Oracle im KI-Boom: Rekordwachstum bei Cloud trifft auf Milliardeninvestitionen
Oracle übertrifft Erwartungen, Cloud-Umsatz verdoppelt sich – doch hohe Ausgaben belasten die Bilanz.

Der US-Softwarekonzern Oracle hat im ersten Geschäftsquartal 2027 die Analystenerwartungen deutlich übertroffen und seine Prognosen für das laufende Jahr angehoben. Das Unternehmen aus Austin, Texas, profitiert massiv von der anhaltenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Der Nettogewinn stieg auf 4,76 Milliarden US-Dollar (1,56 US-Dollar pro Aktie) – ein Plus von 54 bis 60 Prozent im Jahresvergleich. Der Umsatz kletterte auf 19,35 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzungen von 19,13 Milliarden US-Dollar. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit einem Kursplus von rund 7 Prozent.
Cloud-Geschäft als Wachstumsmotor
Der zentrale Wachstumstreiber ist das Cloud-Geschäft, dessen Umsatz um 62 Prozent auf 11,61 Milliarden US-Dollar stieg. Besonders hervorzuheben ist die Oracle Cloud Infrastructure (OCI), deren Erlöse sich auf 7,4 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelten. Mit neuen KI-Cloud-Verträgen im Wert von über 30 Milliarden US-Dollar stiegen die „Remaining Performance Obligations“ – der Auftragsbestand – auf den Rekordwert von 664 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Oracle positioniert sich damit zunehmend als ernstzunehmender „Hyperscaler“ im Wettbewerb zu Amazon (AWS), <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft (Azure) und Google.
Das klassische Softwaregeschäft verzeichnete dagegen einen leichten Rückgang um 3 Prozent auf 5,55 Milliarden US-Dollar. Der Konzern zeigt damit ein für die Branche typisches Muster: Alte Geschäftsfelder schrumpfen, während das zukunftsträchtige Cloud-Geschäft rasant expandiert.
Hohe Investitionslasten belasten die Bilanz
Trotz der operativen Stärke bleibt die finanzielle Situation Gegenstand intensiver Marktbeobachtungen. Die Investitionsausgaben (Capex) sind massiv gestiegen – für das Geschäftsjahr 2027 werden diese auf 70 bis 95 Milliarden US-Dollar geschätzt. Infolgedessen verzeichnete Oracle fünf Quartale in Folge einen negativen freien Cashflow, der im Berichtsquartal auf 5,4 Milliarden US-Dollar anstieg.
Kritiker wie Paul Meeks von Freedom Capital Markets warnen vor diesem „Cash-Burn“. Die Gesamtverbindlichkeiten liegen bei über 120 Milliarden US-Dollar. Um die Bilanz zu stützen, nahm das Unternehmen fast 40 Milliarden US-Dollar an neuem Kapital auf, zur Hälfte durch Aktienverkäufe. Zudem gibt es Spekulationen über eine Kostenoptimierung durch Stellenstreichungen im Bereich von 7.000 bis 10.000 Mitarbeitern.
Finanzchefin gibt Entwarnung
Finanzchefin Hilary Maxson betonte jedoch, dass viele neue Aufträge keine weiteren Kapitalmaßnahmen erforderten. Kunden würden im Voraus zahlen oder eigene Hardware integrieren. Operative Herausforderungen bestätigte CEO Clay Magouyrk, darunter Verzögerungen beim Bau eines Rechenzentrums in New Mexico aufgrund ausstehender Genehmigungen für eine Erdgaspipeline.
Mit Initiativen wie KI-Agenten für den Personalbereich und einem Pentagon-Großauftrag im Wert von bis zu 7 Milliarden US-Dollar unterstreicht Oracle seine Ambitionen im KI-Sektor.
Ausblick: Deutliches Wachstum erwartet
Für das zweite Geschäftsquartal prognostiziert Oracle ein Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 wurde die Gewinnprognose auf 8,10 US-Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von mindestens 90 Milliarden US-Dollar angehoben.
Während Optimisten auf eine Trendwende hin zur positiven Cash-Generierung ab 2029 setzen, bleibt die Oracle-Aktie ein volatiler Gradmesser für den Erfolg des globalen KI-Infrastruktur-Booms. Für Anleger gilt es, die Entwicklung des freien Cashflows und die Verschuldung genau im Blick zu behalten – denn der Wettlauf um die Vorherrschaft im KI-Cloud-Markt ist kapitalintensiv und birgt sowohl Chancen als auch Risiken.
