Morgan Stanley übertrifft Gewinnschätzungen dank starkem Aktienhandel
Die US-Investmentbank profitiert von Marktturbulenzen und steigert den Aktienhandel um fast 41 Prozent.

Morgan Stanley hat am Mittwoch die Schätzungen für den Gewinn im dritten Quartal übertroffen. Treiber war ein außergewöhnlich starker Aktienhandel, der von der Marktvolatilität infolge der jüngsten Zinsentscheidung sowie des Konflikts zwischen den USA und dem Iran profitierte. Zusätzlich steigerten Beratungsmandate und M&A-Gebühren das Einkommen aus dem Investmentbanking.
Die Marktturbulenzen veranlassten Anleger, ihre Portfolios neu auszurichten. Das trieb die Handelsvolumina in die Höhe und kurbelte die Umsätze an den Trading-Desks der Bank an. Morgan Stanley verzeichnete einen Umsatz aus dem Aktienhandel von 5,8 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um fast 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der auf Morgan Stanley entfallende Gewinn belief sich in den drei zum 30. September endenden Monaten auf 4,91 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 3,03 US-Dollar je Aktie. Im Vorjahr waren es 4,61 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 2,80 US-Dollar je Aktie. Analysten hatten laut den von LSEG zusammengestellten Schätzungen einen Gewinn von 2,91 US-Dollar je Aktie erwartet.
Die Details
Der Aktienhandel leistete den größten Beitrag zum Quartalsergebnis. „Die Aktivität im Aktienhandel des Unternehmens hat einen Großteil der Schwerstarbeit für das Gesamtquartal des Bankhauses geleistet“, sagte Daniel Coatsworth, Leiter der Märkte bei AJ Bell. Goldman Sachs, der bereits am Vortag die Gewinnprognosen für das dritte Quartal übertroffen hatte, meldete ebenfalls einen ähnlichen Sprung bei den Aktiengeschäften.
Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Der Umsatz von Morgan Stanley aus dem Fixed-Income-Handel sank um 7,3 Prozent auf 2,01 Milliarden US-Dollar. Diese Verlangsamung spiegelte auch die Entwicklung bei Goldman Sachs wider, dessen Umsatz aus den Bereichen Festverzinsliche, Währungen und Rohstoffe um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging.
Sharon Yeshaya, CFO von Morgan Stanley, erklärte, der Fixed-Income-Handel sei durch die Zinsvolatilität beeinträchtigt worden. Der starke und in einigen Fällen unerwartete Anstieg im dritten Quartal habe Investoren mit Anleiheportfolios getroffen. „Das führte zu einer Aufweitung der Credit Spreads, und für alle, die Inventare halten müssen, wird dies ebenfalls herausfordernd“, so die Finanzchefin.
Der Nettoumsatz der Bank belief sich auf 20,34 Milliarden US-Dollar, nach 18,22 Milliarden US-Dollar im Vorjahr und im Vergleich zu den Erwartungen von 19,95 Milliarden US-Dollar. Der Investmentbanking-Umsatz von Morgan Stanley stieg im Jahresvergleich um 2 Prozent auf 2,16 Milliarden US-Dollar. Auch Goldman Sachs berichtete über höhere Erträge aus seiner Investmentbanking-Sparte, während JPMorgan Chase eine Verlangsamung meldete.
Laut Daten von LSEG stürzte das globale Transaktionsvolumen im Vergleich zum Vormonat um 41 Prozent auf insgesamt 993 Milliarden US-Dollar ab und fiel damit erstmals seit dem zweiten Quartal 2025 unter die quartalsweise Schwelle von 1 Billion US-Dollar. Morgan Stanley war der führende Finanzberater beim Deal von Uber, Delivery Hero zu einem Eigenkapitalwert von 14,8 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Die Bank war zudem der führende Finanzberater für den Gusskomponentenhersteller Consolidated Precision Products bei dessen Übernahme durch GE Aerospace für 11,75 Milliarden US-Dollar. Das Investmentbanking-Haus hat auch Unterzeichnungsrollen bei den erwarteten Börsengängen der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI gesichert.
