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Ostafrika kämpft gegen Altkleider-Flut aus dem Westen

Kenia, Uganda und Tansania wollen ihre Modeindustrie schützen – doch Millionen Menschen hängen vom Gebrauchtkleidungshandel ab.

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Ostafrika kämpft gegen Altkleider-Flut aus dem Westen

Selbst strömender Regen hält die Käufer nicht vom Gikomba-Markt in Nairobi fern. Der überflutete Marktplatz gilt als größtes Freiluft-Handelszentrum Ostafrikas und ist auf eine einzige Spezialität ausgerichtet: gebrauchte Kleidung, importiert aus den USA, Europa und China. Dieses Bild steht sinnbildlich für ein wirtschaftspolitisches Dilemma, das die gesamte Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) seit Jahren beschäftigt.

Die Frage ist simpel, die Antwort jedoch komplex: Wie soll eine florierende regionale Modeindustrie entstehen, wenn der Markt mit billigen Altkleidern überschwemmt wird? „Wir konkurrieren mit Second-Hand-Kleidung, aber über den Preis können wir nicht konkurrieren", sagt Zia Bett, Gründerin der kenianischen Damenmodemarke Zia Africa, gegenüber der BBC. Elizabeth Paul, Inhaberin von Kuya Creations in Daressalam, bestätigt das Problem: „In meinem Geschäft liegt der Mindestpreis für ein Kleid bei 50.000 Tansania-Schilling (rund 14,50 Britische Pfund). Die Leute sagen mir: Für 50.000 bekomme ich 10 Second-Hand-Kleider."

Kenia ist Afrikas größter Altkleider-Importeur

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: Laut der Handelsdatenplattform Observatory of Economic Complexity (OEC) ist Kenia derzeit Afrikas führender Importeur von Second-Hand-Kleidung, auf Swahili „Mitumba" genannt. Im Jahr 2022 importierte das Land fast 180.000 Tonnen Altkleider – ein Anstieg von 76 Prozent gegenüber 2013, wie UN-Handelsdaten zeigen. Im benachbarten Uganda ist Second-Hand-Kleidung laut einer Studie des staatlich finanzierten Economic Policy Research Centre aus dem Jahr 2024 die am stärksten nachgefragte Bekleidungskategorie – noch vor importierter Neuware und lokal hergestellter Kleidung.

Uganda hat nun reagiert: Die Regierung führte eine zusätzliche Umweltabgabe von 30 Prozent auf Altkleider-Importe ein, die zu einem bestehenden Einfuhrzoll von 35 Prozent und einer Mehrwertsteuer von 18 Prozent hinzukommt. Ziel sei es, die Umweltzerstörung zu mildern und die heimische Produktion zu fördern. Auch Kenia versuchte, die Besteuerung von Altkleidern zu reformieren – nach heftigen Protesten der Bevölkerung, die Preiserhöhungen befürchtete, wurde der Vorschlag jedoch umgehend aus dem Finanzgesetz gestrichen.

Händler wie der ugandische Mitumba-Verkäufer Aaron Sekky lehnen die neuen Abgaben ab. „Ich bin damit nicht einverstanden, denn dies muss eine freie Wirtschaft sein", sagt er der BBC. Das Argument der Branche: Der Second-Hand-Handel unterstütze Hunderttausende Menschen – von Importeuren und Großhändlern über Schneider bis hin zu Marktverkäufern. Laut einer Studie der Mitumba Consortium Association of Kenya (MCAK) sind in ganz Ostafrika bis zu 4,9 Millionen Menschen auf den Handel mit Altkleidern angewiesen.

Kritiker: Einzelhandel schafft kaum echten Wohlstand

Wissenschaftler sehen das Beschäftigungsargument kritisch. „Der Einzelhandel ist die begrenzteste Form der Arbeitsplatzschaffung, die man in einem Wirtschaftssektor haben kann, im Vergleich zu Produktion, Marketing und Vertrieb", sagt Dr. Andrew Brooks vom King's College London, Autor des Buches „Clothing Poverty". „Wenn man nur Dinge importiert und verkauft, trägt man nur sehr wenig zur Wirtschaft seines Landes bei."

