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Machtkampf bei Tata Sons: Noel Tata übernimmt die Kontrolle

Der überraschende Rücktritt von Konzernchef Chandrasekaran markiert den Beginn einer neuen Ära beim 280-Milliarden-Dollar-Giganten.

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Machtkampf bei Tata Sons: Noel Tata übernimmt die Kontrolle

Indiens größter Mischkonzern Tata Sons steht vor einem Führungswechsel mit weitreichenden Folgen. N. Chandrasekaran, der bisherige Vorsitzende der 280 Milliarden US-Dollar schweren Gruppe, kündigte überraschend an, im Februar von seiner Position zurückzutreten. Sein Abgang gilt als Sieg für Noel Tata, den 69-jährigen Familienerben, der an der Spitze der gemeinnützigen Trusts steht, die das Konglomerat kontrollieren.

„Dies ist zweifellos der Beginn der Ära von Noel Tata", sagte Saurabh Mukherjea, Gründer von Marcellus Investment Managers mit Sitz in Mumbai. Die Rivalität zwischen Chandrasekaran und Noel Tata hatte in den vergangenen Monaten regelmäßig Schlagzeilen in Indien gemacht und sogar eine Intervention aus Neu-Delhi ausgelöst: Innen- und Finanzminister trafen sich mit beiden Männern, um die Stabilität des Konzerns zu sichern.

Streit um Strategie und Börsengang

Im Kern des Konflikts standen Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung des Konzerns und eine mögliche Rolle der nächsten Tata-Generation. Ein zentraler Streitpunkt war die Frage, ob Tata Sons an die Börse gebracht werden sollte. Indiens Zentralbank hatte das Unternehmen 2022 als eine der größten Schattenbanken des Landes eingestuft und angewiesen, innerhalb von drei Jahren an die Börse zu gehen, um die Transparenz zu erhöhen.

Noel Tata widersetzte sich diesem Druck mit dem Argument, dass der Verbleib in privater Hand größere Freiheit für langfristige strategische Investitionen erlaube. Tata hat die Reserve Bank of India inzwischen gebeten, die Einstufung zu überdenken, nachdem das Unternehmen seine Schulden abgebaut hat. Eine Entscheidung steht noch aus.

Chandrasekaran erklärte in seiner Rücktrittserklärung, dass der Antrag auf eine dritte fünfjährige Amtszeit nicht genehmigt worden sei, da ein Vorstandsmitglied „ihn nicht unterstützte". Eine ihm nahestehende Quelle sagte der Financial Times, er habe schon „seit einiger Zeit" über einen Rücktritt nachgedacht, da die Reibereien mit Noel Tata „zu nichts führten" und „so viel Feindseligkeit herrscht, dass sich nichts bewegt".

Suche nach einem Nachfolger ohne klaren Plan

Noel Tata hat bis Februar Zeit, eine neue Führungsperson zu finden. Die Aufgabe ist gewaltig: Tata Sons beschäftigt mehr als eine Million Menschen und ist damit der größte private Arbeitgeber Indiens. Das Portfolio reicht von Stahl und Strom über Jaguar Land Rover und Air India bis hin zu Tata Consultancy Services, dem größten IT-Dienstleistungsunternehmen des Landes.

Chandrasekaran hinterlässt dabei keinen Stellvertreter, und der Gruppe fehlt ein Nachfolgeplan. Der fünfköpfige Auswahlausschuss von Tata soll bald zusammenkommen, um den Prozess einzuleiten. Als möglicher Kandidat gilt laut Insidern TV Narendran, der Vorstandsvorsitzende von Tata Steel. Auch externe Bewerber werden in Betracht gezogen. „Man wird vielleicht keinen Kandidaten finden, der all die verschiedenen Geschäftsbereiche, in denen wir tätig sind, abdecken kann", sagte eine der Unternehmensführung nahestehende Quelle der FT.

Milliardenschwere Projekte unter Druck

Der Führungswechsel kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Tata Sons befindet sich mitten in mehreren Großprojekten:

  • Eine 70 Milliarden US-Dollar schwere Flottenerneuerung für Air India, die im letzten Geschäftsjahr Verluste von fast 3 Milliarden US-Dollar verzeichnete
  • Eine KI-Neuausrichtung für Tata Consultancy Services angesichts des technologischen Wandels
  • Eine 11 Milliarden US-Dollar teure Halbleiterfabrik in Partnerschaft mit der taiwanesischen Powerchip Semiconductor Manufacturing Company

Noel Tata hatte Chandrasekaran bereits im Februar gefragt, wie diese Projekte finanziert werden sollen, da die Regeln der Zentralbank der Holdinggesellschaft die Aufnahme von Fremdkapital untersagen, wenn sie in privater Hand bleiben will.

Historische Parallelen und Familiedynastie

Dies ist nicht das erste Zerwürfnis an der Spitze von Tata Sons. Ratan Tata, der 2024 verstorbene frühere Konzernchef, verstand sich nicht mit seinem Nachfolger Cyrus Mistry, der 2016 abgesetzt wurde. Der Oberste Gerichtshof Indiens entschied fünf Jahre später zugunsten der Tata-Gruppe.

Im Gegensatz zu anderen familiengeführten indischen Konglomeraten wie Mukesh Ambanis Reliance oder der Adani Group wird Tata Sons von gemeinnützigen Trusts kontrolliert – ein zentraler Aspekt des Gründungsethos des 150 Jahre alten Unternehmens. Noel Tata ist als Sohn einer Schweizer Mutter und Halbbruder des verstorbenen Ratan Tata der führende Familienvertreter im Konzern.

Kritiker werfen Noel Tata vor, seinen 33-jährigen Sohn Neville auf den Vorsitz vorzubereiten. Personen, die Noel Tata nahestehen, bestreiten dies und deuten an, Neville sei zu jung für die Rolle. Mukherjea von Marcellus Investments sieht das anders: Neville Tata sei „sehr sorgfältig aufgebaut worden. Ich glaube nicht, dass diese Leute sich diese Gelegenheit entgehen lassen werden."

Ein Geschäftspartner der Tata-Gruppe warnte unterdessen, der Zeitpunkt von Chandrasekarans Ausscheiden könne „den Nimbus um die Corporate Governance der Tata-Gruppe beschädigen – es könnte Auswirkungen auf den Zugang zu Kapital haben". Andere Beobachter zeigen sich optimistischer und betonen, dass die Turbulenzen im Verwaltungsrat nur begrenzte Auswirkungen auf das operative Geschäft der unabhängig geführten Konzerngesellschaften gehabt hätten.

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