ANZEIGE

Milliardenprogramm soll Sicherheit im Weltraum stärken

Pistorius warnt vor Russland und China, Industrie fordert mehr Investitionen und Kooperation

2 Min
Milliardenprogramm soll Sicherheit im Weltraum stärken

Bedrohungen im Weltraum rücken zunehmend in den Fokus der deutschen Sicherheitspolitik. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat auf einem Weltraumkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ein Sicherheitspaket mit einem Volumen von 35 Milliarden Euro bis 2030 angekündigt. Ziel sei es, eine robuste Struktur aus Satellitenkonstellationen, Bodenstationen und gesicherten Startfähigkeiten aufzubauen. Dabei gehe es ausdrücklich auch um den Schutz vor Cyberangriffen, die alle Weltraumsysteme betreffen könnten. Pistorius betonte, dass Russland und China ihre militärischen Fähigkeiten im All in den vergangenen Jahren stark ausgebaut hätten.

Der Minister verwies auf konkrete Vorfälle, bei denen russische Aufklärungssatelliten zwei auch von der Bundeswehr genutzte IntelSat-Satelliten verfolgten. Zudem hätten während seiner Rede in Berlin 39 russische und chinesische Aufklärungssatelliten die Hauptstadt überflogen. China führe darüber hinaus hochagile Annäherungsmanöver durch, die er mit Luftkampfübungen verglich. Diese Techniken ermöglichten es, Satelliten zu stören, zu manipulieren oder sogar zu zerstören. Pistorius sprach von Satellitennetzwerken als Achillesferse moderner Gesellschaften, deren Ausfall ganze Staaten lahmlegen könne.

Bereits heute seien Bundeswehr-Systeme Störangriffen ausgesetzt, so der Minister. Betroffen sei nicht nur das Militär, sondern auch die Wirtschaft und die Gesellschaft. Um diesen Gefahren zu begegnen, müsse Deutschland auch über Offensivfähigkeiten im All sprechen. Pistorius forderte, dass die Bundesrepublik in der Lage sein müsse, im Notfall selbst Angriffe durchzuführen, um glaubwürdig abschrecken zu können. Dafür brauche es gesicherte Kapazitäten für Transporte ins All. Ein Mix aus kleinen Trägerraketen für flexible Starts und mittelfristig europäischen Schwerlastträgern sei notwendig. Zudem kündigte Pistorius den Aufbau eines eigenen militärischen Satelliten-Betriebszentrums im Weltraumkommando der Bundeswehr an.

Parallel zu den Plänen des Verteidigungsministeriums machte die deutsche Industrie auf ihre Sorgen aufmerksam. BDI-Präsident Peter Leibinger erklärte, Raumfahrt sei weit mehr als Technologie, sondern eine unverzichtbare Infrastruktur in einer geopolitisch unsicheren Welt. Deutschland und Europa hätten im Vergleich zu den USA und China erheblich an Boden verloren. Während die USA über mehr als 10.000 eigene Satelliten verfügten und China über rund 900, betreibe Deutschland nur gut 80. Diese Abhängigkeit von ausländischen Anbietern stelle ein Risiko für Kommunikation, Logistik, Mobilität und Verteidigung dar.

Eine Studie des BDI und der Beratungsgesellschaft Roland Berger prognostiziert, dass sich der globale Markt für weltraumgestützte Infrastruktur und Dienste bis 2040 vervierfachen werde – von derzeit etwa 500 Milliarden auf zwei Billionen Euro. Um daran teilzuhaben, müsse Deutschland mehr investieren, bürokratische Hürden abbauen und die Zusammenarbeit nationaler und europäischer Raumfahrtbehörden intensivieren. Die lange Unterfinanzierung habe die Wettbewerbsfähigkeit bereits geschwächt, zugleich biete die deutsche Ingenieurskompetenz jedoch weiterhin großes Potenzial für den Ausbau eigener Fähigkeiten.

RaumfahrtSatellitensysteme DeutschlandSicherheit

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer