Nestlés Wachstumsmotor stottert
Anhaltende Preiserhöhungen dämpfen Nachfrage

Beim weltgrößten Nahrungsmittelkonzern Nestlé machen sich die massiven Preiserhöhungen der letzten Quartale bemerkbar. In den ersten neun Monaten 2023 steigerte Nestlé den Umsatz zwar um 7,8 Prozent auf 68,8 Milliarden Franken. Doch das Wachstum gelang nur durch Preiserhöhungen von 8,4 Prozent, während die Absatzmengen bereits das fünfte Quartal in Folge um 0,6 Prozent sanken.
Konzernchef Mark Schneider versprach zwar, dass bis Jahresende die Volumen wieder stärker wachsen werden. Doch an der Börse kamen die Quartalszahlen schlecht an. Die Nestlé-Aktie verlor über 2 Prozent. Analysten hatten sich mehr erhofft. Sie befürchten, dass die hohen Preise die Nachfrage dauerhaft dämpfen.
Wie die meisten Konsumgüterhersteller hat Nestlé in den letzten Jahren kräftig an der Preisschraube gedreht, um gestiegene Kosten auszugleichen. Mit der Pandemie und dem Ukraine-Krieg explodierten die Preise für Rohstoffe, Logistik und Energie. Milka-Schokolade, Nespresso-Kaffee oder Maggi-Suppen – Nestlés Produkte wurden deutlich teurer.
Doch die Konsumenten reagieren zunehmend preissensibel. Laut Analysten sind viele nicht mehr bereit, die Preissteigerungen hinzunehmen. Gerade bei Gütern des täglichen Bedarfs greifen sie zu günstigeren Alternativen. Nestlé gerät dadurch in eine Zwickmühle. Einerseits muss der Konzern weiter die hohen Kosten ausgleichen. Andererseits riskiert er durch weitere Preiserhöhungen, die Kunden zu verlieren.
Bisher sieht Nestlé-Chef Schneider noch keine Gefahr für das Geschäftsmodell. Er erwartet, dass das Volumenwachstum schon bald wieder anzieht. Zudem arbeite Nestlé daran, die Produktqualität weiter zu verbessern und in Marketing zu investieren. Damit sollen globale Marken wie Nescafé, Purina oder San Pellegrino gestärkt werden.
Dennoch bleibt die Lage angespannt. Nestlés große Abhängigkeit von Preiserhöhungen zeigt, dass die Preissetzungsmacht selbst bei starken Marken Grenzen hat. Sollte sich die Inflation hartnäckig auf hohem Niveau einpendeln, müsste Nestlé mittelfristig auch seine Kostenbasis überprüfen.
Um das Wachstum langfristig zu sichern, setzt der Konzern auf Innovationen. Gerade im Gesundheitsbereich will Nestlé mit neuen Produkten punkten. Hier scheint der aktuelle Abnehm-Trend Nestlé in die Karten zu spielen. Denn durch begleitende Nahrungsergänzungsmittel kann der Konzern vom Boom der Appetitzügler profitieren.
Trotz der gewissen Sorgen bekräftigte Nestlé sein Gewinnziel für 2023. Getragen von Preiserhöhungen soll der Organisch-Umsatz um 7 bis 8 Prozent steigen bei einer operativen Marge von 17 bis 17,5 Prozent. Ob aber die Absatzvolumen wieder anspringen, muss sich erst zeigen. An der Börse ist die Nestlé-Aktie seit Monaten unter Druck.
