Nachfolger für VW-Aufsichtsratschef gesucht
Döss gilt als Favorit, doch Zweifel bleiben bestehen

Die Eigentümerfamilien von Volkswagen setzen offenbar auf Manfred Döss als Nachfolger von Hans Dieter Pötsch als Aufsichtsratschef. Der Vertrag von Pötsch, der seit Jahren die Chefposition im Kontrollgremium des Konzerns innehat, läuft im kommenden Jahr aus. Mehrere hochrangige Quellen aus dem Unternehmen bestätigen, dass insbesondere die Familien Porsche und Piech Döss als Nachfolger bevorzugen.
Manfred Döss, der seit 2016 als Rechtsvorstand bei der Porsche Automobil Holding SE tätig ist, hat sich demnach das Vertrauen der beiden einflussreichen Familien erarbeitet. Besonders seine Rolle bei der juristischen Aufarbeitung der Dieselaffäre sowie verschiedener Rechtsstreitigkeiten in den USA wird als erfolgreich bewertet. Als geradliniger Entscheidungsträger habe Döss auch bei unpopulären Maßnahmen überzeugt. So wird berichtet, dass er in Verhandlungen für weitreichende Einsparungen und die Schließung von Werken in Deutschland eintrat, was bei den Eigentümern als Zeichen von Durchsetzungsvermögen gilt.
Ob Hans Dieter Pötsch seinen Vertrag verlängern wird, ist noch offen. Der 74-Jährige könnte sich ebenso wie die Familien für eine Nachfolge durch Döss entscheiden. Allerdings zeigt sich Döss nach Angaben von Vertrauten unsicher, ob er den Posten übernehmen möchte. Eigentlich habe er nach drei Jahren im Vorstand vorgehabt, sich zur Ruhe zu setzen und mehr Zeit in seinem Ferienhaus in der Schweiz zu verbringen. Dies zeigt die Zwickmühle, in der sich der 67-Jährige befindet.
Parallel plant Volkswagen einen Konzernumbau, bei dem unter anderem der Vorstandsbereich Recht möglicherweise wegfallen könnte. Ein Wechsel in den Aufsichtsrat böte Döss eine neue Aufgabe und einen sanften Übergang. Dennoch liegt die Entscheidung über die Personalie nicht allein bei den Familien Porsche und Piech. Auch Großaktionäre wie Katar und das Land Niedersachsen sowie der Betriebsrat haben Mitspracherecht. Gerade der Betriebsrat steht Döss kritisch gegenüber, da er in den Sparverhandlungen eine harte Linie verfolgt habe. Insbesondere die geplanten Werksschließungen in Niedersachsen stießen auf Widerstand seitens der Landesregierung.
Insider gehen jedoch davon aus, dass sich diese Gruppen von Döss überzeugen lassen könnten. Offizielle Stellungnahmen von Aufsichtsrat oder Betriebsrat zu den Nachfolgediskussionen liegen bislang nicht vor. Manfred Döss, geboren 1958 in Bad Kreuznach, ist zudem seit 2019 Mitglied des Aufsichtsrates der Traton SE und seit 2022 Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi. Seine Erfahrung in verschiedenen Konzernbereichen dürfte als wertvoll für die angestrebte Position gelten.
