Nasdaq plant Schnellaufnahme für Mega-IPOs: Kritik an Indexreform
SpaceX und andere Milliarden-Börsengänge könnten künftig direkt in den Nasdaq-100 aufgenommen werden.

Die Nasdaq arbeitet an einer umstrittenen Reform ihres prestigeträchtigen Nasdaq-100 Index. Der neue "Fast-Entry"-Prozess würde es großen Börsengängen ermöglichen, ohne die übliche Wartezeit direkt in den Index aufgenommen zu werden. Betroffen wären Unternehmen wie SpaceX, die einen Börsengang planen.
Der Vorschlag stößt auf Kritik aus der Finanzbranche. Alex Matturri, ehemaliger CEO von S&P Dow Jones Indices, warnt vor einem möglichen Interessenkonflikt. Die Nasdaq könnte die Indexregeln zu ihrem eigenen Vorteil nutzen, um mehr Unternehmen für eine Börsennotierung an ihrer Handelsplattform zu gewinnen.
Wartezeit für neue Notierungen wird hinterfragt
Bislang müssen Unternehmen eine bestimmte Zeit an der Börse notiert sein, bevor sie in wichtige Indizes wie den Nasdaq-100 aufgenommen werden. Diese "Seasoning"-Periode dient dazu, die Reife und Stabilität eines Unternehmens zu prüfen. Matturri räumt jedoch ein, dass diese Praxis aus einer Zeit stammt, als Börsengänge von kleineren, jüngeren Unternehmen durchgeführt wurden.
Die Situation hat sich grundlegend gewandelt. Moderne IPOs betreffen häufig bereits etablierte Konzerne mit Milliardenbewertungen. Unternehmen bleiben heute deutlich länger in privater Hand, bevor sie den Schritt an die Börse wagen. Dadurch sind sie zum Zeitpunkt des Börsengangs bereits ausgereift und groß.
Konkurrenz hat bereits nachgezogen
Die Nasdaq ist nicht der erste Indexanbieter, der über eine beschleunigte Aufnahme nachdenkt. Der S&P Total Market Index und die MSCI-Indizes verfügen bereits über Fast-Track-Optionen für große Neunotierungen. Dies zeigt, dass die Branche insgesamt die veränderten Marktbedingungen anerkennt.
Für die ETF-Industrie könnte die Reform erhebliche Auswirkungen haben. Zahlreiche börsengehandelte Fonds bilden den Nasdaq-100 ab und müssten bei einer Schnellaufnahme großer Unternehmen kurzfristig umschichten. Dies könnte zu erhöhter Volatilität und Handelsvolumen führen.
Die Grundvoraussetzung für eine Aufnahme in den Nasdaq-100 bleibt bestehen: Unternehmen müssen an der Nasdaq-Börse und nicht an der konkurrierenden New York Stock Exchange gelistet sein. Genau diese Regel macht den Vorschlag aus Sicht von Kritikern problematisch, da die Nasdaq sowohl Börsenbetreiber als auch Indexanbieter ist.
