET (08:48 Uhr GMT) bei 1,3232 US-Dollar, was einem Minus von 0,19 Prozent entspricht.

Der Euro blieb davon nicht unberührt. EUR/USD fiel um 0,24 Prozent auf 1,1344 US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung hielt sich damit zwar besser als das Pfund, konnte sich der allgemeinen Dollar-Nachfrage aber ebenfalls nicht entziehen.

Die Details

Der Optimismus über Fortschritte in den US-iranischen Verhandlungen hat nachgelassen. Iranische Beamte gaben laut Berichten an, dass ein Abkommen vor den US-Zwischenwahlen am 3. November unwahrscheinlich sei. Die Trump-Administration hatte am Montag einen iranischen Vorschlag zur Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs im Hormus-Streitigkeitsgebiet abgelehnt. Brent erreichte am Montag 109 US-Dollar und liegt aktuell bei 107 US-Dollar pro Barrel.

„Wir müssen einige Stabilität bei Anleihen sehen, damit der Dollar korrigiert. Das hängt stark vom Öl ab, und die neuesten Nachrichten sind nicht ermutigend. Die Aufwärtsrisiken für den Greenback steigen wieder“, sagte Francesco Pesole, FX-Stratege bei der ING. Pesole sagte weiter, Aktien würden den Schock gut absorbieren. Er warnte jedoch davor, dass hohe Bewertungen bei so schnell steigenden Zinsen ein Tail-Risiko „erschaffen, das dicker wird und mit großen Dollar-Gewinnen verbunden wäre“.

Die Märkte preisen 17 Basispunkte an Fed-Anhebungen bis Oktober ein – eine hawkishe Tendenz. Die ING erwartet dagegen, dass sowohl die US-Notenbank Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank bis Dezember warten werden. Für den heutigen Handelstag stehen das US-Konsumentenvertrauen für September, das sich bei rund 89 stabilisieren soll, sowie die JOLTS-Joböffnungen auf der Agenda, die Nuancen zum August-Arbeitsmarkt liefern dürften. Die ING erwartet, dass die am Freitag anstehenden Payrolls nach unten revidiert werden, nachdem sie den letzten Monat als „zu stark“ beurteilt hatte.

Der Rückgang des Pfundes scheint durch die Stärke des Dollars getrieben zu sein, nicht durch britische Fundamentaldaten. Die inländischen Daten fielen ohnehin nur marginal weich aus. Der Shop-Preisindex des British Retail Consortium (BRC) zeigte, dass die Inflation im September von 1,5 Prozent im August auf 1,4 Prozent sank – leicht unter der Prognose von 1,5 Prozent, aber über dem dreimonatigen Durchschnitt von 1,3 Prozent. Die Lebensmittelinflation verlangsamte sich auf 2,5 Prozent von 2,8 Prozent, was auf Promotionen zurückzuführen ist. Die Nicht-Lebensmittelinflation sank auf 0,8 Prozent von 0,9 Prozent, begünstigt durch Back-to-School-Rabatte.

Das BRC erklärte, die Händler absorbierten höhere Geschäftskosten, Beschäftigungskosten, Energiekosten und Verpackungssteuern. Gleichzeitig warnte der Verband, dass es eine Grenze dafür gibt, wie viel zusätzliche Kosten die Unternehmen tragen können. Die breitere britische Verbraucherpreisinflation war im August auf 3,1 Prozent gestiegen und soll Anfang 2027 4 Prozent erreichen, falls der Iran-Krieg die Energiepreise weiter treibt.

Der Euro hielt sich trotz dovischer Kommentare von EZB-Präsidentin Christine Lagarde relativ gut. Lagarde sagte, enge Finanzierungsbedingungen begrenzten die Weitergabe von Energiekosten an die breite Preisentwicklung, und die Notenbank sollte eine „maßvolle Antwort“ wählen, da keine Beweise für Zweitrundeneffekte vorliegen. Der Zwei-Jahres-Swap-Spread zwischen SOFR und ESTR weitete sich auf über 155 Basispunkte aus – nicht weit vom Juli-Höchststand von 163 Basispunkten entfernt. Die Märkte preisen 9 Basispunkte an EZB-Anhebungen bis Oktober ein.

„Jede Andeutung starker US-Daten könnte einen Test der Sommer-Tiefs von 1,1320-30 auslösen, wobei Lagardes Kommentare etwas Unterstützung vom Euro nehmen“, sagte ING-Stratege Pesole.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 14.04.2026 berichtete aktien.news, dass das britische Pfund Sterling zugelegt hatte und dabei von einem schwächelnden US-Dollar profitierte. Damals stieg GBP/USD um 0,3 Prozent auf 1,3535, während EUR/USD um 0,2 Prozent auf 1,1780 kletterte. Treiber war eine verbesserte Risikobereitschaft, weil Anleger zunehmend auf eine Entspannung rund um die Straße von Hormus setzten.

