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Machtkampf um Kiekert spitzt sich zu

Eigentümer Lingyun will Insolvenz abwenden, während das Management schwere Vorwürfe erhebt

2 Min
Machtkampf um Kiekert spitzt sich zu

Der Streit um die Zukunft des Autozulieferers Kiekert spitzt sich nach dem Insolvenzantrag weiter zu. Während Vorstandschef Jérôme Debreu dem chinesischen Eigentümer schwere Vorwürfe macht, signalisiert dieser Kampfbereitschaft und den Willen, das Unternehmen zu halten.

Debreu hatte die Insolvenz der deutschen Kiekert-Gesellschaften als unausweichlich bezeichnet und die Verantwortung dafür klar bei Lingyun gesehen. Der chinesische Gesellschafter habe zugesagte Finanzmittel in dreistelliger Millionenhöhe nicht bereitgestellt und den Zugang zu wichtigen Märkten blockiert. Damit, so Debreu, sei die Geschäftstätigkeit des weltweit führenden Herstellers von automobilen Schließsystemen massiv gefährdet worden. Ein Ausstieg des Eigentümers sei entscheidend, um weiteres Wachstum zu ermöglichen.

In China stießen diese Aussagen auf erhebliche Irritation. Lingyun erklärte, von dem Insolvenzantrag vollkommen überrascht worden zu sein und erst aus den Medien davon erfahren zu haben. Das Unternehmen reagierte mit juristischen Schritten und entsandte Top-Manager nach Deutschland, um die eigene Position deutlich zu machen. Nach Angaben aus dem Umfeld der Beteiligten will Lingyun nicht kampflos das Feld räumen, sondern aktiv in das Verfahren eingreifen.

Der Eigentümer kündigte an, an der Kiekert AG und der Kiekert Holding GmbH festhalten zu wollen. Ziel sei es, Schaden von den Gläubigern abzuwenden, notwendige Liquidität bereitzustellen und die Insolvenzgründe zu beseitigen. Wie dies konkret geschehen soll, blieb zunächst offen. Denkbar wäre ein Versuch, die vom Management genannten Gründe für die Insolvenz zu entkräften und das Verfahren vom Amtsgericht Wuppertal aufheben zu lassen. Dafür wären umfangreiche Finanzierungsnachweise und Gutachten nötig. Ob die Zeit dafür reicht, ist unklar.

Lingyun betonte, seine Absichten gegenüber Gericht, Insolvenzverwalter und Gläubigern klar kommuniziert zu haben. Das Unternehmen will erreichen, dass alle Gläubiger vollständig befriedigt werden. Kiekert selbst beschäftigt weltweit rund 4500 Mitarbeiter, davon etwa 700 in Deutschland, und beliefert mehr als hundert Automarken mit Schließsystemen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Exner erklärte, die Lage der Autozulieferbranche sei insgesamt schwierig und werde zusätzlich durch geopolitische Entwicklungen wie die US-Zollpolitik belastet. Vorrangiges Ziel sei die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und die Prüfung von Sanierungsoptionen gemeinsam mit allen Beteiligten.

Ungeachtet der juristischen und finanziellen Schritte zeichnet sich bereits ab, dass das Verhältnis zwischen dem französischen Vorstandschef Debreu und dem chinesischen Gesellschafter Lingyun dauerhaft beschädigt ist. Eine Rückkehr zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gilt als unwahrscheinlich.

KiekertInsolvenz Streit Autoindustrie

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