Nasdaq drängt mit binären Optionen in den Prognosemarkt
Der Technologiebörsen-Betreiber beantragt bei der SEC den Handel mit Ja-oder-Nein-Optionen auf den Nasdaq 100.

Die Nasdaq will ein neues Kapitel aufschlagen: Der Börsenbetreiber hat bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Regeländerung beantragt, die sogenannte Outcome-Related-Options auf den Nasdaq 100 und den Nasdaq 100 Micro Index ermöglichen würde. Diese binären Optionen funktionieren nach dem Prinzip einer einfachen Ja-oder-Nein-Frage – tritt ein bestimmtes Ereignis ein oder nicht?
Die Kontrakte würden zwischen einem Cent und einem Dollar bewertet und spiegeln damit die Markteinschätzung über die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses wider. Händler könnten so binäre Positionen einnehmen – eine vereinfachte Form des klassischen Optionshandels, die bislang vor allem von spezialisierten Plattformen dominiert wird.
Etablierte Börsen greifen Polymarket und Kalshi an
Die Nasdaq ist dabei nicht allein. Auch die CME Group und Cboe Global Markets drängen in das Geschäft mit Prognose- und Wettmärkten, das bislang Plattformen wie Polymarket und Kalshi gehörte. Die Strategien unterscheiden sich jedoch deutlich: Cboe fokussiert sich auf Wetten zu Geschäfts- und Marktgeschehnissen, während CME in Kooperation mit dem App-Anbieter FanDuel sogar in den Sportwettenmarkt einsteigen will – Neuland für einen klassischen Finanzmarktakteur.
Entscheidend ist dabei die Wahl des Wettinhalts, denn davon hängt die Regulierungszuständigkeit ab. Ereigniskontrakte auf Kalshi, Polymarket und FanDuel fallen unter die Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Cboe und Nasdaq hingegen müssen mit ihren binären Optionen zur SEC – wohl auch deshalb, weil ähnliche Instrumente traditionell im außerbörslichen Handel zwischen institutionellen Investoren und Banken eingesetzt werden.
Regulierung bleibt für Behörden Neuland
Die regulatorischen Grenzen sind dabei noch längst nicht klar definiert. Der CFTC-Paragraf 40.11 verbietet Optionen auf Ereignisse, die Terrorismus, Attentate, Krieg oder Gaming betreffen. Wie eng diese Regel ausgelegt wird, zeigen aktuelle Fälle: Eine Kalshi-Wette auf die Absetzung des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei sorgte für Diskussionen, nachdem der Anbieter eine Auszahlung beim Tod Chameneis ausdrücklich ausgeschlossen hatte.
Ähnliche Grenzfragen stellten sich bei Polymarket: Nutzer, die auf eine US-Invasion Venezuelas gewettet hatten, gingen leer aus – die Entführung von Staatschef Nicolás Maduro wurde vom Betreiber nicht als Invasion im engeren Sinne gewertet. Diese Fälle verdeutlichen, dass die Regulierung von Prognosemärkten sowohl für Behörden als auch für Betreiber und Kunden erhebliche Unsicherheiten birgt. Klare Regeln fehlen vielerorts noch völlig.
