Milliardenrisiko für Staat durch Northvolt-Insolvenz
Weitere 300 Millionen Euro könnten laut Ministerium endgültig verloren gehen

Die finanzielle Schieflage des schwedischen Batterieherstellers Northvolt könnte für den deutschen Staat noch teurer werden als bislang angenommen. Nach Angaben des Handelsblatts steht ein weiterer Verlust von bis zu 300 Millionen Euro im Raum. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Northvolt von der deutschen Förderbank KfW über eine Wandelanleihe rund 600 Millionen Euro erhalten hatte. Ob diese Mittel jemals zurückgezahlt werden, ist ungewiss. Zusätzlich hatte die Bundesregierung im Jahr 2020 eine 80-prozentige Garantie für Bankkredite an Northvolt in Höhe von 525 Millionen US-Dollar übernommen. Auch hier droht nun ein finanzieller Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.
Northvolt hatte im März 2025 einen Insolvenzantrag für seinen Hauptsitz in Schweden gestellt. Zwar ist die deutsche Tochtergesellschaft Northvolt Germany formal eigenständig, sie ist aber indirekt von den Auswirkungen des Insolvenzverfahrens betroffen. Besonders betroffen ist die im Bau befindliche Batteriefabrik in Heide, Schleswig-Holstein. Dort hatte es nach Bekanntgabe der geplanten Übernahme durch das US-Unternehmen Lyten zunächst Hoffnung auf eine Fortsetzung des Projekts gegeben. Lyten hatte angekündigt, sämtliche verbliebenen Northvolt-Standorte zu übernehmen, darunter auch die Baustelle in Heide.
Doch trotz dieser Perspektive sind die finanziellen Folgen für den deutschen Staat weiterhin erheblich. Laut Protokoll einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Bundestag vom 4. Dezember 2024 soll ein Fachreferent des Bundeswirtschaftsministeriums erklärt haben, dass sich die Risikoposition des Bundes aus der Kreditgarantie auf derzeit 376 Millionen US-Dollar zuzüglich Finanzierungskosten belaufe. In derselben Sitzung habe der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bestätigt, dass möglicherweise zusätzlich 300 Millionen Euro verloren gehen könnten. Im Zweifel sei dieses Geld „im Feuer“, habe Habeck laut dem Sitzungsprotokoll erklärt.
Die Nachfolgerin im Amt, Katherine Reiche, äußerte sich kritisch zu den früheren Entscheidungen ihres Vorgängers. Während sie gute Absichten anerkannte, distanzierte sie sich zugleich von der damaligen Förderpolitik. Das Bundeswirtschaftsministerium beobachtet die weitere Entwicklung der Übernahmepläne durch Lyten und prüft insbesondere die Auswirkungen auf die staatlich finanzierte Wandelanleihe sowie den Fortgang des Projekts in Heide. Ein Abschluss der Übernahme wird frühestens im vierten Quartal 2025 erwartet, da noch behördliche Genehmigungen in Schweden, Deutschland und der EU ausstehen.
