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Otto verliert Händler in großer Zahl

Gebührenerhöhungen und technische Probleme führen zu massiven Abwanderungen auf Otto.de

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Otto verliert Händler in großer Zahl

Die Handelsplattform Otto.de, die als zweitgrößter Marktplatz Deutschlands gilt, befindet sich in einer tiefen Krise. Nach einer Phase des Wachstums im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 50 Prozent im Umsatz und einem Anstieg der Dritthändler auf 6500, sieht sich das Unternehmen seit einigen Monaten mit erheblichen Problemen konfrontiert. Der Rücktritt des für den Marktplatz zuständigen Vorstands Bodo Kipper im März 2024 sowie drastische Gebührenerhöhungen haben zu einer massiven Abwanderung von Händlern geführt. Allein im Zeitraum von April bis August wurden laut Marktplatz-Experte Mark Steier 1178 Händleraccounts gelöscht.

Otto selbst räumt ein, dass die Zahl der Marktplatzpartner gesunken ist, bestreitet jedoch die genannte Zahl und führt rund 150 Kündigungen seit Juni 2024 auf Verstöße gegen vertragliche Vereinbarungen zurück. Dazu gehören mangelhafter Kundenservice oder das widerrechtliche Versenden von Ware direkt aus China. Weitere 40 Händler wurden von Ottos Zahlungsdienstleister Otto Payments gekündigt. Händler berichten allerdings, dass diese Kündigungen teilweise ohne Angabe von Gründen erfolgt seien und bereits im März begonnen hätten.

Für viele betroffene Händler stellt die Gebührenerhöhung eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Während die monatliche Grundgebühr auf Otto.de von 39,90 Euro auf 99,90 Euro stieg, blieben andere Marktplätze wie Amazon und Ebay mit 39 Euro deutlich günstiger. Insbesondere die Erhöhung der Provisionen auf Technikzubehör von sieben auf 15 Prozent führte zu Unmut bei den Händlern. Diese äußern ihren Frust in Foren und kritisieren die aus ihrer Sicht mangelnde Partnerschaftlichkeit des Unternehmens.

Darüber hinaus wird Otto auch wegen technischer Probleme auf der Plattform kritisiert. Händler beklagen die holprige technische Anbindung und eine hohe Retourenquote im Vergleich zu anderen Marktplätzen. Ein technischer Dienstleister, der anonym bleiben möchte, äußerte sich abfällig über die technische Kompetenz des Unternehmens und die als arrogant empfundene Kommunikation.

Die Krise belastet das Unternehmen auch finanziell. Während der Umsatz von Otto.de insgesamt um 4,7 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro sank, strebt der Konzern nun danach, die Einnahmen aus den gestiegenen Provisionen weiter zu steigern. Boris Ewenstein, seit Mai 2024 Bereichsvorstand bei Otto, steht nun vor der Herausforderung, das Handels- und Marktplatzgeschäft wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

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