Menschenhandel-Vorwürfe bei Baustelle von BYD in Brasilien
Behörden stufen 163 Arbeiter als Opfer ein, Unternehmen widersprechen der Einschätzung

Brasilianische Behörden haben auf einer Baustelle des chinesischen Elektroauto-Herstellers BYD im Bundesstaat Bahia 163 chinesische Arbeiter als Opfer von Menschenhandel eingestuft. Die Arbeiter wurden auf dem Gelände einer Fabrik des Unternehmens entdeckt, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Die betroffenen Personen sollen nun in Hotels untergebracht werden, bis über die Auflösung ihrer Verträge entschieden ist. BYD und die für den Bau verantwortliche Jinjiang Group erklärten sich bereit, diese Unterbringung zu finanzieren, widersprachen jedoch der Einschätzung der Behörden, dass es sich um einen Fall von Menschenhandel handele.
Das Unternehmen BYD, dessen Name für „Build Your Dreams“ steht, gehört zu den führenden Herstellern von Elektrofahrzeugen weltweit. Neben Elektroautos produziert das Unternehmen auch Batterien, elektronische Komponenten und Solaranlagen. Trotz der globalen Expansion und seiner wachsenden Bedeutung betonte BYD in diesem Zusammenhang keine unmittelbare Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Jinjiang Group, die als Baupartner für das Projekt verantwortlich ist, war außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Die Ermittlungen in Brasilien werfen ein Licht auf die Arbeitsbedingungen auf internationalen Baustellen, insbesondere im Kontext global tätiger Unternehmen wie BYD. Der Vorfall ereignet sich in einer Phase der Expansion des Unternehmens, das Ende 2023 den Bau seiner ersten europäischen Autofabrik in Ungarn angekündigt hatte. Neben Standorten in China betreibt BYD Produktionsstätten in Ländern wie den USA, Japan, Indien und Brasilien. Die aktuelle Baustelle im Bundesstaat Bahia steht dabei exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen multinationale Konzerne bei der Sicherstellung internationaler Standards konfrontiert sind.
Die brasilianischen Behörden zeigten sich entschlossen, die Umstände des Falls weiter zu untersuchen. Im Fokus stehen dabei die Vertragsbedingungen und die Umstände, unter denen die Arbeiter nach Brasilien gelangten. BYD und Jinjiang haben bislang keine weiteren Details zu den laufenden Verhandlungen oder möglichen Maßnahmen bekannt gegeben. Der Fall bleibt damit nicht nur ein juristisches, sondern auch ein reputationsbezogenes Thema für die beteiligten Unternehmen.
