Nvidia-Aktie: Warum der Oktober zum Wendepunkt werden könnte
Die Nvidia-Aktie legt 2026 rund 21 Prozent zu. Nun rückt der Oktober in den Fokus, weil die KI-Hyperscaler ihre Capex-Guidance vorlegen könnten.

Nvidia hat im Jahr 2026 bislang rund 21 Prozent an Wert gewonnen. Die Aktie (Ticker NVDA) übertrifft damit zwar den breiten Markt, bleibt für viele Aktionäre des Chipherstellers aber deutlich hinter den Renditen zurück, die sie aus früheren Jahren gewohnt sind. Nach Einschätzung von The Motley Fool könnte ausgerechnet der Oktober zum Monat werden, in dem sich die Stimmung dreht.
Der Grund liegt in den kommenden Quartalszahlen. Der Markt hat die massiven erwarteten Wachstumssprünge für Nvidia im Jahr 2027 bislang nicht in den Aktienkurs eingepreist. Das könnte sich ändern, sobald die großen KI-Hyperscaler ihre Guidance für die Kapitalausgaben (Capex) der Rechenzentren für das Geschäftsjahr 2027 veröffentlichen.
Sollte das geschehen, könnte sich bestätigen, was Nvidia selbst über seine Erwartungen gesagt hat. Die Aktie sei derzeit auf einem recht attraktiven Niveau bewertet und damit bestens aufgestellt, um deutlich anzuziehen – vorausgesetzt, der Markt nimmt die langfristigen Projektionen des Konzerns ernster.
Die Details
Nvidia ist mit seinen Prognosen voraus. Im zweiten Quartal legte das Unternehmen eine Prognose vor, die der Markt schlicht ignorierte: Für das Geschäftsjahr 2028, das im Januar 2028 endet, erwartet Nvidia ein Umsatzwachstum von 70 Prozent. Angesichts der schieren Größe des Konzerns sei diese Rate außergewöhnlich.
Getrieben wird die Prognose vom Verkauf an KI-Hyperscaler. Deren Ausgaben für Rechenzentren sollen im Jahr 2027 wieder deutlich anziehen. Fünf große Hyperscaler planen, in diesem Jahr fast 800 Milliarden US-Dollar für den Ausbau ihrer Rechenzentren auszugeben. Die aktuellen Schätzungen gehen davon aus, dass ihre Capex im nächsten Jahr auf 1,3 Billionen US-Dollar steigen.
Diese Zahlen entsprechen nach Einschätzung der Autoren lediglich den Projektionen von Nvidia, und diese dürften angesichts der bekannten Pläne der wichtigsten Kunden sehr treffsicher sein. Die KI-Hyperscaler haben ihre Expansionspläne für 2027 wahrscheinlich bereits festgelegt und Nvidia die entsprechenden Nachfrageprognosen übermittelt, damit das Unternehmen seine Lieferkette so gut wie möglich vorbereiten kann. Der Markt hat diesen Projektionen bislang kaum Gewicht beigemessen.
Interessant ist der Zeitpunkt. Viele Unternehmen berichten in der zweiten Oktoberhälfte über ihre Q3-Ergebnisse. Angesichts der enormen Dimensionen einiger Ausbaupläne wäre es nicht überraschend, wenn einige der KI-Hyperscaler in dieser Berichtssaison ihre Capex-Guidance für 2027 bekannt geben. Der Monatsbeginn sei damit ein idealer Zeitpunkt, um Nvidia-Aktien zu kaufen, solange der Markt noch nicht überzeugt ist, dass Nvidia das prognostizierte Wachstum tatsächlich erzielen kann.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.09.2026 berichtete aktien.news unter dem Titel "3 Gründe, Nvidia im Herbst zu kaufen", dass die Nvidia-Aktie trotz jüngster Kursgewinne alles andere als überteuert erscheint. Demnach notierte die Aktie zum 14-fachen des bereinigten Gewinns für das kommende Geschäftsjahr – ein bemerkenswert moderates Niveau für ein Unternehmen, das den Gesamtmarkt im laufenden Jahr deutlich geschlagen hat. Die Fundamentaldaten des Konzerns verbesserten sich sogar noch schneller als der Aktienkurs.