Yeshaya sagte, viele der im dritten Quartal abgesagten IPOs seien im zweiten Quartal vor dem Zinsspike diskutiert worden. Die CFO geht jedoch davon aus, dass die Transaktionen in den kommenden Quartalen wieder zunehmen werden. „Ich denke, es gibt lediglich Erwartungen hinsichtlich bestimmter Bewertungen. Nun sind die Märkte leicht angestiegen, daher müssen Managementteams ein gewisses Vertrauen in die Bewertungen entwickeln.“
US-Bankaktien fielen im dritten Quartal stark, da ein Anstieg der Treasury-Yields auf mehr als jahrzehntelange Hochs die Befürchtungen der Anleger bezüglich steigender Finanzierungskosten und einer anhaltenden Verlangsamung bei Fusionen und Übernahmen schürte. Die Aktien von Morgan Stanley haben sich im Jahr 2026 um etwa 5,1 Prozent entwickelt, schwächelten dabei gegenüber dem breiteren Markt, schnitten aber besser ab als der Peer Goldman Sachs. Der Kurs stand vor Börsenbeginn um 2,5 Prozent im Minus.
IPOs bringen Rekordzuflüsse in das Vermögensverwaltungsgeschäft
Das Vermögensverwaltungsgeschäft verzeichnete im dritten Quartal neue Nettozuflüsse in Höhe von 232 Milliarden US-Dollar, wobei etwas mehr als die Hälfte mit IPO-bezogenen Strömen verbunden war, teilte die Bank mit. Yeshaya ging nicht näher darauf ein, welche IPOs zu diesen Zuflüssen führten, erwähnte jedoch, dass diese im zweiten Quartal stattfanden. Morgan Stanley und Goldman Sachs führten den SpaceX-IPO im Juni an.
Diese Zuflüsse seien nicht nur auf Mitarbeiter zurückzuführen, sondern auch auf große Investoren, die ihre Anteile an SpaceX erworben hätten, als das Unternehmen noch privat war, fügte die CFO von Morgan Stanley hinzu. Viele davon seien Kunden von Morgan Stanley, woraufhin der Anteil am privaten Unternehmen in Aktien umgewandelt werde, die auf ein Morgan Stanley-Konto fließen und einem Berater zugewiesen werden.
Unterdessen lag der Nettoumsatz bei der Vermögensverwaltungssparte, die im zweiten Quartal 2026 ein langfristiges Ziel von 10 Billionen US-Dollar an Assets erreicht hatte, bei 9,07 Milliarden US-Dollar, einem Anstieg um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Der Umsatz lag etwas unter den Prognosen und ist bedeutend, da die Vermögensverwaltung eine der wichtigsten strategischen Wachstumsmotoren der Bank ist“, so Coatsworth.
Goldman Sachs und Morgan Stanley haben ihre Vermögensverwaltungsgeschäfte in den letzten Jahren ausgebaut, um stabilere Gewinne zu erzielen und die Abhängigkeit von ihren volatilen Trading- und Investmentbanking-Sparten zu reduzieren. Die Investmentmanagement-Sparte von Morgan Stanley, die die Private-Credit-Fonds beherbergt, verzeichnete in den drei zum September endenden Monaten einen Nettoumsatz von 1,46 Milliarden US-Dollar, nach 1,65 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
Antragszahlen auf Auszahlungen durch Anleger beim North Haven Private Income Fund von Morgan Stanley blieben im dritten Quartal hoch und widersprachen damit einem breiteren Branchentrend verlangsachter Rückkäufe. In der jüngsten Tender Offer des Private-Credit-Fonds strebten Anleger den Verkauf von 11,4 Prozent der Anteile an, was nahezu den im Vormonat beantragten 11,6 Prozent entsprach. Der Sektor der Private Credits sah sich aufgrund der Angst der Anleger vor möglichen Störungen von Softwareunternehmen in ihren Portfolios durch KI unter Druck gesetzt, was zu Rückkaufforderungen führte. Allerdings haben sich die Auszahlungsanträge bei großen Fonds im dritten Quartal entspannt, da Asset Manager bestehende Rückstände abarbeiteten und sich die Anlegerstimmung erholte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktienhändler von Morgan Stanley im zweiten Quartal 2026 mit Einnahmen von 6,3 Milliarden US-Dollar im Aktienhandel einen neuen Quartalsrekord aufgestellt hatten. Das entsprach einem Anstieg von 69 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertraf sogar das bisherige Allzeithoch aus dem ersten Quartal des laufenden Jahres. Damals reihte sich Morgan Stanley nahtlos in eine Reihe von Wall-Street-Rivalen ein, die ebenfalls von den außerordentlich lebhaften Märkten und der anhaltenden Volatilität profitiert hatten.
