Mark Zandi warnt: Rekordaktienmarkt entkoppelt sich von Wirtschaftsrealität
Moody's-Chefökonom sieht wachsende Kluft zwischen boomenden Aktienkursen und einer zunehmend rezessionsgefährdeten US-Wirtschaft.

Mark Zandi, Chefökonom von Moody's, schlägt Alarm: Der boomende US-Aktienmarkt spiegelt seiner Meinung nach nicht die tatsächliche Lage der Wirtschaft wider. In seinem neuesten Newsletter warnt er Anleger ausdrücklich davor, einen starken Aktienmarkt mit einer starken Wirtschaft gleichzusetzen. Der S&P 500 beendete zuletzt eine Handelssitzung erstmals überhaupt über der Marke von 7.200 Punkten und schloss damit seinen besten Monat seit 2020 ab.
Zandi sieht die jüngste Marktdynamik als weitgehend spekulativ an. Laut dem Ökonomen machen Technologieunternehmen, deren Aktienkurse von der Begeisterung über künstliche Intelligenz angetrieben werden, fast die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung aus. „Der KI-Enthusiasmus folgt einer eigenen Dynamik, unabhängig vom Krieg und allem anderen, was in der restlichen Wirtschaft passiert", schrieb Zandi in seinem Newsletter.
KI-Euphorie und der „Trump-Put"
Als konkretes Beispiel für den spekulativen Charakter des Marktes verwies Zandi auf den Sneaker-Hersteller Allbirds, der sich zu einem KI-Unternehmen umwandelte und damit eine Rallye im Stil von Meme-Aktien auslöste. Solche Entwicklungen verdeutlichen für ihn, wie weit sich die Bewertungen von fundamentalen wirtschaftlichen Grundlagen entfernt haben.
Neben dem KI-Hype identifiziert Zandi einen weiteren Treiber der Markteuphorie: den sogenannten „Trump-Put". Damit ist die weit verbreitete Überzeugung unter Anlegern gemeint, dass US-Präsident Donald Trump im Falle eines Markteinbruchs eingreifen würde, um die Kurse zu stützen. „Der Präsident betrachtet den Aktienmarkt als Barometer für seinen Erfolg und wird daher alles Notwendige tun – sogar die militärische Fortführung des Krieges durch die USA beenden –, um sicherzustellen, dass die Aktienkurse im Falle eines Rückgangs nicht lange am Boden bleiben", zitiert Zandi aus seiner Analyse.
Rezessionsrisiko bleibt bei 40 Prozent
Trotz der Rekordhochs an den Börsen hält Zandi an seiner pessimistischen Einschätzung für die US-Wirtschaft fest. Laut dem Modell seines Unternehmens liegt die Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten weiterhin bei erhöhten 40 Prozent. Als Hauptrisikofaktoren nennt er Probleme am Arbeits- und Immobilienmarkt sowie die generelle Anfälligkeit der Wirtschaft für weitere negative Entwicklungen.
Der Iran-Krieg könnte nach Zandis Einschätzung zum entscheidenden Wendepunkt werden, der eine Rezession auslöst. Die Wirtschaft sei bereits jetzt anfällig für externe Schocks, und geopolitische Eskalationen könnten das fragile Gleichgewicht kippen.
Für deutsche Anleger ist Zandis Warnung besonders relevant, da viele Portfolios stark in US-amerikanische Technologiewerte investiert sind. Eine Korrektur an den US-Märkten würde sich unweigerlich auch auf europäische und deutsche Börsen auswirken. Zandis Fazit fällt dabei unmissverständlich aus: „Der Rekord-Aktienmarkt sagt somit wenig über die Leistung und die Aussichten der Wirtschaft aus, außer dass der Präsident bei der Fortführung des Krieges schnell nachgeben wird, wenn dieser die Wirtschaft zu untergraben scheint."
