Manchester City: Schuldspruch in 115 Anklagepunkten erschüttert Premier League
Eine unabhängige Kommission spricht Manchester City in fast allen 115 Anklagepunkten schuldig – das Urteil bleibt vorerst unter Verschluss.

Die englische Premier League hebt sich als eine der großen Geldmaschinen des Fußballs ab. Ihre Vereine erwirtschafteten in der Saison 2024/25 ein kombiniertes Bruttoeinnahmen von 6,8 Milliarden Pfund (9 Milliarden US-Dollar). Für die Saison 2025/26 wird erwartet, dass die Einnahmen die Marke von 7 Milliarden Pfund übersteigen – weit mehr als in jeder anderen konkurrierenden Liga.
Doch die Glaubwürdigkeit des reichsten Wettbewerbs im Fußball hängt davon ab, dass jeder Verein seine Einnahmen und Kosten korrekt offenlegt und unter denselben finanziellen Regeln operiert. Aus diesem Grund ist der Fall Manchester City potenziell so schädigend.
Eine unabhängige Kommission hat Manchester City nach Angaben einer mit dem Verfahren vertrauten Person in fast allen 115 Anklagepunkten wegen Regelverstößen schuldig gesprochen, die die Premier League gegen den Verein erhoben hatte. Das schriftliche Urteil der Kommission sowie mögliche Sanktionen wurden nicht öffentlich gemacht. Die Premier League lehnte eine Kommentierung ab, während Manchester City erklärt, dass die Verfahren noch laufen und vertraulich seien, und bestritt stets jegliches Fehlverhalten.
Die Details
Im Zentrum des Verfahrens stehen 115 Anklagepunkte, die die Premier League gegen Manchester City erhoben hat. Nach Angaben einer mit dem Verfahren vertrauten Person hat die unabhängige Kommission den Verein in fast allen diesen Punkten wegen Regelverstößen schuldig gesprochen. Damit steht ein Klub im Zentrum eines der schwerwiegendsten Compliance-Verfahren, die der englische Spitzenfußball je erlebt hat.
Bemerkenswert ist der Umgang mit dem Ergebnis: Das schriftliche Urteil der Kommission wurde ebenso wenig öffentlich gemacht wie mögliche Sanktionen. Auch die Premier League selbst lehnte eine Kommentierung ab. Manchester City erklärte, die Verfahren liefen noch und seien vertraulich, und bestritt stets jegliches Fehlverhalten.
Für Außenstehende bleibt damit unklar, welche konkreten Konsequenzen aus dem Schuldspruch folgen. Klar ist nur: Die wirtschaftliche Dimension des Falls ist enorm, weil die Premier League mit ihren Erlösen die Konkurrenz deutlich überragt. Die Liga erwirtschaftet mit ihren Vereinen ein Volumen, das keine andere konkurrierende Liga erreicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.05.2026 berichtete aktien.news, dass der FC Arsenal seinen Marktwert im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent gesteigert hat. Laut dem Ranking des Analysehauses Football Benchmark wird der Premier-League-Klub nun mit 4,9 Milliarden Euro – umgerechnet rund 5,7 Milliarden US-Dollar – bewertet. In der englischen Premier League liegt Arsenal damit nur noch hinter den beiden Manchesterer Schwergewichten Manchester United und Manchester City. Der Bericht unterstreicht die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Klubs – und damit auch, warum finanzielle Regelverstöße in dieser Liga so schwer wiegen.
Auch auf globaler Ebene ist der Fußball in Bewegung. Bereits am 01.08.2026 berichtete aktien.news über den Plan der FIFA, ihre Medien- und Vermarktungsrechte – einschließlich der Rechte an der Männer-Weltmeisterschaft – in eine neue Einheit namens „FIFA Forward Enterprise" (FFE) auszulagern. Durch den Verkauf eines 20-prozentigen Anteils an externe Investoren sollten 4,2 Milliarden US-Dollar eingesammelt werden. Der Plan löste eine Welle der Empörung unter den wichtigsten Regionalverbänden aus.
Am selben Tag berichtete aktien.news zudem über die Schwächen dieses Vorhabens: Dokumente, die der BBC vorliegen, enthüllten laut dem Bericht die Schwächen im Plan von FIFA-Präsident Gianni Infantino zur Teilprivatisierung der Fußball-Weltmeisterschaft. Die 25-seitige Verkaufspräsentation sei an die FIFA-Mitglieder verteilt worden und habe Umsatzerwartungen auf dem Niveau des American Football gezeichnet.
Bereits am 11.06.2026 hatte aktien.news dargelegt, wie der Fußball zum globalen Milliardengeschäft wird. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika verspreche, das größte Turnier der Geschichte zu werden – und das nicht nur sportlich. Medienkonzerne, Investoren, Städte und Verbände positionierten sich bereits, um vom erwarteten Boom zu profitieren. Zugleich warnten Ökonomen, dass die finanziellen Prognosen hinter den Erwartungen zurückbleiben könnten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Fall vor allem ein Signal für die Risiken im wachsenden Markt der Fußball-Beteiligungen. Die Premier League ist mit erwarteten Einnahmen von über 7 Milliarden Pfund in der Saison 2025/26 der kommerziell stärkste Wettbewerb im Fußball. Wer in Klubs, Fonds oder Medienrechte investiert, ist darauf angewiesen, dass die finanziellen Regeln eingehalten und transparent offengelegt werden.
Der Fall Manchester City zeigt, wie fragil dieses Vertrauen sein kann. Wenn ein Schuldspruch in fast allen 115 Anklagepunkten nicht öffentlich gemacht wird und Sanktionen offenbleiben, fehlt Anlegern eine wichtige Grundlage für die Bewertung. Die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs hängt ausdrücklich davon ab, dass jeder Verein seine Einnahmen und Kosten korrekt offenlegt und unter denselben Regeln operiert.
Hinzu kommt die wachsende Verflechtung des Sports mit den Kapitalmärkten. Wie die Berichte über Arsenal und die FIFA-Pläne zeigen, geht es längst nicht mehr nur um sportlichen Erfolg, sondern um Marktwerte, Medienrechte und Investorenrenditen. Regulatorische Risiken werden damit zu einem zentralen Faktor für die Bewertung von Engagements im Fußballgeschäft.
Ausblick
Das schriftliche Urteil der Kommission sowie mögliche Sanktionen wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Manchester City erklärte, dass die Verfahren noch laufen und vertraulich seien. Solange weder das Urteil noch mögliche Konsequenzen veröffentlicht sind, bleibt offen, welche Folgen der Schuldspruch für den Verein und für die Premier League haben wird. Die Premier League lehnte eine Kommentierung ab.
Kurz erklärt
- Premier League: die höchste englische Fußball-Spielklasse und der kommerziell stärkste Wettbewerb im Vereinsfußball.
- Bruttoeinnahmen: die gesamten Einnahmen eines Vereins vor Abzug von Kosten und Steuern.
- Unabhängige Kommission: ein von der Liga eingesetztes Gremium, das Regelverstöße von Klubs untersucht und bewertet.
