MercadoLibre-Aktie: 40% unter Allzeithoch – Jetzt kaufen?
Die MercadoLibre-Aktie notiert fast 40% unter ihrem Allzeithoch. Ist der Kursrückgang eine Kaufgelegenheit für langfristige Anleger?

MercadoLibre (MELI), das führende lateinamerikanische E-Commerce- und Fintech-Konglomerat, hat in den letzten Jahren deutlich an Börsenwert verloren. Die Aktie aus dem Sektor der zyklischen Konsumgüter notiert derzeit fast 40% unter ihrem Allzeithoch. Zunehmender Wettbewerb im E-Commerce sowie Rückschläge im Fintech-Bereich belasten den Kurs. Für Anleger stellt sich nun die entscheidende Frage: Ist dieser drastische Kursrückgang eine Kaufgelegenheit?
Das Unternehmen steht vor einer Reihe von Herausforderungen, die auf den ersten Blick abschreckend wirken. Trotz eines beeindruckenden Umsatzwachstums von 49% im ersten Quartal 2026 sank der Nettogewinn um 16% gegenüber dem Vorjahresniveau auf 417 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig gab MercadoLibre mehr als 1,24 Milliarden US-Dollar aus, um faule Kredite aus seinem schnell wachsenden Kreditgeschäft zu decken – verglichen mit 603 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Diese höheren Ausgaben schmälern die Rentabilität spürbar.
Die Stärke des Geschäftsmodells
MercadoLibre hat seinen Erfolg historisch darauf aufgebaut, die spezifischen Herausforderungen Lateinamerikas in Geschäftschancen zu verwandeln. Mit Mercado Pago entwickelte das Unternehmen Finanzprodukte, die es bargeldbasierten Kunden ermöglichen, auf der E-Commerce-Plattform einzukaufen – und positionierte sich damit als regionaler Fintech-Führer. Mit Mercado Envios stieg das Unternehmen zudem ins Logistikgeschäft ein und ermöglicht Lieferungen am selben oder nächsten Tag für Online-Händler.
Heute versucht MercadoLibre erneut, aktuelle geschäftliche Herausforderungen in Wettbewerbsvorteile umzuwandeln. Die unter Druck stehenden Margen im E-Commerce-Geschäft mögen auf den ersten Blick negativ wirken. Langfristig könnten sie jedoch kleinere Wettbewerber aus dem Markt drängen und MercadoLibre einen höheren Marktanteil sichern.
Der Wettbewerbsdruck ist real: E-Commerce-Schwergewichte wie Amazon, Sea Limited und zahlreiche kleinere Akteure versuchen, Marktanteile in den Entwicklungsmärkten Lateinamerikas zu gewinnen. Doch gerade in einem solchen Umfeld mit sinkenden Margen haben etablierte und kapitalstarke Unternehmen wie MercadoLibre einen strukturellen Vorteil gegenüber kleineren Konkurrenten.
KI gegen faule Kredite
Auf der Fintech-Seite reagiert MercadoLibre auf den Anstieg zweifelhafter Forderungen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen nutzt KI, um Kreditnehmern zu besseren finanziellen Entscheidungen zu verhelfen, und hat die Kreditbedingungen ausgeweitet, um die Rückzahlung zu erleichtern. Sollte es MercadoLibre gelingen, notleidende Kredite zu begrenzen, könnte dies ein positives Signal für das wachsende Kreditgeschäft sein.
Zur Bewertung: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 43 mag auf den ersten Blick hoch erscheinen. Zum Vergleich: Die Amazon-Aktie wurde in ihren frühen Wachstumsjahren routinemäßig mit mehr als dem 50-fachen des Gewinns gehandelt. Vor diesem Hintergrund erscheint das aktuelle Bewertungsniveau von MercadoLibre in einem anderen Licht.
MercadoLibre investiert bewusst in seine eigene Zukunft – auch auf Kosten kurzfristiger Rentabilität. Unter Druck stehende Margen und sinkende Gewinne sind das Ergebnis strategischer Entscheidungen, die das Unternehmen langfristig besser am Markt positionieren sollen. Anleger, die bereit sind, über kurzfristige Herausforderungen hinwegzusehen und einen langen Anlagehorizont mitbringen, könnten von der aktuellen Bewertung profitieren.
