N26 startet Mobilfunk über eigene Banking-App
Digitale eSIM ohne Legitimierung wirft Fragen zur Regulierung und Sicherheit auf

Die Berliner Neobank N26 bietet ab sofort Mobilfunkverträge über ihre Banking-App an. Damit ist sie die erste Bank in Deutschland, die diesen Schritt geht. Kunden können über die App nicht nur ihr Konto und Depot verwalten, sondern auch einen Mobilfunktarif buchen. Möglich wird das durch ein Modell, bei dem N26 als sogenannter virtueller Netzbetreiber auftritt. Die technische Umsetzung erfolgt über den Dienstleister 1Global, der wiederum Zugriff auf das Netz von Vodafone hat.
N26 wirbt mit einem volldigitalen Prozess ohne zusätzliche Legitimierung. Die eSIM wird sofort bereitgestellt, eine Identitätsprüfung entfällt – ein Umstand, der im Widerspruch zu den in Deutschland üblichen Anforderungen bei Prepaid-Verträgen steht. Regulär ist eine Legitimationspflicht vorgesehen, um die Identität von Kunden für mögliche Auskünfte gegenüber Sicherheitsbehörden nachvollziehbar zu machen. N26-Kunden haben dieses Verfahren bereits durchlaufen, was die Bank offenbar als ausreichend ansieht.
Hinter dem Angebot steht eine Kooperation mit 1Global, einem Unternehmen, das aus dem Truphone-Netz hervorgegangen ist. Dieses wurde zuvor von dem Oligarchen Roman Abramowitsch betrieben und nach Sanktionen durch einen deutschen Unternehmer übernommen. 1Global agiert als sogenannter Mobile Virtual Network Enabler, also als technischer Mittler zwischen Netz und Anbieter. Die Verbindung zu Vodafone läuft über den Verkauf von Netzkapazitäten, die dann an Unternehmen wie N26 weitervermittelt werden.
N26 will mit dem Angebot vor allem junge, technologieaffine und preisbewusste Kunden ansprechen. Der Einstieg in den Mobilfunkmarkt soll dem Unternehmen ermöglichen, neue Daten über Kundenbedürfnisse zu sammeln, um darauf basierend gezieltere Angebote machen zu können. Branchenkenner sehen darin auch eine Möglichkeit, Marketing- und Vertriebskosten zu senken. Die Preise der neuen Mobilfunktarife liegen dank zusätzlicher Rabatte derzeit deutlich unter denen etablierter Anbieter.
Einige Einschränkungen bestehen dennoch. Nutzer berichten über Einschränkungen bei Sonderrufnummern und Roaming-Funktionen sowie über eine ungewohnte Gesprächsqualität. Zudem werden Rufnummern ausschließlich im internationalen Format akzeptiert. Der Dienst lässt sich ohne technische Hürden auch an Dritte weitergeben, was Fragen zur Sicherheit und Regulierung aufwirft.
Die Bundesnetzagentur beobachtet das Angebot kritisch. Hintergrund ist die bisherige Praxis von 1Global, eSIMs ohne Legitimationsprüfung zu vertreiben. Bereits in der Vergangenheit hatte die Behörde den Anbieter Truphone überprüft. Auch N26 steht unter Beobachtung: Die Bank war in der Vergangenheit wegen Mängeln in der Geldwäscheprävention und Verstößen gegen Auflagen aufgefallen.
