Milliardenpleite und undurchsichtige Darlehen
Signa-Gruppe: Die unerwarteten Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf Gläubiger und Sanierungsverfahren

In der österreichischen Wirtschaftswelt sorgt derzeit ein Fall für Aufsehen: Die Insolvenz der Signa-Gruppe, die als die größte Pleite in der Geschichte der Republik Österreich gilt. Die Gruppe, die unter der Führung von René Benko stand, hat bei 94 Gläubigern Verbindlichkeiten von über 14 Milliarden Euro. Besonders brisant ist dabei ein Vorgang, der im Zusammenhang mit der Tochterfirma Signa Development steht.
Vor der Insolvenz hat Signa Development mehr als 300 Millionen Euro an zwei Gesellschaften verliehen, die zum privaten Umfeld Benkos gehören: Laura Finance Holding und Laura Holding. Diese beiden Unternehmen sind unter der Kontrolle der Laura Privatstiftung, benannt nach Benkos Tochter und mitgegründet von seiner Mutter Ingeborg. Die Stiftung besitzt unter anderem Benkos Privatresidenz in Innsbruck und sein Winterdomizil in Oberlech am Arlberg.
Die Darlehen wurden im Jahr 2023 vergeben, doch viele Gläubiger erfuhren erst Monate später davon. Zu diesem Zeitpunkt hatte Signa Development bereits Insolvenz angemeldet. Die Rückholung der 300 Millionen Euro scheint für die Gläubiger unwahrscheinlich, da die Sanierer der Signa Development laut einem Bericht der „Financial Times“ nicht davon ausgehen, dass das Geld zurückgezahlt werden kann.
Die Insolvenz der Signa-Gruppe hat weitreichende Folgen. Unter dem Dach der Signa Prime waren prestigeträchtige Immobilien und Bauvorhaben gebündelt, darunter das Betongerippe des Hamburger Elbtowers und verschiedene Warenhäuser in Deutschland sowie die Luxuseinkaufsmeile Goldenes Quartier in Wien. Die Signa Development hingegen war für Projekte abseits der Top-Lagen zuständig, wie die insolventen Fluggerhöfe in Hamburg oder das Projekt Beam in Berlin.
Nach der Insolvenzanmeldung befanden sich die Gesellschaften Signa Prime, Signa Development und die Signa Holding in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Das Management blieb dabei an Bord, wurde jedoch von einem Aufpasser begleitet. Nun hat die Signa Holding jedoch ein reguläres Insolvenzverfahren beantragt, was bedeutet, dass der Sanierungsverwalter Christof Stapf die Geschäftsführung übernimmt.
Dieser Wechsel zum Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung nimmt den Zeitdruck von der Holding. Ursprünglich hätten die Gläubiger der Dachgesellschaft bereits am 12. Februar über den Sanierungsplan abstimmen sollen. Die Abstimmung über die Pläne bei den Kerngesellschaften Prime und Development ist jedoch erst für den 18. März angesetzt. Dieser Schritt ist entscheidend, um die Erfüllbarkeit und Angemessenheit des Sanierungsplans der Signa Holding ordnungsgemäß prüfen zu können.
