Petition fordert Rückkehr zur Familienreservierung
128.000 Unterzeichner kritisieren Preiserhöhungen und Servicepolitik der Deutschen Bahn

Mehr als 128.000 Menschen haben sich in einer Petition dafür ausgesprochen, die Familienreservierung bei der Deutschen Bahn wieder einzuführen. Die Unterschriftenliste wurde inzwischen an das Unternehmen übergeben. Initiiert wurde die Aktion vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), der die Abschaffung der bisherigen Regelung im Juni scharf kritisiert hatte. Verbandschef Matthias Kurzeck bezeichnete die breite Beteiligung als deutliches Signal, dass die aktuelle Servicepolitik der Bahn auf Ablehnung stößt.
Bis Mitte Juni konnten Familien für 10,40 Euro pauschal Sitzplätze in Fernzügen reservieren, unabhängig von der Zahl der mitreisenden Kinder. Mit dem Wegfall dieser Möglichkeit änderten sich die Konditionen grundlegend. Seitdem müssen Eltern für jedes Kind eine separate Reservierung bezahlen. In der zweiten Klasse werden pro Sitzplatz 5,50 Euro zusätzlich zum Fahrpreis fällig. Eine vierköpfige Familie zahlt damit 22 Euro, wenn sie während der Fahrt zusammen sitzen möchte. Die Bahn begründete die Änderung unter anderem mit einer Vereinheitlichung des Reservierungssystems.
Die Entscheidung sorgte bei zahlreichen Verbänden und Politikern für Kritik. Familienverbände befürchten, dass das Reisen mit Kindern dadurch unattraktiver und teurer wird. Auch der VCD sieht in der neuen Regelung eine Hürde für Familien, die auf klimafreundliche Verkehrsmittel umsteigen wollen. Die Bahn verwies dagegen auf bestehende Vergünstigungen: Kinder bis einschließlich 14 Jahre fahren in Begleitung von Erwachsenen kostenlos, sofern es um den reinen Fahrpreis geht. Die Reservierung ist davon jedoch nicht umfasst.
Trotz der massiven öffentlichen Reaktionen zeigte sich das Unternehmen bislang unbeeindruckt. Eine Rückkehr zur früheren Familienreservierung ist nicht angekündigt. Die Petition, die nach Angaben des VCD innerhalb kurzer Zeit mehr als 128.000 Unterstützer fand, soll den Druck auf die Bahn erhöhen. Kurzeck verwies in diesem Zusammenhang auf die jüngst vorgestellte „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder.
Der VCD fordert, die Petition als Gelegenheit zu nutzen, um konkrete Verbesserungen umzusetzen. Kurzeck schlug vor, die Familienreservierung zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder einzuführen. Damit könne die Bahn ein Signal setzen, dass sie die Anliegen von Familien ernst nehme. Ob das Unternehmen auf die Forderungen reagiert, ist bislang offen.
