Mehrwertsteuererhöhung bedroht Gastgewerbe
Zwischen Pleitewelle und Steuerreform - wie die Branche ums Überleben kämpft

Das Gastgewerbe in Deutschland steht vor einer neuen Herausforderung, die die Branche in eine Krise stürzen könnte: die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahresende. Nachdem die Branche durch die Pandemie, Energiekrise und Inflation bereits stark belastet ist, könnte diese Maßnahme für viele Betriebe das Aus bedeuten. Gerhard Jordan, Inhaber von "Jordans Untermühle", einem Wellnesshotel in Rheinhessen, hat sein Geschäftskonzept in der Pandemie erfolgreich umgestellt und ist gut gebucht. Doch er weiß, dass nicht alle so viel Glück haben.
Die Zahl der Mitgliedsbetriebe im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) ist von 220.000 vor der Pandemie auf heute 186.000 gesunken. Ingrid Hartges, DEHOGA-Geschäftsführerin, betont die soziale Funktion der Gastronomie als "Wohnzimmer der Gesellschaft". Sie warnt vor einer Pleitewelle, sollte die Mehrwertsteuer für Mahlzeiten im Restaurant von derzeit sieben Prozent wieder auf 19 Prozent steigen. Bis zu 12.000 Betriebe könnten schließen, so die Prognose.
Ökonomen wie Clemens Fuest vom ifo-Institut und Marcel Fratzscher vom DIW sehen die Sache anders. Sie argumentieren, dass die Steuersenkung eine temporäre Maßnahme während der Pandemie war und nun beendet werden sollte. Fratzscher weist darauf hin, dass die Preise in der Gastronomie bereits gestiegen sind und die Erhöhung der Mehrwertsteuer sich nur geringfügig bemerkbar machen würde.
Gastronom Jordan plädiert für eine umfassende Steuerreform und fordert, dass zumindest für die Gastronomie der niedrige Satz beibehalten wird. Er betont auch die Notwendigkeit, die Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften zu erleichtern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Jordan sieht eine positive Entwicklung in der gesellschaftlichen Anerkennung seiner Branche, die durch die Diskussion um die Mehrwertsteuer gefährdet sei.
