Online-Reisebranche 2026: KI revolutioniert Buchungsverhalten der Verbraucher
Bank of America identifiziert fünf Schlüsseltrends – agentische KI steht im Mittelpunkt der Transformation.

Die Online-Reisebranche steht 2026 vor einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz wird die Art und Weise, wie Verbraucher ihre Reisen planen und buchen, grundlegend verändern. Die Bank of America (BofA) hat in ihrem aktuellen Ausblick fünf zentrale Entwicklungen identifiziert, die Online-Reisebüros (OTAs) in diesem Jahr prägen werden.
An erster Stelle steht dabei der Durchbruch sogenannter agentischer KI. Diese fortschrittlichen KI-Tools können Reisen von Anfang bis Ende eigenständig planen und buchen – eine Technologie, die traditionelle Such- und Klickmodelle schrittweise ablösen könnte. Sowohl große Technologiekonzerne als auch etablierte OTAs werden voraussichtlich 2026 entsprechende Funktionen einführen.
Die BofA warnt jedoch vor steigenden Risiken der Disintermediation für klassische Reiseplattformen. OTAs müssen sich künftig stärker auf proprietäre Angebote, Kundenbindungsprogramme und ihre Markenstärke verlassen, um direkten Traffic zu sichern. Die Analysten sprechen von einem Übergang zu "Search 2.0" – einem grundlegend veränderten Wettbewerbsumfeld.
Zyklische Erholung und WM-Effekt
Für die erste Jahreshälfte 2026 prognostiziert die Bank eine Entspannung der US-Reisenachfrage. Die Buchungszahlen dürften von günstigen Vergleichswerten profitieren, nachdem die Nachfrage Anfang 2025 gedämpft verlief. Zusätzlichen Auftrieb erwarten die Analysten durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft, die etwa 1% zu den Gesamtjahresbuchungen beitragen soll – hauptsächlich bei Unterkünften in den Gastgeberstädten.
Allerdings könnten Zölle und Visabestimmungen den positiven Ausblick trüben. Die BofA mahnt zur Vorsicht bei der Bewertung dieser externen Faktoren.
Verschärfter Plattform-Wettbewerb
Der Konkurrenzkampf zwischen den großen Anbietern wird sich 2026 intensivieren. Booking, Expedia und Airbnb expandieren parallel in den Bereichen Unterkünfte, Erlebnisse, Kundenbindung und KI-gesteuerte Personalisierung. Die BofA geht davon aus, dass Airbnb sein Hotelangebot deutlich ausbauen und erstmals ein Kundenbindungsprogramm einführen wird. Booking hingegen konzentriert sich auf den Ausbau seines "Connected Trip"-Angebots.
Besonders dynamisch entwickelt sich das B2B-Geschäft. Die Analysten stellten fest, dass B2B-Buchungen schneller wachsen als Verbraucherbuchungen. OTAs investieren massiv in Partnervertrieb, Konnektivitäts-Tools und APIs. Expedia skaliert sein B2B-Geschäft global über die Rapid API-Plattform, während Booking seine B2B-Teams konsolidiert und erweitert.
Marketing-Effizienz im Fokus
Bei den Marketingausgaben sieht die BofA ein günstiges Umfeld. OTAs verlagern ihre Budgets zunehmend auf Merchandising und soziale Kanäle und nutzen Performance-Tools zur Verbesserung der Renditen. Die Bank erwartet anhaltende Marketing-Hebelwirkung bei Booking, weitere Effizienzgewinne bei Expedia unter neuer Führung und weitgehend stabile Vertriebs- und Marketingmargen bei Airbnb.
Die BofA bestätigte ihre Kaufempfehlungen für Booking und Expedia sowie die neutrale Bewertung für Airbnb. Die Analysten begründen dies mit den KI-Fortschritten, Margenmöglichkeiten und der unterschiedlichen Exposition gegenüber der sich entwickelnden Wettbewerbslandschaft.
