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Mercedes-Benz droht mit Werksschließungen in Deutschland

Erstmals bestätigt der Autobauer offiziell, dass zwei Standorte geschlossen werden könnten.

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Mercedes-Benz droht mit Werksschließungen in Deutschland

Mercedes-Benz hat erstmals offiziell bestätigt, dass im Zuge notwendiger Kostensenkungen die Schließung von zwei deutschen Standorten droht. Produktionsvorstand Michael Schiebe erklärte auf einer Betriebsversammlung im Werk Sindelfingen, dass es zwar das erklärte Ziel des Managements sei, alle deutschen Standorte zu erhalten. Sollten jedoch keine Einigungen über „verträgliche Maßnahmen" zur Kostensenkung erzielt werden, sehe sich das Unternehmen gezwungen, ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk zu schließen.

Die Ankündigung markiert eine deutliche Eskalation im seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmerseite. Bislang hatte der Stuttgarter Autobauer stets betont, an den deutschen Standorten festhalten zu wollen. Nun räumt der Vorstand erstmals öffentlich ein, dass Werksschließungen auf dem Tisch liegen.

Die Details

Die Unternehmensführung begründet den harten Kurs mit der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Angesichts eines schwächelnden China-Geschäfts und steigender US-Zölle sieht sich der Konzern unter massivem Druck. Auf Betriebsversammlungen an allen Standorten verdeutlichte der Vorstand den Beschäftigten die Kostennachteile: Im ungarischen Werk Kecskemét, das derzeit zum größten europäischen Produktionsstandort ausgebaut wird, liegen die Kosten laut Mercedes um 70 Prozent niedriger als in Deutschland.

Als Hauptfaktoren für diese enorme Diskrepanz werden höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und eine höhere Zahl an Krankheitstagen in Deutschland angeführt. Im Zentrum des Konflikts steht die Forderung des Managements, die Produktivität durch eine Erhöhung der Arbeitszeit zu steigern. Laut einem Bericht des „Handelsblatts" fordert das Unternehmen die Abschaffung der 35-Stunden-Woche und eine Anhebung auf 38 Wochenstunden.

Der Betriebsrat lehnt dies entschieden ab. Da die 35-Stunden-Woche im Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie verankert ist, stößt das Vorhaben auch bei der IG Metall auf Widerstand. Die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner betonte jüngst anlässlich eines bundesweiten Aktionstags, dass die Krise der Branche nicht durch Arbeitszeitverlängerungen, sondern durch neue Produkte und politischen Schutz vor Billigkonkurrenz aus China gelöst werden müsse.

Welche Standorte konkret von einer Schließung bedroht wären, bleibt vorerst offen. Mercedes betreibt Montagekapazitäten unter anderem in Sindelfingen, Rastatt und Bremen, während Antriebskomponenten in Werken wie Untertürkheim, Berlin und Hamburg gefertigt werden.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der Konflikt zwischen Mercedes-Benz und der Arbeitnehmerseite hat sich über mehrere Monate hinweg zugespitzt. Bereits am 19.06.2026 berichtete aktien.news, dass Mercedes-Benz die Lockerung der Beschäftigungssicherung prüft, um mehr Einsparungen zu ermöglichen. Personalvorständin Britta Seeger kündigte damals formelle Verhandlungen mit Gewerkschaftsvertretern an, um zusätzliche Spar- und Wettbewerbsmaßnahmen zu erarbeiten.

Am 01.07.2026 folgte die nächste Eskalationsstufe: Die IG Metall rief die Beschäftigten zu Protesten auf. Auslöser war eine erneute Verschärfung des Sparkurses. Die Gewerkschaft erklärte, die Maßnahmen richteten sich „einseitig gegen die Beschäftigten" und stellten „zentrale tarifliche Errungenschaften infrage". Nur drei Tage später, am 04.07.2026, gingen tausende Beschäftigte bundesweit auf die Straße. Eine tarifliche Sonderzahlung war verschoben worden, und der Vorstand wollte über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln.

Am 23.07.2026 verteidigte Mercedes-Chef Ola Källenius den Sparkurs trotz der Proteststürme. Der Konzern hatte eine sogenannte „Produktivitätsoffensive" ausgerufen, Prämien wurden nicht ausgezahlt, gleichzeitig forderte das Management die Belegschaft zur unbezahlten Mehrarbeit auf. An mehreren deutschen Standorten skandierten Mitarbeiter lautstark „Ola raus!".

Was das für Anleger bedeutet

Die aktuelle Entwicklung bei Mercedes-Benz reiht sich in eine angespannte Lage in der deutschen Automobilindustrie ein. Auch der Volkswagen-Konzern hat bereits einen radikalen Sparkurs angekündigt. Für Anleger bedeutet dies, dass die Margen der deutschen Autobauer unter erheblichem Druck stehen. Die Kombination aus schwächelndem China-Geschäft, steigenden US-Zöllen und hohen Produktionskosten in Deutschland belastet die Ertragskraft.

Die Drohung mit Werksschließungen ist ein klares Signal, dass der Vorstand bereit ist, harte Einschnitte durchzusetzen. Sollten sich Management und Arbeitnehmervertreter nicht einigen, drohen langwierige Auseinandersetzungen, die das operative Geschäft beeinträchtigen könnten. Eine Einigung könnte hingegen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zumindest teilweise wiederherstellen. Anleger sollten die weiteren Verhandlungen genau beobachten.

Ausblick

Die Gespräche zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat stehen noch ganz am Anfang. Produktionsvorstand Michael Schiebe hat klargestellt, dass Werksschließungen nur dann vom Tisch sind, wenn Einigungen über „verträgliche Maßnahmen" zur Kostensenkung erzielt werden. Die IG Metall hat bereits angekündigt, sich gegen Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich zur Wehr zu setzen. In den kommenden Wochen und Monaten ist mit weiteren Verhandlungen und möglicherweise neuen Protestaktionen zu rechnen.

Kurz erklärt

  • Aufbauwerk: Ein Produktionsstandort, in dem Fahrzeuge aus angelieferten Komponenten endmontiert werden, ohne dass dort eigene Teile gefertigt werden.
  • Powertrainwerk: Ein Werk, das Antriebskomponenten wie Motoren, Getriebe oder Achsen für Fahrzeuge herstellt.
  • Flächentarifvertrag: Ein Tarifvertrag, der für eine gesamte Branche und Region gilt und Mindeststandards zu Löhnen und Arbeitsbedingungen festlegt.
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