MSCI droht Indonesien mit Herabstufung – Börse verliert 16,7 Prozent
Indexanbieter kritisiert mangelnde Transparenz am indonesischen Aktienmarkt. Kapitalabflüsse von bis zu 7,8 Milliarden Dollar befürchtet.

Der indonesische Aktienmarkt erlebt einen dramatischen Einbruch, nachdem der einflussreiche Indexanbieter MSCI eine mögliche Herabstufung des Landes vom Schwellenland- zum Frontier-Market-Status angekündigt hat. Der Jakarta Composite Index stürzte innerhalb von zwei Handelstagen um bis zu 16,7 Prozent ab – eine der schwersten Kurseinbrüche in der jüngeren Geschichte des Marktes.
MSCI, dessen Indizes weltweit Vermögenswerte im Wert von 139 Billionen Dollar abbilden, begründet den Schritt mit mangelnder Transparenz am indonesischen Markt. Kunden hätten Probleme mit Marktdaten gemeldet, die verschleierten, welcher Anteil der Aktien tatsächlich frei handelbar sei. Zudem kritisiert der Indexanbieter undurchsichtige Aktionärsstrukturen und koordiniertes Handelsverhalten, das die ordnungsgemäße Preisbildung untergrabe.
Die Warnung löste eine massive Kapitalflucht aus. Investoren befürchten, dass eine Herabstufung automatische Umschichtungen in Milliardenhöhe erzwingen könnte. Am Donnerstag erholte sich der Index zwar im Tagesverlauf, schloss aber dennoch mit einem Minus von 1,1 Prozent.
Enorme Auswirkungen auf globale Portfolios
MSCI tätigt selbst keine Anlagen, doch die Entscheidungen des Unternehmens haben enormes Gewicht. Der Flaggschiff-Index für Schwellenmärkte bildet Aktien im Wert von rund 10 Billionen Dollar ab. Sowohl aktive Fondsmanager als auch passive ETFs richten ihre Portfolios an diesen Benchmarks aus.
Eine Herabstufung würde bedeuten, dass indonesische Aktien aus zahlreichen Schwellenländer-Portfolios ausscheiden müssten. Goldman Sachs schätzt potenzielle Kapitalabflüsse auf bis zu 7,8 Milliarden Dollar – ein Szenario, das die Investmentbank allerdings für unwahrscheinlich hält. Indonesien macht derzeit etwa ein Prozent der Gewichtung im MSCI Emerging Markets Index aus, der von China, Taiwan und Indien dominiert wird.
Regierung hat bis Mai Zeit für Reformen
MSCI hat der indonesischen Regierung eine Frist bis Mai gesetzt, um Fortschritte bei der Marktransparenz nachzuweisen. Zu diesem Zeitpunkt wird der Status neu bewertet. Die indonesischen Finanzbehörden zeigten sich am Donnerstag gesprächsbereit und bezeichneten die Kritik als "guten Input".
Die Regierung hat bereits konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, darunter eine Verdoppelung der Free-Float-Anforderung für börsennotierte Unternehmen auf 15 Prozent. Man warte nun auf eine Antwort von MSCI zu den vorgeschlagenen Schritten. Die Kommunikation mit dem Indexanbieter verlaufe positiv, hieß es offiziell.
Historische Präzedenzfälle zeigen Brisanz
Indexanbieter wie MSCI, FTSE Russell und S&P Global haben in den vergangenen Jahren die globale Anlagelandschaft neu gestaltet. Hoch- und Herabstufungen hatten in der Vergangenheit massive Auswirkungen auf betroffene Länder. Ob andere Indexanbieter dem Beispiel von MSCI folgen werden, bleibt abzuwarten. FTSE Russell erklärte, man beobachte die Situation genau.
Für ausländische Investoren besteht wenig Anreiz abzuwarten, wenn eine Welle von Kapitalabflüssen droht. Die indonesische Regierung hat in der Vergangenheit allerdings auch Härte gezeigt: 2015 und 2017 belegte sie JPMorgan Chase mit Sanktionen, nachdem die Bank negative Empfehlungen für indonesische Anleihen und Aktien ausgesprochen hatte.
Der Ball liegt nun im Spielfeld der indonesischen Regierung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die angekündigten Reformen ausreichen, um MSCI zu überzeugen und eine Herabstufung abzuwenden.
