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Mercedes-Benz droht mit Werksschließungen bei ausbleibenden Kostensenkungen

Produktionsvorstand Michael Schiebe droht mit Schließung von zwei deutschen Standorten bei ausbleibenden Kostensenkungen.

4 Min
Mercedes-Benz droht mit Werksschließungen bei ausbleibenden Kostensenkungen

Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe hat die Schließung von zwei deutschen Werken angekündigt, falls die Kosten im Inland nicht deutlich sinken. Die Drohung fiel auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Zuvor hatten die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet.

„Es ist unser klares Ziel, alle deutschen Standorte zu erhalten“, habe Schiebe den Beschäftigten gesagt. Und weiter: „Dafür müssen wir uns auf für alle verträgliche Maßnahmen einigen, um die Kosten in Deutschland zu senken. Gelingt uns dies nicht, werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen müssen.“ Der Konzern steht damit massiv unter Druck – und die Belegschaft ebenso.

Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Mercedes-Benz ohnehin bereits einen verschärften Sparkurs fährt. Der Autobauer hatte zuletzt eine „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ ausgerufen und damit eine öffentliche Debatte über die Arbeitskosten am Standort Deutschland losgetreten. In einem Schreiben an die Beschäftigten schlug der Vorstand unter anderem vor, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten.

Die Details

Bei Aufbauwerken handelt es sich um Werke, in denen die Fahrzeuge endmontiert werden. In Deutschland betreibt Mercedes-Benz solche Werke in Sindelfingen, Rastatt und Bremen. Bei Powertrainwerken geht es um die Fertigung von Komponenten für die Antriebsstränge. Diese Standorte sind Stuttgart-Untertürkheim, Affalterbach bei Stuttgart, Berlin, Hamburg, Kamenz in Sachsen sowie Kölleda und Arnstadt in Thüringen.

Welche der Standorte konkret von einer Schließung bedroht sind, ließ der Vorstand offen. Klar ist jedoch: Sollten die Kostensenkungsverhandlungen scheitern, stünden je ein Werk aus beiden Kategorien zur Disposition. Die Drohung richtet sich damit gleichermaßen an die Belegschaft wie an die Gewerkschaft IG Metall.

Bereits am Vormittag der Betriebsversammlung hatten sich rund 20.000 Beschäftigte in Sindelfingen an einem Aktionstag der IG Metall beteiligt. Sie protestierten gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in der Automobilindustrie. Die Stimmung in der Belegschaft ist aufgeheizt – der Konflikt zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern eskaliert zusehends.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der Streit zwischen Mercedes-Benz und der IG Metall hat eine Vorgeschichte, die sich über mehrere Monate aufgebaut hat. Bereits am 19. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass Mercedes-Benz eine Lockerung der Beschäftigungssicherung prüft. Personalvorständin Britta Seeger kündigte damals formelle Verhandlungen mit Gewerkschaftsvertretern über zusätzliche Spar- und Wettbewerbsmaßnahmen an. Hintergrund sei ein spürbarer Abschwung in wichtigen Absatzmärkten des Konzerns.

Am 1. Juli 2026 eskalierte der Konflikt weiter. Die IG Metall rief die Beschäftigten zu Protesten an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim auf. Auslöser war eine erneute Verschärfung des Sparkurses. „Aus Sicht der IG Metall richten sich diese Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten und stellen zentrale tarifliche Errungenschaften infrage“, erklärte die örtliche Gewerkschaftsvertretung in Stuttgart.

Nur drei Tage später, am 4. Juli 2026, gingen tausende Beschäftigte bundesweit auf die Straße. Die IG Metall kündigte einen „heißen Sommer“ für die deutschen Autobauer an. Eine tarifliche Sonderzahlung war verschoben worden, und der Vorstand wollte über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln. Kundgebungen fanden unter anderem in Sindelfingen, Untertürkheim, Rastatt, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim statt.

Am 23. Juli 2026 verteidigte Mercedes-Chef Ola Källenius den Sparkurs trotz der anhaltenden Proteststürme. Die sogenannte „Produktivitätsoffensive“ hatte die Belegschaft in Wut versetzt: Prämien wurden nicht ausgezahlt, gleichzeitig forderte das Management unbezahlte Mehrarbeit. An mehreren Standorten skandierten Mitarbeiter lautstark „Ola raus!“. Der Druck auf den Konzernchef war damit nicht nur intern spürbar, sondern auch öffentlich sichtbar.

Was das für Anleger bedeutet

Für Aktionäre von Mercedes-Benz ist die aktuelle Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits signalisiert die harte Haltung des Vorstands, dass das Management bereit ist, unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern. Andererseits zeigen die monatelangen Proteste und die aufgeheizte Stimmung in der Belegschaft, dass der Weg zu einer Einigung steinig wird.

Die Drohung mit Werksschließungen ist das schärfste Mittel, das der Vorstand bislang eingesetzt hat. Sollten tatsächlich Standorte geschlossen werden, drohen hohe Einmalbelastungen für Abfindungen, Sozialpläne und mögliche Rückstellungen. Gleichzeitig könnte eine Einigung mit der IG Metall, die niedrigere Kosten bei gleichzeitigem Erhalt der Standorte vorsieht, die Margen des Konzerns nachhaltig verbessern.

Privatanleger sollten die Entwicklung der Verhandlungen genau beobachten. Eine Einigung könnte als positives Signal für die Aktie wirken, während eine Eskalation mit Werksschließungen kurzfristig für Unsicherheit sorgen dürfte. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten – der Ausgang der Gespräche ist offen.

Ausblick

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich Unternehmensführung und IG Metall auf ein Maßnahmenpaket einigen können. Der Vorstand hat die Latte hoch gelegt: Entweder es gelingt, die Kosten in Deutschland zu senken, oder es drohen Werksschließungen. Die IG Metall hat bereits mehrfach klargemacht, dass sie zentrale tarifliche Errungenschaften nicht kampflos aufgeben wird.

Die Betriebsversammlung in Sindelfingen und die parallel stattfindenden Protestaktionen sind ein klares Zeichen, dass beide Seiten vorerst auf Konfrontationskurs bleiben. Ob es noch vor der nächsten Tarifrunde zu einer Einigung kommt oder ob der Konflikt weiter eskaliert, ist derzeit nicht absehbar. Fest steht: Mercedes-Benz steht vor einer der größten Standortentscheidungen der vergangenen Jahre.

Kurz erklärt

  • Aufbauwerk: Ein Werk, in dem Fahrzeuge endmontiert und für den Verkauf fertiggestellt werden.
  • Powertrainwerk: Ein Werk, in dem Komponenten für den Antriebsstrang eines Fahrzeugs hergestellt werden.
  • Produktivitätsoffensive: Ein vom Mercedes-Vorstand ausgerufenes Sparprogramm, das unter anderem unbezahlte Mehrarbeit und die Verschiebung von Sonderzahlungen vorsieht.
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