Otto Group mit erneutem Millionenverlust
Künstliche Intelligenz soll zukünftige Profitabilität sichern und Prozesse effizienter gestalten

Die Hamburger Otto Group hat im vergangenen Jahr erneut Verluste verzeichnet. Im Geschäftsjahr 2023/24, das am 28. Februar endete, betrug der Verlust 426 Millionen Euro, verglichen mit einem Minus von 413 Millionen Euro im Vorjahr. Alexander Birken, der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, erklärte bei der Bilanzpräsentation, dass das Unternehmen mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sei und keine „Hurra-Stimmung“ herrsche. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass sich die Otto Group in der Krise konsolidiert habe und für künftige Herausforderungen gut gerüstet sei. Er kündigte an, dass das Unternehmen kurz- bis mittelfristig wieder profitabel sein wolle.
Im Jahr 2021/22 hatte das Familienunternehmen noch einen Gewinn von über 1,8 Milliarden Euro erzielt. Birken betonte, dass das Management das Unternehmen nicht nach Umsatz, sondern nach Profitabilität und Liquidität steuere. Im abgelaufenen Geschäftsjahr sank der Gesamtumsatz um sechs Prozent auf etwa 15 Milliarden Euro. In Deutschland ging der Umsatz um 5,6 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro zurück. Zu diesem Rückgang trug unter anderem die Schließung unprofitabler Tochterunternehmen wie des Spielwarenhändlers Mytoys bei.
Die Ergebnisschwäche wird vom Unternehmen mit dem angespannten makroökonomischen und geopolitischen Umfeld, dem hohen Zins- und Inflationsniveau sowie der eingetrübten Verbraucherstimmung begründet. Trotz des Umsatzrückgangs konnte das operative Ergebnis gesteigert werden, wie Finanzchefin Petra Scharner-Wolff betonte. Der Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) stieg um 155 Millionen Euro auf 744 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis trugen Maßnahmen wie ein selektiver Einstellungsstopp und eine Reduzierung des Marketingbudgets bei.
Eine außerplanmäßige Abschreibung auf die Beteiligung an Aboutyou belastete jedoch das Konzernergebnis. Aufgrund des schwachen Aktienkurses des Onlinehändlers musste Otto den Buchwert der Tochtergesellschaft reduzieren. Diese Abschreibung nahm laut Scharner-Wolff jedoch auch Risiko aus der Bilanz. Scharner-Wolff wird zum Ende des Geschäftsjahres die Nachfolge von Birken als Vorstandsvorsitzende antreten.
Für das laufende Geschäftsjahr 2024/25 setzt Birken auf eine stabile Umsatzentwicklung und eine deutlich steigende Profitabilität. Er erwartet eine deutliche Verbesserung des operativen Ergebnisses und rechnet mit einer Steigerung des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.
Zur Verbesserung der Profitabilität soll auch die verstärkte Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) beitragen. Birken sieht die Otto Group als Vorreiter im Einsatz von KI in der Handelsbranche. Bereits rund 65 KI-Tools sind bei der Otto Group im Einsatz, sowohl im Kundenservice, in der Logistik als auch in der Produktentwicklung. Diese sorgen für effizientere Prozesse, wie zum Beispiel bei der Erstellung von Artikelbeschreibungen für den Onlinehandel. Während ein Mitarbeiter früher zehn Minuten für eine Artikelbeschreibung benötigte, kann generative KI in derselben Zeit 1500 Beschreibungen erstellen.