Am 17.05.2026 hieß es bei aktien.news, Nvidia bleibe Top-Kauf, weil der Ausbau der KI-Infrastruktur erst am Anfang stehe. Die vier großen KI-Hyperscaler – darunter <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta – planten in diesem Jahr rund 650 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren zu investieren. Das sei eine historisch beispiellose Summe, doch laut internen Prognosen von Nvidia erst der Beginn einer noch viel größeren Investitionswelle.
Ebenfalls am 31.05.2026 berichtete aktien.news, Nvidia sei die beste KI-Aktie zum Kaufen und Halten. Das Unternehmen nehme seit Beginn des KI-Ausbaus im Jahr 2023 die Führungsposition in der Branche ein, und die Nachfrage nach KI-Infrastruktur zeige keinerlei Abschwächungstendenzen. Fast das gesamte Geschäft von Nvidia stammt demnach aus KI-bezogenen Quellen.
Bereits am 19.04.2026 meldete aktien.news, dass die Nvidia-Aktie auf ihre schlechteste Jahresperformance seit 2022 zusteuert. Mit einem Plus von lediglich 6 Prozent seit Jahresbeginn enttäuschte der Chiphersteller viele Anleger – vor allem jene, die sich an den Gewinnen von 171 Prozent im Jahr 2024 und weiteren 39 Prozent im Jahr 2025 orientierten. Schon damals lautete der Rat, den Blick nicht allein auf den Kurs, sondern auf die Investitionsausgaben (Capex) der größten Kunden zu richten, zu denen die "Magnificent Seven"-Konzerne Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta Platforms zählen.
Was das für Anleger bedeutet
Aus Bewertungssicht gilt die Aktie derzeit als günstig. Nvidia handelt aktuell zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28 auf historische Gewinne. Dieses historische KGV spiegelt jedoch weder das geschätzte Wachstum von 70 Prozent für das kommende Jahr wider noch das Wachstum, das Nvidia in den letzten zwei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs erzielt hat. Bewertet man Nvidia anhand der Gewinnprojektionen für das Geschäftsjahr 2028, sinkt das KGV auf ein Niveau von 14.
Nach Einschätzung der Autoren läge eine faire langweilige Bewertung bei etwa dem 30-fachen der Gewinne. Erfüllt Nvidia alle Analystenerwartungen und steigt auf ein 30-faches historisches KGV, könnte die Aktie zwischen jetzt und dem Ende des Geschäftsjahres 2028 mehr als doppeln. Daraus leiten sie ab, dass sich Nvidia heute durchaus als Kauf lohnt.
Für deutsche Privatanleger ist wichtig: Dies ist die Einschätzung eines US-Analystenhauses und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die zentrale Annahme des Szenarios ist, dass die Capex der Hyperscaler tatsächlich wie erwartet steigen. Bleiben diese Investitionen hinter den Prognosen zurück, gerät die Wachstumsgeschichte unter Druck. Zudem handelt es sich um einen US-Titel, sodass Währungseffekte die Rendite in Euro zusätzlich beeinflussen können.
Ausblick
Der Oktober steht im Zentrum. Wenn einige der KI-Hyperscaler während ihrer Q3-Gewinnmitteilungen ihre Capex-Guidance für 2027 bekannt geben, gewinnt der Markt mehr Zeit, diese massiven Zahlen zu verdauen. Bestätigen die Kunden die erwartete Nachfrage, müsste der Markt die Bewertung von Nvidia-Aktien neu überprüfen. Die Rallye könnte dann im Oktober beginnen – genau das ist die These, die hinter dem aktuellen Kaufargument steht.
Kurz erklärt
- KGV: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie und zeigt, wie teuer eine Aktie im Vergleich zu ihren Erträgen ist.
- Capex: Capex steht für die Investitionsausgaben eines Unternehmens, etwa für Gebäude, Anlagen und Rechenzentren.
- Hyperscaler: Als Hyperscaler werden sehr große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber bezeichnet, die IT-Infrastruktur in enormem Umfang aufbauen und betreiben.
