Nvidia-Chef Huang: Nachfrage nach Neoclouds extrem hoch, aber Kapital fehlt
Auf der GTC in Berlin spricht Jensen Huang von extrem hoher Nachfrage nach Neoclouds und warnt vor knappem Arbeitskapital.

Jensen Huang, CEO des Chipkonzerns Nvidia, hat am Donnerstag gegenüber dem US-Sender CNBC erklärt, die Nachfrage nach sogenannten Neoclouds sei „extrem hoch“. Der Manager äußerte sich am Rande der GTC-Konferenz seines Unternehmens in Berlin, wo Nvidia seine Investitionen im europäischen KI-Sektor ausbauen will. Zugleich bremst nach seinen Worten ein knappes Kapitalangebot das Wachstum der Branche.
„Wenn man sich die Fundamentaldaten ansieht, ist die Nachfrage nach den Neoclouds extrem hoch“, sagte Huang im Gespräch mit dem CNBC-Reporter Arjun Kharpal. Die Fähigkeiten der Anbieter seien „außergewöhnlich“. Was in der Mitte fehle, sei jedoch das Arbeitskapital, um dieses Wachstum anzukurbeln.
Als Grund für den Engpass nennt Huang die Breite der Nachfrage: Weil über so viele Sektoren der KI hinweg eine enorme Nachfrage bestehe, herrsche eine Knappheit an Kapital. „Die Nachfrage nach Kapital ist viel größer als die Verfügbarkeit von Kapital. Das wird gelöst werden“, sagte der Nvidia-Chef.
Die Details
Eine zentrale Einschränkung für den KI-Boom ist laut Huang die Stromversorgung – insbesondere in Europa, wo die Strompreise höher liegen. Die Zuteilung von Energie, die in der Region knapp ist, an Unternehmen wie Nebius und Mistral sei entscheidend für deren Wachstum, betonte er auf der Konferenz.
Huang beschrieb dabei eine Art Reihenfolge des Aufbaus: „Man kann Investitionen nach Europa bringen, aber man muss mit dem Aufbau eigener Infrastruktur beginnen.“ Wenn die Neoclouds in Europa eine Infrastruktur etablieren könnten, lasse sich darauf aufbauend das KI-Ökosystem und die KI-Wirtschaft aufbauen. Dann werde sich der Schwungrad-Effekt der KI-Wirtschaft auch in Europa in Gang setzen – „er wird in Europa enden“, so Huang. Ergänzend sagte er: „In ganz Europa werden wir deutlich mehr Neoclouds benötigen.“
Druck kommt derzeit allerdings von der Börse. Aktien von Neoclouds wie CoreWeave und Nebius wurden zuletzt verkauft, weil die Bedenken zunehmen, wie stark Unternehmen in den Ausbau der KI-Infrastruktur investieren und ob sich die Rendite auf diese Investitionen nicht länger als erwartet hinzieht. Investoren sind zudem besorgt darüber, wie viele Schulden CoreWeave, einer der größten Akteure im Neocloud-Bereich, zur Finanzierung des Baus seiner Rechenzentren aufnimmt.
Am Donnerstag notierten die Titel im Vorhandel niedriger: Nebius verzeichnete einen Rückgang von 3,6 Prozent, CoreWeave fiel um 4 Prozent. Auch Irena und Applied Digital verloren nahezu 4 Prozent.
Auf der Investitionsseite hat Nvidia in diesem Monat eine intensive Medienreise durch Europa absolviert, während der Chip-Riese plant, seine Investitionen im KI-Sektor der Region auszubauen. Das Unternehmen hat fast 10 Milliarden US-Dollar für Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen bereitgestellt. Während eines Besuchs in London in der vergangenen Woche kündigte Nvidia einen Anteil im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar an fünf britischen Startups an. Der Konzern investiert zudem in verschiedene französische Startups.
„Wir versuchen, die KI-Wirtschaft in Europa anzukurbeln“, sagte Huang gegenüber CNBC. „Europa verfügt über eine enorme Menge an Technologie, ein enormes industrielles Know-how, unglaubliche wissenschaftliche und technologische Leistungen, und es ist bereit, sich hier einzubringen und die KI-Wirtschaft aufzubauen.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.06.2026 berichtete aktien.news, dass Nvidia-CEO Jensen Huang auf der Computex-Woche in Taipeh bekräftigt habe, der Konzern sei trotz anhaltender Lieferengpässe in der Lage, die wachsende Nachfrage nach KI-Chips zu bedienen. Nvidia habe sich ausreichende Lieferkapazitäten gesichert, um ein starkes Wachstum bei Hauptprozessoren (CPUs) und Grafikprozessoren (GPUs) zu unterstützen. Huang räumte damals offen ein, dass Lieferengpässe weiterhin eine Herausforderung darstellen.
