Nintendo-Aktie unter Druck: Preiserhöhungen und schwache Spielepipeline belasten
Enttäuschender Jahresausblick und Preiserhöhungen für die Switch 2 verunsichern Anleger und belasten die Nintendo-Aktie.

Nintendo hat für das im März abgelaufene Geschäftsjahr robuste Hardware-Verkäufe gemeldet. Doch der Ausblick auf das laufende Jahr enttäuschte den Markt deutlich. Trotz der für das Unternehmen typisch konservativen Prognosen reichten die Ankündigungen nicht aus, um das Vertrauen der Investoren zu gewinnen.
Besonders kritisch bewertet der Markt die Spielepipeline für die Nintendo Switch 2. Zwar konnte das in Kyoto ansässige Unternehmen den Lebenszyklus der ursprünglichen Switch mit Titeln aus Franchises wie „The Legend of Zelda" verlängern, und auch „Pokemon Pokopia" verzeichnete Erfolge. Dennoch sehen Analysten einen Mangel an potenziellen Blockbustern für das laufende Jahr.
„Der Rückgang der Prognose für die Spieleauslieferungen im Vergleich zum Vorjahr birgt das Risiko, ein mangelndes Vertrauen Nintendos in seine Pipeline zu signalisieren", schrieb Morningstar-Analyst Kazunori Ito in einer Mitteilung. Er fügte jedoch hinzu: „Da sich das Nutzerengagement im zweiten Jahr eines Konsolenzyklus jedoch üblicherweise beschleunigt, halten wir dies für zu pessimistisch."
Preiserhöhungen treffen preissensibles Publikum
Nintendo kündigte zudem Preiserhöhungen für die Switch 2 an. Das japanische Modell soll ab dem 25. Mai um 10.000 Yen – umgerechnet rund 63,73 US-Dollar – auf 59.980 Yen teurer werden. In Märkten wie den USA sollen die Preise ab dem 1. September angehoben werden. Die Erhöhungen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Elektronikhersteller kämpfen derzeit mit einem Preisanstieg bei Speicherchips, was die Produktionskosten in die Höhe treibt.
Das ist besonders heikel, weil Nintendo traditionell ein Publikum von Gelegenheitsspielern anspricht, die als besonders preissensibel gelten. Höhere Einstiegspreise könnten potenzielle Käufer abschrecken und die Verkaufszahlen belasten.
Jefferies-Analyst Atul Goyal sieht die Lage dennoch nicht so düster. „Das zweite Jahr ist entscheidend, und unsere von der allgemeinen Meinung abweichende Einschätzung ist, dass in diesem Jahr ein Mario-AAA-Spiel veröffentlicht wird", schrieb er in einer Mitteilung. Er verwies zudem auf Nintendos Prognosehistorie: „Die Messlatte für die Prognose liegt bewusst niedrig – Nintendo hat die ursprüngliche Prognose für das Betriebsergebnis in jedem der vergangenen vier Geschäftsjahre übertroffen."
Sony im Vergleich: Breiter aufgestellt und widerstandsfähiger
Im Gegensatz zu Nintendo bleibt der Konzern aus Kyoto stark von seinem Kerngeschäft mit Videospielen abhängig. Zwar erweisen sich Nintendos Charaktere und geistiges Eigentum in Filmen und Themenparks als populär, doch die Diversifikation reicht nicht an die des Konkurrenten Sony heran.
Sony, dessen Aktien am Montag in Tokio um 10 Prozent stiegen, prognostizierte für sein Gaming-Geschäft zwar einen geringeren Umsatz, aber einen höheren Gewinn. Da die PlayStation 5 bereits länger auf dem Markt ist, „ist Sony in einer viel besseren Position, um die höheren Kosten für Speicherchips an die Verbraucher weiterzugeben", schrieb Amir Anvarzadeh von Asymmetric Advisors. Sony gab zudem bekannt, ein neues Joint Venture zur Entwicklung und Herstellung von Bildsensoren in Japan mit dem Chiphersteller TSMC zu planen, um die Kosten zu kontrollieren.
Bernstein-Analyst David Dai kommentierte die Sony-Zahlen positiv: „Diese Ergebnisse bestätigen zumindest die These, dass Sony die Konzerngewinne durch eine Reduzierung der PS5-Auslieferungen schützen kann." Für Nintendo hingegen bleibt die Frage offen, ob die Switch 2 trotz Preiserhöhungen und einer als dünn wahrgenommenen Spielepipeline die Erwartungen der Anleger erfüllen kann.