Ebenfalls am 15.07.2026 meldete aktien.news, dass die Aktie von Morgan Stanley im vorbörslichen Handel 1,3 Prozent verlor – trotz eines der stärksten Quartalsergebnisse in der Geschichte des US-Investmentbanking-Riesen. Das Unternehmen hatte einen Rekordumsatz von 21,35 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 3,46 US-Dollar gemeldet und damit die Konsensschätzungen der Analysten von 2,94 US-Dollar je Aktie deutlich übertroffen. Haupttreiber war der Aktienhandel mit einem Anstieg um 69 Prozent auf den Rekordwert von 6,3 Milliarden US-Dollar; die Nettoneuzuflüsse in der Vermögensverwaltung beliefen sich auf 148,1 Milliarden US-Dollar.
Am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass die JPMorgan Chase & Co. für das dritte Quartal deutliche Zuwächse sowohl im Handelsgeschäft als auch im Investmentbanking erwartete. Co-Präsident Doug Petno gab diese Einschätzung auf einer Konferenz der Barclays Plc bekannt; demnach sollten die Handelserlöse für den Zeitraum bis zum 30. September um einen Prozentsatz im mittleren bis hohen Teenagerbereich steigen, und auch die Investmentbanking-Gebühren könnten um einen ähnlichen Betrag zulegen.
Am 08.10.2026 schließlich berichtete aktien.news, dass Anleger die quartalsweisen Bankergebnisse der USA in der kommenden Woche genau daraufhin prüfen würden, ob der jüngste Anstieg der Treasury-Renditen das Deal-Making und das Kreditwachstum dämpfen sowie die Refinanzierungskosten in der gesamten Branche erhöhen könnte. Für die größten Banken wurde erwartet, dass die Ergebnisse im dritten Quartal um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Die Einnahmen aus Investmentbanking und Handel fielen deutlich höher aus als im Vorquartal, und es gab bislang keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Kreditportfolios. Dennoch standen die Aktien der Banken unter Druck, da die Anleiherenditen auf ein mehrjähriges Hoch geklettert waren.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt das Quartalsergebnis zweierlei. Einerseits belegt der Aktienhandel erneut seine Rolle als kurzfristiger Gewinntreiber in volatilen Marktphasen – ein Muster, das sich bereits im zweiten Quartal 2026 mit dem damaligen Rekordwert von 6,3 Milliarden US-Dollar gezeigt hatte. Andererseits macht der Rückgang im Fixed-Income-Handel und die Zurückhaltung bei Fusionen und Übernahmen deutlich, wie stark das Geschäft von der Zinsentwicklung abhängt.
Bemerkenswert ist die Verschiebung innerhalb des Konzerns: Die Vermögensverwaltung mit ihren wiederkehrenden Erträgen gewinnt strategisch an Gewicht, während Investmentbanking und Handel volatil bleiben. Der Umsatz der Sparte lag mit 9,07 Milliarden US-Dollar allerdings etwas unter den Prognosen. Anleger sollten zudem beachten, dass die Aktie trotz der Ergebnisübertreffung vor Börsenbeginn um 2,5 Prozent nachgab und sich im Jahr 2026 mit etwa 5,1 Prozent schwächer als der breitere Markt entwickelte. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern eine Einordnung der berichteten Zahlen.
Ausblick
Morgan Stanley-CFO Sharon Yeshaya erwartet, dass die Transaktionen in den kommenden Quartalen wieder zunehmen werden. Viele der im dritten Quartal abgesagten IPOs seien im zweiten Quartal vor dem Zinsspike diskutiert worden. Sie verwies darauf, dass die Märkte leicht angestiegen seien und Managementteams ein gewisses Vertrauen in die Bewertungen entwickeln müssten. Konkrete Termine für einzelne Transaktionen nannte das Unternehmen nicht.
Kurz erklärt
- Aktienhandel: Der Handel mit Aktien an den Handelsdesks einer Bank, dessen Erträge stark von Marktvolatilität und Handelsvolumina abhängen.
- Fixed-Income-Handel: Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen, der besonders auf Zinsänderungen reagiert.
- Credit Spreads: Der Renditeaufschlag, den Anleihen gegenüber risikofreien Papieren bieten und der sich bei Unsicherheit ausweitet.
- Investmentbanking: Das Geschäft mit Beratung bei Fusionen und Übernahmen sowie der Begleitung von Börsengängen.
