Lufthansa warnt vor schrumpfendem Flugangebot in Deutschland
Hohe staatliche Kosten zwingen Airlines zu drastischen Streichungen und Umstrukturierungen

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich besorgt über die Zukunft des Flugverkehrs in Deutschland geäußert. Aufgrund gestiegener staatlicher Kosten rechnet Spohr mit weiteren Einschnitten in die Flugpläne. Er sieht den Wirtschaftsstandort Deutschland zunehmend gefährdet, da immer mehr Airlines deutsche Ziele meiden oder wichtige Verbindungen streichen. Zu den hohen staatlichen Kosten zählen unter anderem erhöhte Flughafengebühren und die seit Mai geltende höhere Luftverkehrssteuer. Auch die Kosten für Sicherheitskontrollen und die Flugsicherung belasten die Branche.
In den letzten Monaten haben bereits mehrere Fluggesellschaften ihre Pläne angepasst. So hat Ryanair angekündigt, ab Sommer 2025 die Flughäfen in Dortmund, Dresden und Leipzig nicht mehr anzufliegen. Auch in Hamburg und Berlin wird die Billigfluglinie ihr Angebot reduzieren. Eurowings, eine Tochtergesellschaft der Lufthansa, streicht ebenfalls zahlreiche Flüge und reduziert allein in Hamburg mehr als 1000 Verbindungen. Die Airline will stattdessen ihre Kapazitäten in Richtung Naher Osten verlegen, da die Kosten in Deutschland zu hoch seien.
Die Luftfahrtbranche fordert seit längerem eine Entlastung von den hohen Abgaben. Besonders die jüngste Erhöhung der Luftverkehrssteuer sowie weitere geplante Regulierungen, wie etwa die verpflichtende Beimischung von E-Fuels, werden kritisiert. E-Fuels sind synthetisch hergestellte Kraftstoffe, die den CO2-Ausstoß verringern sollen, jedoch noch nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Spohr befürchtet, dass diese Maßnahmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands weiter beeinträchtigen werden.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) setzt sich dafür ein, die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer zur Förderung alternativer Kraftstoffe zu nutzen. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht vor, diese Einnahmen zur Unterstützung der Entwicklung und Produktion CO2-neutraler Kraftstoffe sowie zur Modernisierung der Flotten einzusetzen. Auch in der Politik gibt es Unterstützung für Entlastungsmaßnahmen. So fordert die CDU-Politikerin Anja Karliczek ein Moratorium für weitere Belastungen der Luftfahrtbranche und spricht sich gegen die geplante Anhebung des Gebührendeckels für Sicherheitskontrollen aus. Karliczek betont, dass die jüngste Erhöhung der Luftverkehrssteuer zurückgenommen werden sollte, um die Attraktivität Deutschlands als Luftverkehrsstandort zu erhalten.
