Metriks friert Fondsabhebungen ein: Spannungen im Private-Credit-Markt
Der australische Private-Credit-Riese Metrics Credit Partners stoppt Auszahlungen und verzögert Finanzberichte – ein Warnsignal für den Sektor.

Der australische Private-Credit-Anbieter Metrics Credit Partners hat die Auszahlungsanträge von Anlegern aus einigen Fonds eingefroren und die Veröffentlichung seiner Finanzberichte verzögert. Das Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von rund 40 Milliarden Australischen Dollar (etwa 28 Milliarden US-Dollar) bestätigte am Mittwoch, dass sein Wirtschaftsprüfer KPMG die Jahresabschlüsse für drei börsennotierte Fonds nicht vor der Einreichungsfrist am 30. September bestätigen werde. Damit ist Metrics das jüngste Beispiel für wachsende Spannungen im Bereich des nicht-bankgestützten Kreditwesens.
Betroffen sind drei börsennotierte Fonds: der Metrics Real Estate Multi-Strategy Fund, der Metrics Income Opportunities Trust und der Metrics Master Income Trust. Diese wurden bereits seit Montag vom Börsenhandel ausgeschlossen, nachdem Metrics mitgeteilt hatte, dass es die Werte seiner Vermögenswerte abgeschrieben habe. „Auszahlungen von Anteilen an den nicht notierten Basisfonds, die in die börslichen Fahrzeuge fließen, wurden vorübergehend ausgesetzt", erklärte das Unternehmen. Die börsennotierten Fonds würden bis zur Einreichung der geprüften Finanzberichte weiterhin vom Handel ausgeschlossen bleiben.
Streit um Bewertungsmethoden
Der Kern des Konflikts liegt in unterschiedlichen Auffassungen über die Bewertung. Metrics erklärte, KPMG stimme nicht mit den Annahmen überein, die in den vorläufigen Finanzberichten verwendet wurden. Konkret geht es um die Berechnung des beizulegenden Zeitwerts für nicht notierte Beteiligungen am gewerblichen Immobilienmarkt. Diese Bewertungsfrage ist besonders sensibel, da die Wertermittlung illiquider Vermögenswerte zu den größten Herausforderungen im Private-Credit-Sektor zählt.
Die Entwicklung fällt in eine Phase erhöhter regulatorischer Aufmerksamkeit. Der australische Unternehmensaufseher hatte erst letzte Woche vor unrealistischen Bewertungen und mangelhaften Governance-Praktiken in der Private-Credit-Branche gewarnt. Unternehmen, die seine Standards nicht erfüllen, sollten sich auf Durchsetzungsmaßnahmen vorbereiten, hieß es aus der Behörde. Diese Warnung folgte dem Zusammenbruch des Immobilienentwicklers Bathla Group, der beim Eintritt in die Insolvenzverwaltung im August rund 3 Milliarden Australische Dollar bei etwa 40 Kreditgebern schuldig geblieben war.
Wachstum trifft auf Immobilienrisiken
Der australische Private-Credit-Markt ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen und stark am Immobilienmarkt exponiert. Genau dieser Sektor befindet sich jedoch aufgrund von Zinserhöhungen und Änderungen bei der Wohnimmobilienbesteuerung in einer Talfahrt. Für Anleger bedeutet das eine doppelte Belastung: Zum einen steigen die Refinanzierungskosten der Kreditnehmer, zum anderen sinken die Bewertungen der als Sicherheiten dienenden Immobilien.
Für deutsche Privatanleger ist der Fall ein anschauliches Beispiel für die Risiken, die mit Private-Credit-Strategien verbunden sind. Diese Anlageklasse verspricht oft höhere Renditen als klassische Anleihen, weil sie Kredite an Unternehmen vergibt, die keinen Zugang zum klassischen Bankkredit haben. Der Preis dafür ist jedoch eine geringere Transparenz und eine eingeschränkte Liquidität. Wenn Bewertungen angezweifelt werden oder Auszahlungen ausgesetzt werden, können Anleger – wie im Fall von Metrics – kurzfristig nicht auf ihr Kapital zugreifen.
Der Fall zeigt zudem, wie wichtig die Rolle der Wirtschaftsprüfer ist. Dass KPMG die Bestätigung der Abschlüsse verweigert, ist ein deutliches Signal, dass die Bewertungsannahmen des Managements nicht haltbar erscheinen. Solche Konflikte zwischen Fondsverwaltung und Prüfer treten typischerweise dann auf, wenn sich Marktpreise schnell verändern und die Bewertungsmodelle der Fonds mit der Realität nicht mehr Schritt halten.
Ob sich die Spannungen im australischen Private-Credit-Markt weiter ausweiten, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Immobilienmarktes und der Zinspolitik ab. Metrics betonte, die Fonds blieben bis zur Vorlage geprüfter Zahlen vom Handel ausgeschlossen. Für den gesamten Sektor dürfte der Fall als Mahnung dienen, dass Wachstum ohne solide Bewertungs- und Governance-Standards schnell zum Risiko für Anleger werden kann.
