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Michigans Cannabis-Großhandelssteuer verfehlt Quartalsziel um zwei Drittel

Die neue 24-Prozent-Steuer brachte nur 34 Millionen Dollar statt der prognostizierten 105 Millionen – und der Markt schrumpft weiter.

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Michigans Cannabis-Großhandelssteuer verfehlt Quartalsziel um zwei Drittel

Michigans neue Großhandelssteuer auf Cannabis in Höhe von 24 Prozent hat im ersten Quartal seit ihrer Einführung deutlich weniger eingebracht als erwartet. Bis zum 30. April generierten die Behörden knapp 34 Millionen Dollar – das entspricht weniger als einem Drittel des Quartalsziels von rund 105 Millionen Dollar. Dies geht aus einem Bericht des Finanzministeriums des US-Bundesstaates hervor.

Die Steuer war am 1. Januar 2026 in Kraft getreten und stand im Mittelpunkt eines überparteilichen Abkommens zur Straßenfinanzierung. Mit ihr sollte ein langwieriger Haushaltsstreit beendet werden. Der Großteil der Einnahmen ist für den neu geschaffenen „Neighborhood Road Fund" für lokale Straßen und Brücken vorgesehen, ein kleinerer Teil fließt in einen „Comprehensive Road Funding Fund".

Massive Lücke zwischen Prognose und Realität

Die überparteiliche House Fiscal Agency hatte das jährliche Steueraufkommen bei der Verabschiedung durch die Legislative im Oktober noch auf rund 420 Millionen Dollar geschätzt. Auf dieser Grundlage ergab sich ein Quartalsziel von etwa 105 Millionen Dollar. Die tatsächlich eingenommenen knapp 34 Millionen Dollar entsprechen weniger als 33 Prozent dieses Ziels – eine erhebliche Abweichung, die politischen Druck erzeugt.

Parallel dazu zeigen die Umsatzdaten der Cannabis Regulatory Agency ein besorgniserregendes Bild: Die Verkäufe von Freizeit-Cannabis lagen von Januar bis April 2026 jeden Monat unter dem Niveau des Vorjahres. Im Januar 2026 wurden 226,4 Millionen Dollar umgesetzt, gegenüber 246,5 Millionen Dollar im Januar 2025. Im Februar sank der Umsatz von 241,3 auf 225,1 Millionen Dollar, im März von 276,3 auf 255,1 Millionen Dollar und im April von 270 auf 258,2 Millionen Dollar.

Branchenverband sieht sich bestätigt

Die Michigan Cannabis Industry Association hatte sich bereits vor der Verabschiedung der Steuer gegen diese ausgesprochen und warnt nun, die Zahlen bestätigten ihre Befürchtungen. Der Verband argumentiert, dass die neue Großhandelssteuer auf die bereits bestehende Verbrauchssteuer von 10 Prozent und die Umsatzsteuer von 6 Prozent aufgeschlagen werde – und damit den legalen Markt schrumpfen lasse, während Käufer zu illegalen Anbietern gedrängt würden.

„Unsere gewählten Volksvertreter haben die Cannabisbranche zum Opferlamm gemacht, um die Illusion einer Lösung für die Straßenfinanzierung zu erzeugen", sagte Robin Schneider, Geschäftsführerin des Verbandes, gegenüber The Detroit News. „In Wirklichkeit haben sie lediglich die Dezimierung einer starken Branche erreicht, die als Wirtschaftsmotor für diesen Bundesstaat diente. Das Ergebnis sind Betriebsschließungen, Arbeitsplatzverluste und entgangene Steuereinnahmen für die Kommunen."

Der Verband hatte im vergangenen Jahr auch rechtlich gegen die Steuer vorgeklagt. Die Begründung: Die Legislative habe das von den Wählern 2018 verabschiedete Marihuana-Gesetz ohne die erforderliche Dreiviertelmehrheit geändert. Ein Richter am Court of Claims lehnte es im Dezember ab, die Steuer auszusetzen; das Verfahren wird nun vor Gericht weiterverhandelt.

Transparenzfragen rund um Regierungsmemo

Zusätzlich sorgt ein Transparenzstreit für Aufsehen: Die Regierung von Gouverneurin Gretchen Whitmer soll laut dem Sender WLNS nur eine stark geschwärzte Version eines internen Memos der Cannabis Regulatory Agency veröffentlicht haben, das die voraussichtlichen Auswirkungen der Steuer analysierte. Kritiker sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Behörden die negativen Folgen der Steuer möglicherweise im Voraus kannten.

Für deutsche Beobachter ist der Fall Michigan ein anschauliches Beispiel dafür, wie eine zu hohe Steuerbelastung auf legale Cannabis-Märkte den gegenteiligen Effekt erzielen kann: Statt Mehreinnahmen zu generieren, droht sie, den regulierten Markt zugunsten des Schwarzmarkts zu schwächen – ein Dilemma, das auch in der europäischen Drogenpolitikdebatte zunehmend diskutiert wird.

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