Nike-Krise belastet deutschen Sportfachhandel
Lieferschwierigkeiten und Konkurrenz durch Billigplattformen setzen den Händlern zu

Der deutsche Sportfachhandel spürt die Auswirkungen der Krise beim Weltmarktführer Nike deutlich. Laut Alexander von Preen, Chef von Intersport Deutschland, gibt es erhebliche Probleme bei der pünktlichen Lieferung von Nike-Produkten. Nur 36 Prozent der Bestellungen treffen termingerecht ein, was besonders bei saisonaler Ware gravierende Folgen hat. Diese Schwierigkeiten werden durch die Entscheidung Nikes, den bisherigen CEO John Donahoe zu ersetzen, weiter verdeutlicht. Ab Mitte Oktober soll der erfahrene Konzernveteran Elliott Hill die Führung übernehmen. Trotz dieser internen Umstrukturierungen bleibt Nike weiterhin auf den Direktvertrieb fokussiert, was viele Händler verärgert. Im Vergleich dazu gelten Adidas und Puma als verlässlicher, da sie enger mit dem Fachhandel kooperieren.
Im Gegensatz zu Nike hat sich Adidas nach dem Führungswechsel unter CEO Björn Gulden stärker dem Handel zugewandt. Dies hat sich insbesondere während der Fußball-Europameisterschaft ausgezahlt, als die Nachfrage nach Trikots der deutschen Nationalmannschaft überraschend hoch war. Intersport berichtet von einem Verkauf von rund 500.000 Trikots. Diese Sportereignisse haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Umsätze des genossenschaftlich organisierten Handels in Deutschland trotz eines schwierigen Konsumklimas stabil blieben.
Gleichzeitig betont von Preen, dass auch Adidas von den sportlichen Großereignissen profitiert hat. Nach der Europameisterschaft konnte der Konzern seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben korrigieren. Die Olympischen Spiele in Paris sorgten ebenfalls für eine erhöhte Nachfrage nach Sportartikeln, wenn auch der wirtschaftliche Effekt hinter den Erwartungen zurückblieb. Dennoch hofft die Branche auf eine langfristige Wirkung, insbesondere bei weniger beachteten Sportarten, die durch die Spiele an Aufmerksamkeit gewonnen haben.
Neben den Lieferschwierigkeiten und dem Konsumklima stellt die Konkurrenz durch chinesische Billigplattformen wie Temu ein weiteres Problem für den deutschen Sportfachhandel dar. Von Preen fordert daher faire Wettbewerbsbedingungen und begrüßt, dass dieses Thema auf politischer Ebene in Berlin und Brüssel diskutiert wird. Intersport plant, zukünftig das Segment der Vereinsausrüstung weiter auszubauen, um das Geschäft zu stabilisieren. Die kostenlose Ausstattung von Vereinen mit personalisierten Trikotsätzen während der Europameisterschaft war ein Teil dieser Strategie. Langfristig will Intersport bis 2030 mit einem Marktanteil von 30 Prozent zum führenden Sporthändler in Deutschland aufsteigen.
