OpenEvidence: KI-Startup für Ärzte erreicht 12 Mrd. Dollar Bewertung
Das Medizin-KI-Startup OpenEvidence hat seine Bewertung binnen weniger Monate auf 12 Milliarden Dollar verdoppelt. Mehr als 40 Prozent der US-Ärzte nutzen bereits die KI-Plattform.

OpenEvidence, ein KI-Startup aus Miami, das als "ChatGPT für Ärzte" gilt, hat in einer neuen Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar eingesammelt. Die von Thrive Capital und DST angeführte Runde bewertet das Unternehmen mit 12 Milliarden Dollar – eine Verdopplung gegenüber der Bewertung von Oktober 2025.
Das rasante Wachstum zeigt sich eindrucksvoll: Im Februar 2025 sammelte OpenEvidence erstmals 75 Millionen Dollar bei einer Bewertung von einer Milliarde Dollar ein. Bereits im Oktober sprang der Wert auf sechs Milliarden Dollar. Insgesamt flossen dem Startup in weniger als einem Jahr 700 Millionen Dollar von namhaften Investoren wie Google Ventures, Nvidia, Kleiner Perkins und der Mayo Clinic zu.
Fokus auf medizinische Fachkräfte
Gründer Daniel Nadler, der zuvor das KI-Unternehmen Kensho Technologies für 700 Millionen Dollar an Standard & Poor's verkaufte, entwickelte mit Co-Gründer Zachary Ziegler einen spezialisierten Chatbot für Ärzte. Die KI-Modelle wurden mit Daten aus führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften trainiert.
Nach eigenen Angaben nutzen bereits mehr als 40 Prozent der US-Mediziner die Plattform. "95 Prozent der neuen Nutzer erfahren von OpenEvidence durch einen anderen Arzt", erklärt Nadler. Das organische Wachstum führte im vergangenen Jahr zu einem annualisierten Umsatz von über 100 Millionen Dollar.
Werbebasiertes Geschäftsmodell als Erfolgsfaktor
OpenEvidence setzt auf ein ungewöhnliches Geschäftsmodell für KI-Startups: Statt kostenpflichtiger Abonnements finanziert sich die Plattform durch Werbung. Unternehmen können Videoanzeigen in der App schalten. Laut Nadler ermöglicht dies eine schnellere Akzeptanz und breitere Nutzung als ein Bezahlmodell.
Dieser Ansatz findet zunehmend Nachahmer. Selbst OpenAI kündigte kürzlich an, eine werbefinanzierte Version von ChatGPT zu testen. "Wir versuchen, disziplinierter zu sein als Unternehmen, die offen planen, in den nächsten Jahren Milliarden zu verbrennen", betont Nadler.
Wachsender Wettbewerb im Gesundheitssektor
Der US-Gesundheitsmarkt mit einem Volumen von fünf Billionen Dollar jährlich – fast 20 Prozent des US-BIP – lockt zunehmend Tech-Giganten an. OpenAI startete Anfang Januar "ChatGPT Health", Anthropic bietet "Claude Healthcare" an. Beide sind HIPAA-konforme Erweiterungen ihrer Consumer-Chatbots.
Nadler sieht seinen Wettbewerbsvorteil in der Spezialisierung auf Ärzte, der Datenqualität und dem Vorsprung am Markt. Trotz Übernahmeangeboten großer Technologiekonzerne will er OpenEvidence als eigenständiges Unternehmen weiterentwickeln.
Börsengang noch in weiter Ferne
Einen Börsengang schließt Nadler mittelfristig nicht aus, sieht aber eine "natürliche Reihenfolge": Erst müssten Unternehmen mit Basismodellen wie SpaceX, OpenAI oder Anthropic an die Börse gehen. "Dann folgt die Anwendungsebene. So hat sich das Internet entwickelt, und so wird sich auch dieser Zyklus entwickeln."
Der KI-Boom im Gesundheitswesen setzt sich 2026 fort. Laut CB Insights gab es allein im dritten Quartal 2025 sechs KI-Finanzierungsrunden über einer Milliarde Dollar. Anthropic verhandelt über zusätzliche zehn Milliarden Dollar, Elon Musks xAI kündigte eine 20-Milliarden-Dollar-Runde an.