Am 21.07.2026 meldete aktien.news, dass Nvidia eine Beteiligung von 9,3 Prozent an dem Neocloud-Computing-Unternehmen Nebius bekannt gegeben hat. Die Offenlegung erfolgte über eine offizielle Börsenmitteilung und konkretisierte eine bereits Anfang des Jahres angekündigte Investition in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar. Laut der Mitteilung hält Nvidia rund 22,26 Millionen Aktien an Nebius, darunter auch Anteile aus einem Optionsschein, der im Rahmen der 2-Milliarden-Dollar-Investition erworben wurde. Nvidia war es damals jedoch untersagt, diesen Optionsschein vor dem 11. September auszuüben.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news über ein Interview, in dem Huang sich optimistisch zu den Marktchancen im KI-Sektor äußerte und weiterhin enormes Potenzial für das Unternehmen und die gesamte Branche sah. Die Aussagen stammten aus einem Video, das am 14. September 2026 veröffentlicht wurde und auf Kursdaten vom Nachmittag des 12. September 2026 basierte; die Nvidia-Aktie notierte darin mit einem Minus von 3,36 Prozent.
Bereits am 12.02.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass der in Amsterdam ansässige KI-Cloud-Anbieter Nebius seine Investitionsausgaben im vierten Quartal 2024 massiv auf 2,1 Milliarden Dollar erhöht hat – ein Anstieg um mehr als 400 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal mit 416 Millionen Dollar. Zu den Kunden von Nebius zählen Tech-Giganten wie Microsoft und Meta. Im Kern des Geschäfts steht die Vermietung von Nvidia-Prozessoren und KI-Cloud-Kapazitäten an andere Technologieunternehmen.
Was das für Anleger bedeutet
Die Aussagen Huangs beschreiben eine Branche mit zweigeteiltem Bild: Auf der Nachfrageseite spricht der Nvidia-Chef von „extrem hoher“ Nachfrage und „außergewöhnlichen“ Fähigkeiten der Anbieter, auf der Finanzierungsseite von einem Kapitalengpass. Genau diese Kombination erklärt die hohe Volatilität der Neocloud-Aktien, die am Donnerstag im Vorhandel deutlich nachgaben.
Für deutsche Privatanleger sind zwei Punkte relevant. Erstens ist das Geschäftsmodell der Neoclouds kapitalintensiv: CoreWeave finanziert den Bau seiner Rechenzentren teilweise über Schulden, was Investoren laut CNBC zunehmend kritisch sehen. Zweitens hängt die europäische Expansion an der Energieversorgung – Huang nennt die in der Region knappe Energie und die höheren Strompreise ausdrücklich als Einschränkung.
Hinzu kommt die Doppelrolle von Nvidia: Der Konzern ist Lieferant von Prozessoren für die Neoclouds und zugleich Anteilseigner, unter anderem bei Nebius. Wer in Neocloud-Titel investiert, ist damit indirekt auch vom weiteren Investitionsverhalten des Chipkonzerns abhängig. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Nvidia will seine Investitionen im europäischen KI-Sektor weiter ausbauen; fast 10 Milliarden US-Dollar sind nach Angaben des Unternehmens bereits für Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen bereitgestellt. Huang erwartet, dass sich die Kapitalknappheit lösen wird, und hält deutlich mehr Neoclouds in ganz Europa für erforderlich. Ob sich diese Erwartung erfüllt, dürfte sich auch an der Frage entscheiden, wie schnell in Europa eigene Infrastruktur und Energiekapazitäten entstehen.
Kurz erklärt
- Neocloud: Anbieter, die Hardware und Cloud-Infrastruktur als Dienstleistung vermieten und dabei vor allem auf KI-Rechenkapazitäten spezialisiert sind.
- Arbeitskapital: Kurzfristig verfügbares Kapital, das ein Unternehmen benötigt, um laufendes Wachstum zu finanzieren.
- GTC: Die Hauskonferenz von Nvidia, auf der das Unternehmen Produkte und Strategie vorstellt.
