Otto setzt sich gegen Marktplatz-Klagen durch
Zwei Händler scheitern vor Gericht – hunderte weitere verlieren ihre Verkaufsrechte auf Otto.de

Der Handelskonzern Otto hat sich erfolgreich gegen rechtliche Schritte zweier Händler zur Wehr gesetzt, die nach ihrer Kündigung wieder Zugang zum Otto-Marktplatz erhalten wollten. Das Oberlandesgericht Hamburg entschied zugunsten des Unternehmens und bestätigte, dass Otto Händler nach eigenen Kriterien vom Marktplatz ausschließen darf. Die Richter sahen keine sortimentsbedingte Abhängigkeit der Kläger vom Otto-Angebot, ein zentrales Argument der Händler.
Bereits im Herbst 2024 hatte Otto mehreren Hundert Partnern die Zusammenarbeit auf dem Marktplatz gekündigt. Gründe dafür waren unter anderem Verstöße gegen Bilderrichtlinien, fehlende Produktinformationen oder ein unvollständiges Impressum. Ein Teil der Händler hatte die Plattform jedoch auch freiwillig verlassen – nicht zuletzt wegen gestiegener Gebühren und Provisionen, die Otto von Drittanbietern erhebt.
Der Konzern betont, das Portfolio der Partner werde kontinuierlich überprüft. Ein Sprecher erklärte, die Maßnahmen dienten der Sicherung der Angebotsqualität. Konkrete Angaben zu Einzelfällen oder zu Gerichtsverfahren machte Otto nicht. Die Handelsplattform sei mit inzwischen mehr als 6000 Drittanbietern in kurzer Zeit stark gewachsen, erklärte die neue Vorstandsvorsitzende Petra Scharner-Wolff. Angesichts dieses Wachstums sei es aus ihrer Sicht sinnvoll, zu überprüfen, mit welchen Partnern Otto künftig weiter kooperieren wolle.
Intern blieb die Umstrukturierung nicht ohne Folgen. Zwei führende Manager, Bodo Kipper und Sebastian Klauke, verließen das Unternehmen. Kipper war im Vorstand für den Marktplatzbereich zuständig, Klauke als E-Commerce-Vorstand tätig. Der Konzern hatte die Abgänge im Frühjahr und Sommer 2024 öffentlich gemacht.
Otto.de stellt die wichtigste Geschäftseinheit des Mischkonzerns dar. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der Plattform um fünf Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftete Otto.de rund ein Drittel des Gesamtumsatzes des Konzerns, der sich auf 14,9 Milliarden Euro belief. Die Plattform spielt damit eine zentrale Rolle in der Strategie des Unternehmens.
Der Anteil des Bruttowarenvolumens, den externe Händler auf Otto.de umsetzen, liegt aktuell bei 40 Prozent. Nach Angaben von Scharner-Wolff soll sich dieses Verhältnis langfristig bei etwa 50 zu 50 stabilisieren. Insgesamt gibt es in Deutschland laut Handelsverband HDE derzeit 57 Online-Marktplätze.
