Nervosität im Bankensektor erschüttert Märkte
US-Regionalbanken sorgen für Kursverluste in Europa – Deutsche Bank unter Druck, BBVA trotzt dem Trend

Berichte über finanzielle Schwierigkeiten bei mehreren US-Regionalbanken haben die Anleger in Europa aufgeschreckt und die Nervosität im Bankensektor spürbar verstärkt. Auslöser waren Meldungen der Zions Bancorporation und der Western Alliance, die Abschreibungen auf notleidende Kredite bekanntgaben und von Kreditbetrug im Zusammenhang mit gewerblichen Immobilienfonds berichteten. Diese Entwicklungen trafen den Markt unerwartet und lösten Befürchtungen aus, dass die Probleme auf eine breitere Schwäche kleinerer US-Banken hinweisen könnten. Der S&P Regional Banks Select Industry Index verlor daraufhin mehr als sechs Prozent und verstärkte den Druck auf Finanzwerte weltweit.
Verstärkt wurde die Unsicherheit durch die Pleiten zweier Autozulieferer, die insbesondere im wenig transparenten Private-Credit-Markt für Unruhe sorgten. JPMorgan-Chef Jamie Dimon warnte in diesem Zusammenhang vor möglichen weiteren Fällen. Zwar zeigten die jüngsten Quartalsberichte großer Wall-Street-Institute, dass vor allem Regionalbanken betroffen sind, doch reichte die allgemeine Unsicherheit aus, um die Märkte ins Wanken zu bringen.
In Europa griff die Nervosität schnell über. Viele Anleger nutzten die Gelegenheit, um nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Monate Gewinne mitzunehmen. Der Stoxx Europe 600 Banks fiel um 2,8 Prozent und führte damit die Verliererliste unter den Branchenindizes an. Große europäische Institute wie BNP Paribas, Santander, ING und Unicredit verloren jeweils mehr als drei Prozent. Trotz des Rückschlags liegt der europäische Bankenindex seit Jahresbeginn weiterhin rund 50 Prozent im Plus, was die Stabilität des Gesamtsektors bislang stützt.
Besonders hart traf es die Aktie der Deutschen Bank, die um mehr als fünf Prozent einbrach und damit das Schlusslicht im DAX bildete. Das Institut gilt aufgrund seiner umfassenden Präsenz in den USA als anfälliger für dortige Turbulenzen. Die Commerzbank, die weniger stark im US-Geschäft engagiert ist, verlor dagegen nur 3,4 Prozent. Trotz des Kursrücksetzers bleibt die Deutsche Bank operativ solide aufgestellt und hatte bis zuletzt von der positiven Konjunkturerwartung infolge staatlicher Investitionsprogramme profitiert.
Einen Lichtblick bot hingegen die spanische Großbank BBVA. Sie legte gegen den allgemeinen Trend um mehr als fünf Prozent zu, nachdem die geplante Übernahme der Banco Sabadell gescheitert war. Da nur 25,5 Prozent der Aktionäre dem Angebot zustimmten, blieb die Transaktion aus. Anleger bewerteten das Scheitern als positiv, weil es Kosten spart und Integrationsrisiken vermeidet. Die BBVA-Aktie zeigte sich widerstandsfähig und gilt an schwachen Tagen als potenzielle Kaufgelegenheit, mit weiterem Aufwärtspotenzial von rund zehn Prozent laut Analystenschätzungen.