Lisa Kibutu, Vorstandsmitglied des Kenya Fashion Council, sieht beide Seiten: Viele Mitumba-Arbeitsplätze seien „von der Hand in den Mund" und böten kein Wachstum. Gleichzeitig anerkenne sie die soziale Funktion der Gebrauchtkleidung. „Als ich Kenia in den 80er Jahren verließ, sah man arme Menschen ohne Kleidung. Heute hat selbst die ärmste Person anständige Kleidung", sagt Kibutu, die zuvor für Designer wie Giorgio Armani und Eileen Fisher gearbeitet hat.

Tatsächlich kaufen längst nicht mehr nur einkommensschwache Kunden auf den Mitumba-Märkten. Die 40-jährige Najma Issa erklärt beim Einkauf auf dem Ilala-Markt in Daressalam: „Die meisten Kleidungsstücke haben eine gute Qualität – sie halten lange." Der 22-jährige Juma Awadh ergänzt: „Ich kaufe Second-Hand-Kleidung wegen der Qualität und weil sie einzigartig aussieht."

Das gescheiterte EAC-Verbot und der US-Druck

Bereits 2015 hatten die damaligen sechs EAC-Mitglieder – Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda – angekündigt, extrem hohe Zölle auf Mitumba-Importe zu erheben und diese schließlich ganz zu verbieten. Die USA, ein bedeutender Exporteur von Altkleidern, drohten daraufhin mit dem Ausschluss der betroffenen Länder aus dem African Growth and Opportunity Act (AGOA) – einem Freihandelsabkommen, das afrikanischen Ländern zollfreien Zugang zum US-Markt ermöglicht. Alle EAC-Mitglieder außer Ruanda zogen ihre Unterstützung für das Verbot zurück.

Ruanda blieb standhaft und erhöhte die Steuer auf Altkleider von 0,20 auf 2,50 US-Dollar pro Kilogramm. Die USA reagierten mit Zöllen von 30 Prozent auf ruandische Kleidungsexporte. Ruanda berichtet dennoch von Erfolgen: Der Anteil von Altkleidern an den Bekleidungsimporten sank von 26 bis 32 Prozent auf 2 bis 7 Prozent, während die Bekleidungsexporte stiegen. Allerdings räumte das ruandische Handelsministerium 2022 ein, ein totales Verbot wegen „aktueller inländischer Lücken in der Produktion" aufzuschieben.

Umweltproblem wächst

Neben der wirtschaftlichen Debatte gewinnt auch die Umweltdimension an Bedeutung. Die gemeinnützige Organisation Changing Markets Foundation schätzte 2023, dass mehr als jedes dritte nach Kenia verschiffte Altkleiderstück direkt auf Mülldeponien landet. „Es gibt keine Infrastruktur, um diese massiven Mengen an Textilabfällen zu entsorgen, und die offiziellen Deponien sind seit Jahren überfüllt", warnt Greenpeace.

Auf internationaler Ebene diskutieren die Unterzeichner des Basler Übereinkommens derzeit, ob gebrauchte Kleidungsstücke – die zunehmend aus Kunststofffasern bestehen – als Abfall eingestuft werden sollen. Dies könnte globale Auswirkungen auf den Altkleider-Handel haben. Der ugandische Designer Joel Okalany, dessen Marke Ekikumba Fusion Altkleider zu hochwertigen Einzelstücken aufwertet, mahnt dennoch zur Geduld: „Die Realität ist, dass wir noch nicht bereit für den Durchbruch unserer eigenen Fertigung sind. In der Schneiderindustrie befinden wir uns noch auf dem Niveau, auf dem wir das Pferd benutzen."

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