Ölpreise steigen: USA legen alle iranischen Fluggesellschaften still
US-Finanzminister kündigt Stilllegung iranischer Airlines an – Ölpreise steigen deutlich

Die Ölpreise sind am Dienstag deutlich gestiegen, nachdem US-Finanzminister Scott Bessent angekündigt hat, dass alle iranischen Fluggesellschaften ab Mittwoch stillgelegt werden. Die Maßnahme verschärft die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Teheran und heizt die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten weiter an.
Futures für den internationalen Benchmark Brent Crude zur November-Lieferung legten bis 1:37 Uhr ET um 1,53 Prozent auf 101,88 Dollar pro Barrel zu. Die US-amerikanischen West-Texas-Intermediate-Futures (WTI) für Oktober stiegen um 1,5 Prozent auf 97,22 Dollar pro Barrel. Damit notieren beide Rohölsorten wieder auf einem Niveau, das zuletzt in Phasen massiver geopolitischer Verwerfungen erreicht wurde.
Bessent: „Sie dürfen ihnen keinen Treibstoff bereitstellen“
Der US-Finanzminister Scott Bessent erklärte gegenüber CNBC im Programm „Squawk Box“, dass alle iranischen Fluggesellschaften ab Mittwoch stillgelegt werden. Die Durchsetzung dieser Maßnahme beschrieb er mit drastischen Worten: „Wie machen wir das? Wenn sie landen, dürfen Sie ihnen keinen Treibstoff bereitstellen. Sie dürfen ihnen keine Landeleistungen erbringen, sie dürfen ihnen keine Tickets verkaufen, oder Sie werden aus dem Dollar-System ausgeschlossen.“
Die Ankündigung ist Teil einer verschärften Sanktionspolitik der USA gegenüber dem Iran. Indem die USA die internationale Fluginfrastruktur für iranische Airlines faktisch sperren, setzen sie ein starkes Signal – nicht nur an Teheran, sondern auch an Drittstaaten, die mit iranischen Fluggesellschaften zusammenarbeiten.
Diplomatische Hoffnung: Irans Präsident reist zu UN nach New York
Trotz der Eskalation bleibt ein Funke Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian wird nach New York zu den Vereinten Nationen reisen. Nach Angaben der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wird Pezeshkian vor der UN-Versammlung sprechen und die Positionen Irans zu „internationalen Entwicklungen“ darlegen. Ein besonderer Fokus liege dabei auf dem Konflikt mit den USA und Israel.
Geplant sind zudem Gespräche mit den Führern mehrerer Länder im Zeitraum vom 22. bis 26. September sowie am 28. September am Rande der Veranstaltung. Die Reise des iranischen Präsidenten wird von Marktteilnehmern genau beobachtet, da sie die Möglichkeit direkter oder indirekter Kontakte zwischen Washington und Teheran eröffnet.
Analysten: Diplomatische Entwicklung als Preistreiber oder -bremser
Die Märkte bleiben in einer abwartenden Haltung. Lukman Otunuga, Leiter der Marktforschung bei der Online-Brokerage FXTM, betonte, dass die Aufmerksamkeit weiterhin auf diplomatische Entwicklungen gerichtet sein werde. „Eine Bestätigung direkter Gespräche zwischen Washington und Teheran könnte zusätzlichen Verkaufsdruck auf die Preise ausüben, indem sie die Erwartungen an das regionale Angebot verbessert“, so Otunuga.
Gleichzeitig warnte er vor den Risiken einer weiteren Eskalation: „Andererseits hat Teheran gewarnt, dass eine erneute Eskalation eine erhebliche Reaktion auslösen würde, was die Rohölpreise in die Höhe treiben könnte.“ Die Anleger müssen sich also auf eine volatile Phase einstellen, in der jede politische Nachricht die Preise in die eine oder andere Richtung bewegen kann.
Ausblick: Ölmarkt zwischen Sanktionen und Diplomatie
Der Ölmarkt befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen verschärften US-Sanktionen und möglichen diplomatischen Annäherungen. Die Stilllegung der iranischen Fluggesellschaften ist ein weiterer Schritt in der wirtschaftlichen Isolation Teherans. Sollte es jedoch zu direkten Gesprächen zwischen Washington und Teheran kommen, könnte dies die Risikoprämie im Ölpreis deutlich reduzieren.
Für Anleger bleibt die Lage komplex: Die geopolitischen Risiken sind hoch, die Angebotsseite ist angespannt, und jede politische Entwicklung kann kurzfristig zu heftigen Preisausschlägen führen. Die Reise von Präsident Pezeshkian nach New York wird in den kommenden Tagen im Fokus der Märkte stehen.