Am 20.04.2026 drehte das Bild: Pfund und Euro gaben leicht nach, während sich der US-Dollar angesichts anhaltender geopolitischer Unsicherheit und hoher Energiepreise stabilisierte. GBP/USD fiel um 0,02 Prozent auf 1,3514, EUR/USD gab um 0,01 Prozent auf 1,1763 nach.

Am 28.04.2026 berichtete aktien.news von deutlichem Druck auf beide Währungen, nachdem Washington kühl auf einen iranischen Vorschlag für ein befristetes Waffenstillstandsabkommen reagiert hatte. GBP/USD fiel damals um 0,5 Prozent auf 1,3476, EUR/USD verlor 0,3 Prozent auf 1,1691. ING-Stratege Pesole erklärte seinerzeit, der Dollar könne „nur schwer glänzen“.

Am 27.07.2026 gab das Pfund vor den Sitzungen von Fed und Bank of England leicht nach und notierte bei 1,3316 US-Dollar, ein Minus von 0,06 Prozent. Der Euro behauptete damals seine Gewinne und stieg auf 1,1390 US-Dollar, ein Plus von 0,19 Prozent. Die ING verwies damals auf einen Rückgang des Brent-Preises auf rund 92 US-Dollar pro Barrel.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt sich einmal mehr, wie stark Währungsbewegungen derzeit von der geopolitischen Lage im Nahen Osten abhängen. Der Ölpreis wirkt als zentraler Transmissionskanal: Steigt er, gewinnt der Dollar als vermeintlich sicherer Hafen an Attraktivität, während Pfund und Euro unter Druck geraten. Wer in britischen oder US-amerikanischen Anlagen engagiert ist, spürt diese Schwankungen unmittelbar in der Euro-Rendite.

Interessant ist die Verschiebung der Zinserwartungen. Während die Märkte 17 Basispunkte an Fed-Anhebungen bis Oktober einpreisen, rechnet die ING mit einer Pause beider Notenbanken bis Dezember. Diese Differenz zwischen Markterwartung und Analystenprognose ist ein erhebliches Risiko für Währungs- und Anleihepositionen. Die ING beschreibt das Tail-Risiko fallender Aktien bei schnell steigenden Zinsen als „dicker werdend“, was auch europäische Depots betreffen dürfte.

Auf der britischen Seite stützt der schwache Inflationspfad im Handel die These, dass die Bank of England keinen schnellen Handlungsdruck verspürt. Das BRC warnt jedoch, dass die Kostenabsorption der Händler begrenzt ist – ein Hinweis darauf, dass Preisdruck später zurückkehren könnte. Die ING betont ausdrücklich, dass die Pfund-Schwäche nicht auf britische Fundamentaldaten zurückgeht, sondern ein reines Dollar-Phänomen ist.

Ausblick

Die ING hält an ihrer Prognose eines höheren EUR/USD bis zum Jahresende fest. Diese Einschätzung basiert auf der Annahme, dass keine der beiden Zentralbanken sich vor Dezember bewegt. Eine Zinserhöhung der Fed bereits im Oktober würde dieses Szenario herausfordern. Für den Franken bedeutet das: Die ING sieht die Möglichkeit, dass sich USD/CHF-Gewinne auf 0,84-0,85 ausweiten könnten.

Kurzfristig richtet sich der Blick auf das US-Konsumentenvertrauen für September, das sich bei rund 89 stabilisieren soll, sowie auf die JOLTS-Joböffnungen. Am Freitag folgen die US-Arbeitsmarktdaten, bei denen die ING eine Revision nach unten erwartet. Entscheidend für die weitere Dollar-Entwicklung bleibt nach Einschätzung von Pesole die Stabilität am Anleihemarkt, die wiederum eng an den Ölpreis gekoppelt ist.

Kurz erklärt

  • Brent: Eine internationale Referenzsorte für Rohöl aus der Nordsee, deren Preis den weltweiten Ölmarkt maßgeblich beeinflusst.
  • Basispunkt: Die kleinste gängige Maßeinheit für Zinssätze, verwendet für die Angabe feiner Zinsänderungen.
  • Hawkish: Eine geldpolitische Haltung, die auf restriktivere Zinsen und Inflationsbekämpfung ausgerichtet ist.
Pfund SterlingGbp/UsdEur/UsdUs-DollarBrent-ÖlpreisINGFederal ReserveEZB

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