Peru: Fujimori und Sanchez führen vor Präsidentschafts-Stichwahl
Bei 99,76 Prozent ausgezählter Stimmen zeichnet sich die Stichwahl zwischen Keiko Fujimori und Roberto Sanchez ab.

LIMA – In Peru zeichnet sich das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vom April immer deutlicher ab. Bei einem Auszählungsstand von 99,76 Prozent führt die konservative Keiko Fujimori mit 17,17 Prozent der Stimmen das Feld an. Der Linkspolitiker Roberto Sanchez folgt mit 12,00 Prozent auf dem zweiten Platz und qualifiziert sich damit voraussichtlich für die Stichwahl.
Der ultrakonservative ehemalige Bürgermeister von Lima, Rafael Lopez Aliaga, liegt mit 11,91 Prozent knapp hinter Sanchez. Der Vorsprung von Sanchez beträgt dabei fast 15.000 Stimmen. Die nationale Wahlbehörde ONPE gab bekannt, dass noch mehrere tausend Stimmzettel – entsprechend rund 50.000 Stimmen – ausstehen, die Wahltrends der vergangenen Tage deuten jedoch darauf hin, dass sich am Endergebnis kaum noch etwas ändern dürfte.
Stichwahl für den 7. Juni angesetzt
Da kein Kandidat eine absolute Mehrheit erzielen konnte, wird am 7. Juni eine Stichwahl zwischen den beiden führenden Bewerbern stattfinden. Das offizielle Endergebnis der ersten Runde soll laut der nationalen Wahlbehörde bis zum 15. Mai bekanntgegeben werden. Die Auszählung hatte sich über mehrere Wochen hingezogen – bedingt durch logistische Mängel und Betrugsvorwürfe.
Keiko Fujimori, Tochter des verstorbenen ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori, tritt damit zum vierten Mal für das höchste Staatsamt Perus an. Roberto Sanchez geht mit der Unterstützung des inhaftierten ehemaligen linken Präsidenten Pedro Castillo ins Rennen. Beide Kandidaten repräsentieren damit politische Lager mit starker historischer Symbolkraft in Peru.
Betrugsvorwürfe und Rücktritt des Wahlleiters
Die schleppende Auszählung hat in Peru erhebliche politische Spannungen ausgelöst. Insbesondere Lopez Aliaga erhob öffentlich Betrugsvorwürfe. In der Folge trat der oberste Wahlleiter des Landes zurück, gegen den nun die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Beobachter der Europäischen Union erklärten hingegen, sie hätten keine konkreten Beweise für Wahlbetrug gefunden. Dies ist ein wichtiges Signal für die internationale Gemeinschaft, die den Wahlprozess in dem südamerikanischen Land aufmerksam verfolgt.
Rückkehr zum Zweikammersystem
Bemerkenswert ist auch eine strukturelle Neuerung im peruanischen Parlamentssystem: Bei den allgemeinen Wahlen im April hat Peru wieder ein Zweikammersystem eingeführt, bestehend aus Senat und Unterhaus. Zusammen würden die rechten Parteien von Fujimori und Lopez Aliaga in beiden Kammern eine Mehrheit stellen – unabhängig davon, wer die Stichwahl gewinnt.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist Peru als rohstoffreiches Land in Lateinamerika von wirtschaftlichem Interesse. Politische Stabilität und die Ausrichtung der künftigen Regierung – ob links oder konservativ – dürften Auswirkungen auf die Investitionsbedingungen im Land haben. Die Stichwahl am 7. Juni wird zeigen, in welche Richtung sich Peru politisch orientiert.
